Pflanzliche Proteine

EU treibt Anbau von Hülsenfrüchten voran

Weniger Importe, weniger Dünger, mehr Nachhaltigkeit – es gibt gute Gründe, den Anbau von Hülsenfrüchten in Europa auszuweiten. Bisher wachsen die wertvollen Eiweißpflanzen hier nur auf wenigen Flächen. Das EU-Projekt TRUE mit Partnern aus 10 Ländern will das ändern.
 
Sie sind eine wertvolle Proteinquelle für Mensch und Tier: Hülsenfrüchte wie Erbsen oder Bohnen sind besonders für Vegetarier wichtig auf dem Speisezettel, und Soja ist aus der Tierernährung nicht mehr wegzudenken. Europa hat dabei jedoch ein Problem: Hülsenfrüchte – auch Körnerleguminosen genannt – wachsen nur auf gut 2 % der Ackerflächen, so dass die EU in hohem Maße auf Importe angewiesen ist.
 
Das will das neue, europaweite Forschungsprojekt TRUE ändern, an dem Pflanzenbau-Experten, Agrarökonomen und das Forschungszentrum für globale Ernährungssicherung und Ökosysteme (GFE) der Universität Hohenheim beteiligt sind. Insgesamt haben sich in dem Projekt 24 Projektpartner aus 10 europäischen Ländern und Kenia zusammengeschlossen, um Anbausysteme und Nahrungsmittelketten in der EU zu untersuchen
 

Hülsenfrüchte reduzieren Bedarf an Mineraldünger

„Sojaanbau gab es früher in Deutschland überhaupt nicht, und Linsen wurden nach den 1950er Jahren kaum noch angebaut“, so apl. Prof. Dr. Gruber, Pflanzenbau-Expertin an der Universität Hohenheim. „Doch in den letzten Jahren hat der Anbau bei beiden Pflanzenarten zugenommen. Bei Linsen wohl deshalb, weil die Verbraucher regionale Produkte heute sehr schätzen. Bei der Sojabohne, die eigentlich sehr wärmebedürftig ist, haben wir heute Sorten, die mit unserem kühleren Klima zurechtkommen.“
 
„Soja wird vor allem in Biobetrieben immer häufiger angebaut“, fügt Dr. Zikeli, Koordinatorin für ökologischen Landbau und Verbraucherschutz der Universität Hohenheim hinzu. „Das ermöglicht kurze Lieferwege durch regionalen Anbau, mehr Unabhängigkeit von Importen und mehr Sicherheit, denn Bio-Kunden wollen keine gentechnisch veränderte Soja. Da deren Anbau in Deutschland verboten ist, gehen die Erzeuger und Verarbeiter hier kein Risiko ein. Außerdem profitiert die Sojabohne vom steigenden Interesse an veganer Ernährung – viele Bio-Sojabohnen werden zu Tofu verarbeitet und nicht zu Tierfutter.“
 
Die Daten der Wissenschaftlerinnen sollen helfen, besser zu verstehen, warum gerade diese beiden Leguminosen so erfolgreich sind. „Das kann auch anderen Leguminosen den Weg bereiten“, ist sich apl. Prof. Dr. Gruber sicher. „Die Kichererbse steht bereits in den Startlöchern."
 

Ökonomie und Ökologie im Fokus der Forscher

Die wirtschaftliche Seite des Leguminosen-Anbaus betrachten an der Universität Hohenheim die Agrarökonomen rund um Prof. Dr. Enno Bahrs und Prof. Dr. Christian Lippert. „Der Mangel an Ertragssicherheit und mangelnde Wirtschaftlichkeit gelten bislang als die größten Hemmfaktoren“, berichtet Dr. Beate Zimmermann vom Fachgebiet Landwirtschaftliche Betriebslehre. „Wir wollen wissen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen eine Ausweitung des Anbaus hätte und wie es mit der Wettbewerbsfähigkeit aussieht."
 
Wichtig sei auch die Akzeptanz bei den Landwirten. „Vor allem in Bezug auf die Ertragsvarianz möchten wir wissen, welches Risiko Landwirte bereit sind einzugehen.“ Hinzu kämen bei der Betrachtung auch ökologische Größen wie Treibhausgasemissionen oder Stickstoff-Bilanz.
 
Koordiniert werden die Arbeiten an der Universität Hohenheim am Forschungszentrum für globale Ernährungssicherung und Ökosysteme (GFE), das Veranstaltungen organisiert und Neuigkeiten über Newsletter und Social-Media-Kanäle verbreitet. Bis zum Ende des Projektes soll so ein europaweites Leguminosen-Netzwerk entstehen.
 

Hintergrund: Projekt TRUE

Mit insgesamt 5 Mio. € fördert die Europäische Union das Projekt TRUE (TRansition paths to sUstainable legume-based systems in Europe) im Rahmenprogramm Horizont 2020. Beteiligt sind 24 Projektpartner aus zehn Ländern. Die Universität Hohenheim erhält über vier Jahre insgesamt Fördermittel in Höhe von 541.866 €.
 
www.true-project.eu
Facebook und Twitter: @TrueLegumes
 
 



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