Experten sehen Chancen für Care-Caterer

Mit der Gesundheitsreform haben sich die ökonomischen Rahmenbedingungen für Klinikbetreiber deutlich verschlechtert. Der wachsende Kostendruck in den Krankenhäusern bringt Bewegung in die Branche. Bietet diese Veränderung Chancen für die Ernährungsindustrie? Diese Frage beantworteten Experten im Rahmen der Arbeitskreissitzung Foodservice der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) in Bremen.

Einig waren sich die Experten, dass die neuen Rahmenbedingungen deutliche Wachstumschancen im Bereich des Klinikcaterings eröffnet haben. Burkart Schmid, Chefredakteur gv-praxis, präsentierte die Ergebnisse einer Umfrage der Top 40-Cateringunternehmen. Danach verfügt der Markt für Klinikcatering über die besten Wachstumspotentiale und wird nur noch durch die Wachstumserwartungen im Bereich der Seniorenheimverpflegung übertroffen. Der Gesamtumsatz im Klinikcatering umfasst rund 660,9 Mio. Euro, der Umsatz im Bereich des Heimcaterings wird mit rund 345,5 Mio. Euro beziffert.

Die Kliniken seien unter den neuen Rahmenbedingungen gezwungen, sich verstärkt auf ihre Kernaufgabe, die Behandlung von Krankheiten, zu konzentrieren. Darüber hinausgehende Tätigkeiten, wie beispielsweise die Krankenversorgung, würden fremd vergeben, stellte Ulrich Bosch, Geschäftsführer Sana Kliniken GmbH & Co. KGaA fest. Bislang selbständig durchgeführte Tätigkeiten, wie beispielsweise die Speiseversorgung würden deshalb zunehmend von Kliniken outgesourced. Die Sana Kliniken GmbH hat bereits 1993 hierzu eine eigene Tochtergesellschaft gegründet, die derzeit 13 der 32 Sana-Kliniken beliefert.



Zusätzlich zum gesteigerten Kostendruck durch die Gesundheitsreform habe sich der Wettbewerb am Caremarkt durch den wachsenden Anteil privater Klinikbetreiber massiv verstärkt, führte Sascha Büchner, Clinical Business Solutions (CBS), in seinem Vortrag über die Kosten- und Erlöspotenziale der Speisenversorgung im Healthcaremarkt aus. Gleichzeitig konkurrierten die Kliniken in Qualität und Leistung um ihre Patienten. Diese neue Situation zwänge die Kliniken einerseits zur Optimierung der Kosten- und Erlösstrukturen, um die Existenzfähigkeit und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit am Markt zu sichern. Andererseits führte diese Entwicklung auch zur Differenzierung im Wettbewerb. So könne durch Erhöhung der Patientenzufriedenheit und Verbesserung der Außenwirkung Kundenbindung geschaffen und eine wettbewerbsfähige Marktposition erreicht werden. Gerade der Bereich der Speisenversorgung - und hier speziell die Berücksichtigung von individuellen Patientenwünschen - wirke sich entscheidend auf die Zufriedenheit der Patienten aus, so der Experte.
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