Die Deutschen arbeiten weniger

Die deutschen Arbeitnehmer haben seit den 70er Jahren bis heute im Durchschnitt immer weniger Stunden gearbeitet, dafür aber höhere nominale Brutto-Stundenlöhne erhalten. So das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Nach diversen, wahrscheinlich komplizierten Berechnungen waren die Arbeitnehmer im alten Bundesgebiet 1970 durchschnittlich noch 1.879 Stunden im Jahr im Einsatz. 1991 waren es im gleichen Gebiet schon 412 und im gesamten Bundesgebiet 406 Stunden weniger. Hintergrund: Verkürzung der tariflichen Wochenarbeitszeit, Ausweitung des jährlichen Urlaubsanspruchs sowie Überstundenabbau. In den 90er Jahren schlug sich die verstärkte Teilzeitbeschäftigung in den Daten nieder. Die durchschnittliche Stundenzahl verringerte sich dadurch in ganz Deutschland bis 2003 noch mal um 111 Stunden. Gleichzeitig kletterte der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von rund vier Euro je Stunde im Jahr 1970 im alten Bundesgebiet auf 15 Euro je Stunde im Jahr 1991. In ganz Deutschland lag der Lohn zu dieser Zeit bei 13 Euro und stieg bis 2003 auf 20 Euro je Stunde. Dieses Wachstum schlug sich freilich nicht in gleicher Weise auf das verfügbare Einkommen nieder. Während die Bruttolöhne je Stunde von 1970 bis 1980 um 9,1 % zulegten, bilanzierten die Statistiker einen Zuwachs der realen Nettolöhne von 3,1 %. In den 90er Jahren dann ein Plus von 3,2 % bei den Bruttolöhnen und plus 0,6 % bei einer realen Netto-Betrachtung. In den 70er und 80er Jahren hatte vor allem die stärkere Inflation und die Zunahme der Arbeitsproduktivität die Tarifabschlüsse nach oben getrieben. In den 90ern dann insbesondere die tarifliche Angleichung der Ost-Löhne an Westniveau.

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