Deutsches Shopping Center Forum (DSCF)

Digitalisierung & Gastronomie im Fokus

Die Zukunft der Shopping Center in Deutschland stand beim vierten Deutschen Shopping Center Forum (DSCF) im Fokus: Über 350 Branchen-Profis kamen nach Bonn, um sich anhand von Vorträgen, Panel-Runden und Gesprächen mit den Herausforderungen ihrer Branche zu befassen. Zentrale Diskussions-Anlässe waren neben dem Dauer-Brennpunktthema Online-Handel vor allem die Digitalisierung, Marken-Profilierung, Kundenbindung und Customer Journey sowie die stark wachsende Bedeutung gastronomischer Konzepte.

Im Bonner Hotel Kameha trafen sich anlässlich der vierten Auflage des DSCF, eine Veranstaltung in Kooperation des German Council of Shopping Centers (GCSC) und des EHI Retails Institutes, in diesem Jahr so viele Branchen-Experten wie nie zuvor. Zum Auftakt des zweitägigen Forums, das sich die professionelle Vernetzung der Branche auf die Fahnen schreibt, waren erstmals drei politische Landesvorsitzende bzw. Landtagsabgeordnete geladen. Die in Deutschland kontrovers diskutierte Sonntagsöffnung wurde in dieser Runde aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der Jungen Union, FDP und CDU intensiv und gegensätzlich erörtert.

Zwei weitere Neuerungen im Laufe der Veranstaltung wurden vom Plenum außerdem begeistert aufgenommen:

- Ein gemeinsam vom GCSC und dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) entwickeltes Positionierungspapier wurde auf der Bühne offiziell unterzeichnet. Das neun Punkte umfassende Papier, mit handelsrelevanten Themen von Öffnungszeiten bis Innenstadtentwicklung, soll den entsprechenden politischen Gremien vorgelegt werden, um die Zukunftschancen des Einzelhandels in den Städten zu verbessern.

- Wie beurteilen die Generationen Y und Z die Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Shopping-Center-Landschaft? Zu diesen spannenden Fragen standen erstmals Vertreter des Arbeitskreises und Netzwerkes NeXtGen auf der Bühne, um sich mit einem erfahrenen Professional auszutauschen. Während dieser davor warnte, das Risiko verödender Innenstädte nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sahen die NeXtGen-Vertreter durchaus positive Entwicklungsfelder wie etwa Click & Collect- und Omni-Channel-Modelle. Beide Seiten waren sich einig, dass die Mieter und Händler in den Zentren sich neu positionieren und stärker profilieren müssen. Der Handlungsbedarf in puncto Online-Shopping und Digitalisierung wurde dabei jedoch äußerst unterschiedlich beurteilt. Während die Jugend meinte, der innenstädtische Handel bzw. Shoppingzentren würden sich langfristig gut behaupten, weil die Rechnung mit on- wie offline kaufenden Konsumenten aufgehe, warnte der Professional davor, die Lage zu verharmlosen: „Wir befinden uns in Deutschland im Dornröschenschlaf, die Gefahr verödender Innenstädte und Dead Malls ist groß!“

Welch’ große Rolle künftig das Segment Gastronomie in den Shopping Centern spielen wird, wurde in zahlreichen Vorträgen immer wieder angesprochen. Schlüsselbegriffe, die in diesem Zusammenhang genannt wurden: (Genuss-)Erlebnisse & Wohlfühlatmosphäre, Aufenthaltsqualität & Verweildauer, Kommunikations- & Treffpunkt-Flächen, zweites Wohnzimmer ...

Eindrucksvoll und emotional wurden die Entwicklungsmöglichkeiten gastronomischer Konzepte von Branchenprofi Jonathan Doughty vorgestellt, Head of EMEA Foodservice Consulting, JLL, London. Bis 2025 rechnet Doughty mit einem Anstieg des Foodservice-Flächenanteils auf rund 20 %. „Experiental & destinational“ müssen die Center sein und „better places where people want to be in...“, so sein Plädoyer. Nicht nur um zu kaufen, sondern aus Erlebnis- und Added-Value-Beweggründen komme der moderne Kunde von heute und morgen. „61 % of millenials would rather have dinner at a new restaurant than buy a new pair of shoes“, präsentierte Doughty ein Untersuchungsfazit von Ypulse. Man solle die Gäste nicht länger mit überholten Food-Court-Modellen langweilen, sondern müsse sie vielmehr mit neuen Food-Market- und Eating-Places-Konzepten verführen.

Dass man nicht nur in großen Metropolen ungewöhnliche und neue attraktive Center-Modelle finden kann, zeigte der Beitrag von Stefan Kutscheid, Geschäftsführer Faco Immobilien, Bitburg. Für 2019 plant er die Eröffnung eines innerstädtischen Centers namens Bit-Galerie, das mit einem außergewöhnlichen Mix aus Kino-, Bar- und Abendgastronomie-Erlebnis auf dem Dach sowie regionalen Marktplatz-Konzepten im Erdgeschoss neue Wege aufzeigen soll. „Vom Marktplatz auf den Stadtbalkon“, unter diesem Motto will Kutscheid den Menschen eines Einzugsgebietes von Trier bis Luxemburg lokale Genüsse im saisonalen Wandel bieten und das begehrte Feeling trubeliger Wochenmärkte in der neuen Bit-Galerie aufleben lassen.

Im Rahmen vieler weiterer vorgestellter Themen-Schwerpunkte auf dem Forum fiel auf, dass immer wieder der Kunde und dessen veränderte Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt wurden. Wie erfahre ich – als Gastronom oder Händler, als Shopping-Center-Betreiber, als Asset Manager oder Investor – möglichst zeitnah und genau, wie der Kunde tickt und welche Kreise er zieht? Zu diesem Punkt gab es ebenfalls einige Vorträge, die neue, vielversprechende Ansätze bei der Betrachtung des Customer Journey und neue Möglichkeiten des Kundentrackings (Laufwege, Heatmaps usw.) und der Erfassung von Kundenpräferenzen vorstellten.

Fazit: In einem Shopping-Center-Markt, der gegenwärtig stark von zahlreichen Revitalisierungs-Maßnahmen und weniger durch Neueröffnungen geprägt ist, lässt sich im Rahmen dieser Umbauten viel bewegen und verändern. Alle Branchen-Teilnehmer müssen sich den wachsenden E-Commerce-Umsätzen stellen und dabei gilt es mehr denn je, das individuelle Profil und das Markenimage der Center zu steigern und in den Fokus zu rücken. „Place to be werden“, das muss das Ziel sein.

www.dscf.de
www.gcsc.de
www.ehi.org



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