Nach dem Börsengang

Drei Fragen an Vapiano-Chef Jochen Halfmann

Die Pasta und Pizzakette Vapiano ist seit dieser Woche an der Frankfurter Börse notiert. Der Ausgabekurs der Aktie lag bei 23 €. Rund 85 Mio. € will Vapiano aus dem Börsengang ziehen, um in die weitere Expansion zu investieren. Die restlichen rund 100 Mio. € aus dem Börsengang gehen an die Alteigentümer. Die sind der mit dem Kaffeeröster Tchibo reich gewordene Günter Herz, Vapiano-Gründer Gregor Gerlach und die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander. Gerlach, der bislang 30 Prozent hält und die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander (25 Prozent) verkauften jeweils zirka die Hälfte ihre Anteile. Die Vermögensverwaltung der ehemaligen Tchibo-Eigentümer Günter und Daniela Herz (44 Prozent) dagegen verkaufte nicht. 32 Prozent der Aktien sind künftig im Streubesitz. In den food-service Top 100 lag Vapiano mit 193 Mio. € Umsatz in Deutschland auf Platz 11 (2016). Wir haben mit CEO Jochen Halfmann über die turbulente Woche und die nähere Zukunft gesprochen.


1. Sind Sie zufrieden mit dem Kursverlauf der ersten Tage? Es ging nach der Ausgabe etwas abwärts, aktuell liegen die Aktien nur knapp über dem Ausgabekurs…

Jochen Halfmann: Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung. Teilweise lag der Kurs bei 24,50 €. Der Tageskurs ist nicht wirklich relevant, solange die Schwankungen sich in dem jetzigen Bereich bewegen. Wir denken sehr langfristig. Unsere institutionellen Anleger auch.

2. 85 Mio. € des Erlöses wollen Sie für die Expansion des Unternehmens nutzen – was sind die nächsten Schritte?

Halfmann: Die 85 Mio. € sind ja keine zufällige Zahl. Bis 2020 wollen wir verstärkt und überlegt in dem europäischen Markt wachsen. Dazu benötigen wir das Geld. Im Schnitt sollen 30 Restaurants pro Jahr eröffnet werden. In der Regel investieren wir zwischen 2 und 2,5 Mio. € in eine Neueröffnung. In Frankreich werden wir in diesem Jahr noch 6, in Großbritannien mindestens 4 weitere Vapianos eröffnen.

3. Kritiker behaupten, dass Vapiano zwar den Umsatz steigert, aber de facto zu wenig Reingewinn macht – im letzten Jahr lediglich 300.000 €. Wie überzeugen Sie diese, doch in Ihre Aktien zu investieren?

Halfmann: Vapiano setzt auf kontinuierliches und gesundes Wachstum. Im Consumermarkt ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich nicht primär auf den Reingewinn konzentriert. Wichtig ist, dass das Unternehmen wirtschaftlich gut dasteht ist. In diesem Zusammenhang schöpfen wir auch bei weitem nicht die Möglichkeiten der Abschreibung aus, sondern schreiben generell sehr konservativ ab. Bei Wachstumsstorys mit hoher Opening Schlagzahl ist Ebitda* die primäre Erfolgskennziffer, in den nächsten Jahren wird Vapiano aber auch im net Profit kontinuierlich wachsen...

www.vapiano.com

*Anm. d. Red.: Die Abkürzung steht für Ebitda earnings before interest, taxes, depreciation and amortization, also für den Gewinn vor Abzug von Zinsen, Steuern, von Abschreibungen für Sachanlagen sowie von Abschreibungen für immaterielle Vermögensgegenstände.

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