snack 2017

Digital Native liest die Leviten

Philipp Riederle spricht auf dem snack-Kongress und äußert in klaren Worten sein Unverständnis darüber, wie wenig sich die Lebensmittelbranche auf die Ansprüche der 'heutigen Jugend' einstellt.

 

„Wenn ich mir Sie so anschaue, dann haben viele von Ihnen sicherlich so ein Exemplar wie mich daheim“, so beginnt Philipp Riederle seinen Vortrag vor den Teilnehmern des Snack-Kongresses. Und räumt dann erstmal mit den gängigen Vorstellungen auf, dass die heutigen jungen Leute ja nur noch virtuell und nicht mehr real leben würden: „Die virtuelle Welt ist eine Ergänzung der realen. Es ist keineswegs eine andere Welt, sondern einfach eine Technologie.“

 

Riederle bezeichnet die Generationen X, Y und Z als „Seismographen für gesellschaftliche Entwicklungen, die mit immer höherer Sturheit die Welt so einfordern, wie sie sie kannten.“ Wie kennen die jungen Generationen die Welt? Sie können jederzeit jeden überall kontaktieren und erreichen. So gut wie jede benötigte Information ist immer nur einen Mausklick entfernt. Jeder kann jederzeit alles, was er für interessant hält, der ganzen Welt zugänglich machen.

 

Was bedeutet das für das Konsumverhalten der Generationen X, Y und Z?

„Qualität und Authentizität sind uns wichtiger als Markenwelten – ich brauche keine Marken-Milch, wenn die es nicht auf die Reihe kriegt, mir die Infos zu geben, die ich möchte etwa über das Leben und die Ernährung der Kühe, die Ställe, den Hof, von dem die Milch kommt usw.“ Riederle versteht nicht, wieso sich die Lebensmittelhersteller nicht viel stärker zusammentun, ob mit oder ohne Verbände, um sich dem Endverbraucher transparent und leicht auffindbar zu präsentieren. „Warum gibt es keine direkt-beim-bauern-am-bodensee-kaufen.de-Website, warum muss ich mir diese Infos mühsam zusammensuchen?“

 

Seinen Vortrag beendet Riederle, indem er mit drei gängigen Mythen aufräumt.

 

Die Generation Y:

  • will nur online konsumieren.
    Nein – sie ist nur verdammt bequem. Aber wenn der Handel, das Restaurant einen Mehrwert bietet, kommt sie gerne. Sie braucht halt einen triftigen Grund, um das bequeme Sofa zu verlassen, von dem aus so gut wie alles möglich ist, nach Hause zu bekommen. „ Ich komme zu Ihnen, wenn ich genau weiß, dass ich nicht umsonst komme, wenn ich weiß, was es genau bei Ihnen gibt, was vorrätig ist, was für Inhaltsstoffe drin sind.“

  • sind keine loyale Kunden.
    „Das ist Quatsch, wir lieben Loyalität.. Wenn wir einmal voll begeistert sind, dann kommen wir immer wieder – und erzählen begeistert unseren 500 Facebook-Freunden. Wir sind aber nicht automatisch loyal, denn Sie sind nicht der einzige Anbieter, und wir können uns jederzeit über andere informieren und zu diesen wechseln.“

  • will per Social Media mit dem Anbieter befreundet sein.
    Nein, sie erwartet 'nur' die perfekte Nutzung der digitalen Möglichkeiten. Wenn Anbieter nicht über alle Kanäle unkompliziert erreichbar und beispielsweise die Bio-Kiste nur per Fax bestellbar ist oder auf der Restaurantwebsite eine uralte Wochenkarte steht, dann verlieren die Digital Natives sofort die Lust.



www.dfvcg.de/snack17

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