Endgültiges Aus für holyfields

Die Idee war es gewesen, ein neues systemgastronomisches Konzept nicht klein zu starten und peu à peu zu entwickeln und zu expandieren, sondern es über Flagship-Standorte laut und schnell im Markt zu etablieren. Das hat leider nicht funktioniert.
 
Insgesamt wurden über 8 Mio. € (2 Mio. € Kommanditkapital, über 6 Mio. € Darlehen) in die Konzeptentwicklung und zwei erste große, teure Restaurants investiert. Jetzt hat der Insolvenzverwalter, die Kanzlei Görg, das endgültige Aus, sprich die Liquidation der holyfields Restaurant GmbH & Co. KG, verkündet. Sämtliche Investoren sind abgesprungen, beide Betriebe in Frankfurt und Berlin geschlossen, zu den größten Gläubigern gehört neben den Vermietern auch die Bundesagentur für Arbeit.
 
Und das alles weniger als ein Jahr nach der Premiere der Fast Casual-Formel downtown Frankfurt am Main. Was mit sehr viel Euphorie und noch mehr Geld im Herbst 2010 gestartet ist, wurde durch Marktrealitäten einerseits und Investorenrealitäten andererseits schneller ausgebremst als selbst Skeptiker prognostizierten.
 
Der Unternehmer Gerhard Schöps (Ex-McDonald’s-Vorstand) war sich seiner Sache und seiner Geldgeber, der Josef H. Bequoi Stiftung sowie diverser Personen aus deren Umfeld, zu sicher. Die Umsatzerfolge in den ersten Monaten waren bescheiden, der Kostenapparat riesig, und als es im Frühsommer 2011 zu Liquiditätsengpässen kam, gelang es in einer Gesellschafter-Versammlung nicht, eine Kapitalerhöhung durchzusetzen – das Unglück nahm seinen Lauf, niemand wollte weiteres Geld investieren.
 
Herzstück von holyfields: sogenanntes Global Lifestyle Food (frisch, schnell, unkompliziert – alles ohne Friteuse zubereitet), das teuerste Hauptgericht kostete 9,75 €.
 
Viel beachtet waren unter Fachleuten zwei Dinge: das innovative Bestell- und Kommunikationssystem mit 15 Touchscreen-Terminals sowie elektronischen Handhelds für jeden Gast. Online-Shopping im Restaurant. Und: ein wertiges Ambiente made by der renommierten Designer-Gruppe Ippolito Fleitz.
 
Das Programm hat nicht (auf Anhieb) überzeugt. Und wie das häufig so ist, wenn ein großes Rad gedreht wird, fehlten Geduld und Zeit, Fehler zu korrigieren bzw. aus ihnen zu lernen.
 
Zu den Hauptproblemen gehörte neben der Abend- und Wochenend-Schwäche der Lagen die Größenordnung der ersten beiden Standorte:
 
  • Frankfurt am Main. Am 1. November 2010 eröffnet, rund 500 qm Gastraum in der Kaiserstraße 19 + 21. 30.000 € Monatsmiete. Und da holyfields für die Immobilie der erste gastronomische Mieter war, hohe Infrastrukturkosten bei Bau und Einrichtung. An seinen allerbesten Tagen holte der Standort weniger als 4.000 € Umsatz. Schließung im Juni 2011.
  • Berlin. Eröffnung am 2. April 2011: 1.000 qm Restaurantfläche Unter den Linden 17/Charlottenstraße. Auch da musste eine teure Infrastruktur installiert werden. 50.000 € Monatsmiete. Die allerbesten Umsatztage lagen bei 8.000 €, aber viel zu selten. Schließung Ende September 2011.

 
Die Vermögenswerte des Restaurants in Frankfurt sind bereits verwertet, jene des Berliner Betriebs noch nicht. Typischerweise liegt der sogenannte Zerschlagungswert extrem niedrig, will heißen, selbst für relativ neuwertige Möbel und Geräte gibt es nur noch einen niedrigen Prozentsatz des Anschaffungswertes rauszuholen.
 
Schöps hat bis zuletzt an sein Konzept geglaubt und auch daran, dass eine Auffanglösung zustande kommt. Eigentlich wollte er ein Jahr nach dem Start schon bei 4-5 Restaurants sein, um dann deutschland- und europaweit zu expandieren. „Heute weiß ich, dass meine Erwartungshaltung zu hoch war. Ich habe vieles unterschätzt, vor allem den Zeitbedarf, den es braucht, um eine neue Sache als Marke zu etablieren. Auch ich habe viel Geld verloren. Jetzt muss ich die Entwicklung zuerst einmal in Ruhe für mich analysieren, um diese Insolvenz verarbeiten zu können. Mir tut es leid für alle, die an diesem Projekt mitgearbeitet und bis zuletzt daran geglaubt haben.“
 
Holger Rhode, in der Kanzlei Görg mit holyfields betraut, nennt den Fall ungewöhnlich für die Gastronomie – Sachlage und Größenordnung. Erfahrungsgemäß dauere es zwei bis drei Jahre, bis eine solche Insolvenz abgeschlossen sei.
 
Rückblende: unsere Meldung zum Start vor fast einem Jahr.
www.goerg.de
www.holyfields.de
 


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