Internorga-Schulforum

Fachlicher Input und provokanter Tim Mälzer

Frech und unbeeindruckt von den fundierten Fachvorträgen rund um die „Schulmensa von morgen“ plädierte der Rockstar unter den deutschen Promiköchen – Tim Mälzer – zum Abschluss des 4. Internorga-Forum Schulcatering für sein Motto „Kinder, ran an die Töpfe!“
„Wir denken zu erwachsen“ lautet einer seiner Kritikpunkte an den vielfältigen Anstrengungen, Kinder und Jugendliche von gesunder Ernährung zu überzeugen. Der Hamburger TV-Koch setzt deshalb vor allem auf den Spaß und die sozialen Aspekte, die gemeinsames Kochen in der Schule bringen können. Den mehr als 400 Besuchern des 4. Internorga-Forum Schulcatering empfahl er sich als Mitstreiter beim bundesweiten Projekt „Klasse, Kochen", bei dem noch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), die Bertelsmann Stiftung und der Küchenhersteller Nolte im Boot sind. Insbesondere die Vertreter von Schulen im Forum-Publikum lud Mälzer zur nächsten, am 31. März startenden Wettbewerbsrunde ein (http://www.klassekochen.de/).

Zuvor ging es in den Fachvorträgen um internationale, konzeptionelle und interkulturelle Aspekte bei der Schulverpflegung, um praktische Umsetzung vor Ort und den aktuellen Handlungsbedarf durch die in diesem Jahr fällige nationale Umsetzung der EU-Richtlinie zur Kennzeichnung von Allergenen.

Im Einzelnen machte Prof. Dr. Volker Peinelt von der Hochschule Niederrhein unter anderem im Vergleich zur Schulverpflegung in Japan deutlich, wie stiefmütterlich das Thema in Deutschland behandelt wird. „Wir brauchen eine nationale Schulverpflegungs-Ordnung“ lautet seine Forderung, die er mit einer verpflichtenden Teilnahme am Schulessen verbindet. Voraussetzung dafür sei die flächenweite Verbesserung des Angebotes. Dazu könne unter den in Deutschland herrschenden Bedingungen das Konzept Cook & Chill beitragen „Das System Lafer ist bundesweit nicht umsetzbar“, sagt Peinelt in Bezug auf die seit vergangenem Jahr vom TV-Koch betriebene Bad-Kreuznacher Frischküche-Modellmensa. 

Multikulti und Allergene sind auch Themen in der Schulverpflegung.

Den Weg zu einer Schulverpflegung aus einer Hand beschrieb Anja Köchermann, Oecotrophologin der Stadt Göttingen. In der niedersächsischen Universitätsstadt hat man unter anderem mit dem Prinzip Cool & Cook einen ganz eigenen Weg gefunden, täglich 3000 bis 4000 Kita-Kinder und Schüler zu verpflegen. Johanna-Elisabeth Giesenkamp von der Hochschule Osnabrück lenkte den Blick auf Essen im Zeitalter von Multikulti und auf Ernährungsvorschriften der unterschiedlichen Religionen. Maria Revermann, selbstständige Lebensmittelwissenschaftlerin aus Hanau wies den Forum-Teilnehmern den Weg durch das Dickicht von Richt- und Leitlinien, Verordnungen und DIN-Vorschriften. „Sie brauchen ein Allergenmanagement“ lautet ihre klare Ansage und sie verspricht: „Damit verbessern Sie auch die Hygiene“. Zur praktischen Umsetzung hat sie den einen oder anderen Tipp parat: „ Entwickeln Sie einen coolen Schülerausweis, in dem Allergene und Unverträglichkeiten vermerkt sind“.

Die Einordnung in einen globalen Kontext hatte Claudia Zilz, Redakteurin gv-praxis und Ess-Klasse Junior, gleich zu  Beginn der Veranstaltung geliefert. Im 1.UN-Berichtes zur Schulverpflegung gehört Deutschland weltweit zu den wenigen Ländern, die auf ein nationales Schulspeiseprojekt verzichten. Vorreiter sind hier Brasilien, Japan und die skandinavischen Länder. Die Aussagen erinnern an den Pisa-Schock beim ersten internationalen Vergleich der Lese- und Rechenfähigkeiten der Grundschulkinder vor 14 Jahren. Seit dem hat sich diesbezüglich in Deutschland viel getan. Das lässt hoffen beim Thema Schulverpflegung und liefert genügend Stoff für das 5 Internorga-Forum Schulcatering am 17. März 2015 – wieder in Hamburg.

www.internorga.com



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