"Der Kampf um Kunden ist gnadenlos"

Der Chef und Gründer von Deutschlands führender Dienstleistungsgruppe (Pedus: 55.000 Mitarbeiter, 2,3 Mrd. DM Umsatz), Peter Dussmann, beklagt am Standort Berlin Verdrängungswettbewerb und einen gnadenlosen Kampf um Cateringkunden. In einem Exklusiv-Interview in der gv-praxis (3/2001) nimmt er zum Standort Berlin und den jüngsten Strategien und Innovationen aus der Dussmann-Gruppe Stellung.

Welchen Stellenwert hat für Deutschlands zweitgrößten Caterer der Berliner Markt?
Peter Dussmann: Berlin hat, nicht nur im Cateringbereich, eine entscheidende Bedeutung für uns. Nach der Wende haben wir 1994 den Sitz der Hauptverwaltung von München nach Berlin verlegt. Nicht nur, um eine größere Kundennähe zu bieten - 70 Prozent unserer Kunden befinden sich nördlich der Mainlinie, sondern auch, weil sich von Berlin aus besser Kontakte nach Osteuropa knüpfen lassen, wo die Nachfrage nach Dienstleistungen rapide ansteigt. Heute gehört das Unternehmen mit 4.500 Mitarbeitern zu den zwanzig größten Arbeitgebern in der Hauptstadt. Berlin wächst und mit ihr die Dussmann-Gruppe. Mit dem Regierungsumzug haben auch wir vom Boom des Dienstleistungsmarktes in Berlin profitiert. Die Berliner Pedus-Niederlassung ist die größte und umsatzstärkste des Unternehmens und hat in den letzten zehn Jahren beim Umsatz jährlich mehr als zweistellig zugelegt. Im Catering hat Berlin nach Frankfurt den zweitstärksten Umsatz. Der Wachstumsbringer Nummer eins, die Heim- und Klinikversorgung, bei der wir in Deutschland seit langem Marktführer sind, ist auch in Berlin das Hauptgeschäft von Pedus. Mit dem Virchow-Klinikum der Charité haben wir ein Flaggschiff des Klinik-Caterings unter Vertrag.

Der Preis scheint in Dienstleistungskreisen der alles entscheidende Faktor zu sein. Ist das nicht ein gefährlicher Weg, weil alle Wettbewerber austauschbar werden? Wo liegt für Pedus die Schmerzgrenze?
Dussmann: Natürlich ist das ein gefährlicher Weg, den Pedus auch nicht bis zum Ende mitgehen wird. Verkauf nur noch über den Preis einer Dienstleistung ist für uns kein Thema. Die Schmerzgrenze lässt sich dabei nicht in Mark und Pfennig ausdrücken. Der Eindruck, dass allein der Preis entscheidet, gilt aber nicht uneingeschränkt. Für viele un-se-rer Kunden gelten weiterhin qualitative Kriterien stärker. Das Preis-/Leistungsverhältnis muss stimmen, und Pedus bietet dementsprechend unterschiedliche Standards, für die sich der Kunde entscheiden kann.

Die Hauptstadt wächst und mit ihr auch die Zahl der namhaften Wettbewerber. Ist Diversifikation in Nischen- und neue Marktsegmente ein Weg, sich zu behaupten, und was ist 2001 von Pedus Service an der Spree an Innovationen zu erwarten?
Dussmann: Der Kampf um Kunden und der Verdrängungswettbewerb sind in Berlin gnadenlos, besonders für qualitätsorientierte Anbieter. Nischen und neue Marktsegmente sind weitestgehend besetzt. Davon abgesehen, liegt dort auch nicht die Zukunft des Caterings. Pedus setzt auf Innovationen und Synergien. Mit den Bausteinen Punkt um Punkt, dem Konzept fettnormalisierte Ernährung, Shop + go, dem Kiosk mit warmen und kalten Gerichten, und der wandelBar, dem flexiblen Front-Cooking-System, hat Pedus bereits entsprechende Innovationen auf den Markt gebracht, mit denen das Unternehmen in den angestammten Tätigkeitsfeldern auf neue Ernährungs- und Lebensgewohnheiten der Kunden reagiert. Mit komplexen Angeboten der technischen, infrastrukturellen und kaufmännischen Dienstleistungen werden wir auch in 2001 viele neue Kunden gewinnen und bestehende mit unserer Qualität überzeugen können.

Pedus in Berlin
Mit 55.000 Mitarbeitern in 26 Ländern bietet die Dussmann-Gruppe alle Dienstleistungen rund um das Gebäude an: Catering, Sicherheitsdienste, Reinigung und Gebäudetechnik. Bei einem angestrebten Umsatzvolumen von 2,3 Mrd. DM für das Jahr 2000 ist die Gruppe weltweit der größte private Multidienstleister. Auf dem deutschen Markt ist sie der zweitgrößte Caterer. Die Berliner Niederlassung erreichte 1999 einen Umsatz von 193,0 Millionen DM. Und nach Fertigstellung der Neubauten Paul-Löbe-Haus, Jacob-Kaiser-Haus und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus wird Pedus Service dort die Bundestagsabgeordneten mit ihren Mitarbeitern und der dazugehörigen Verwaltung mit täglich 5.000 Essen verpflegen.

(Hans-Jörg Jarofke)



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