Franchising

Die Branche sucht Nachwuchs

Die 950 Franchise-Systeme in Deutschland setzten 2015 rund 99,2 Mrd. € um. Das sind 4,3 % mehr als im Vorjahr. Das Plus fiel geringer aus als in den Jahren zuvor. „Von zweistelligen Zuwachsraten wie noch vor zehn Jahren ist die Franchisewirtschaft derzeit weit entfernt“, sagte Felix Peckert, Chef des Branchendienstes Forum Franchise und Systeme bei der Vorstellung der Jahreszahlen in Bonn.
Die Zahl der Franchise-Partner stieg um 1,3 % auf rund 117.700 Unternehmer, die Zahl der Franchise-Betriebe um 1,7 % auf über 156.600. Mit einem Anteil von 20,4 % (Vj.: 19,6 %) ist der Bereich Gastronomie, Touristik und Freizeit die drittstärkste Kraft in der Franchise-Wirtschaft – nach Dienstleistungen (38,8 %) und Handel (31,1 %).

Bei der Expansion bleibt die Franchisebranche gegenwärtig unter ihren Möglichkeiten: Nur 37 % der Systeme hätten im vergangenen Jahr ihre Ziele in Bezug auf die Gewinnung neuer Franchise-Partner erreicht, ergab eine aktuelle Analyse des Deutschen Franchise-Verbands. "Die Gewinnung neuer Franchisepartner erweist sich als eine der größten Herausforderungen", erklärte Peckert. Er rät Franchisegebern, potentielle Kandidaten auf dem Arbeitsmarkt gezielter anzusprechen und dabei eher auf erfahrene Fachkräfte als auf Führungskräfte zu setzen.

Multi-Unit-Franchising ist nach wie vor ein großer Trend in der Branche. Etablierte Systeme, die 60-80 % ihrer Standorte bereits vergeben haben, wachsen derzeit vor allem aus sich heraus: Aus profitablen Einzelbetrieben der Franchise-Partner entwickeln sich regionale Filialsysteme.

Ein Beispiel ist McDonald's, Franchise-Vorreiter der Branche. Seit den frühen Anfängen setzt der Konzern auf das partnerschaftliche Vertriebssystem. Heute werden 85 % der Restaurants in Deutschland von Franchisenehmern geführt. Dabei betreibt ein Partner im Schnitt 5,4 Betriebe – 2007 waren es noch 3,7 Betriebe. Nachwuchssorgen plagen den Fast-Food-Konzern nach Angaben von Holger Blaufuß, bei McDonald’s Deutschland für die Auswahl der Franchise-Nehmer zuständig, nicht: „Wir können aus dem Vollen schöpfen.“ Als Gründe dafür nennt er die langjährige Erfahrung in diesem Business, das etablierte System und das relativ geringe unternehmerische Risiko.

Insgesamt jedoch steigen die Anforderungen an Franchisegeber, beobachten Experten. Dies bestätigt auch Peter Gabler, Geschäftsführer der Back-Factory, bundesweit mit über 100 Standorten präsent. „Man muss fortlaufend auf Marktveränderungen reagieren. Die Halbwertzeit von Innovationen wird immer geringer.“ 2002 als Selbstbedienungsbäckerei gestartet, habe sich die Harry-Brot-Tochter inzwischen zum backgastronomischen Snack-Anbieter gewandelt. Dies müsse man den Franchisenehmern auch entsprechend vermitteln. Bei Back-Factory habe dies zu einer Verschiebung im Vertriebssystem geführt. Rund 60 % der Standorte werden heute von Franchisenehmern geführt, 40 % betreibt man in Eigenregie. Ursprüngliches Ziel war ein Verhältnis 80:20.

www.peckert.de





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