Gastrotipps - Neuentdeckungen am Rhein

Wenn der Düsseldorfer von Düsseldorf und Köln in einem Atemzug spricht, denkt er sich meist nichts Gutes dabei. Umgekehrt ist das nicht anders. Doch setzten wir uns über die rheinischen Animositäten hinweg und berichten über interessante Neuentdeckungen am Rhein. In der Modestadt Düsseldorf ballen sich gegenwärtig Lifestyle-Konzepte rings um die Kö und junge Gastro-Projekte auf der stetig wachsenden Medienmeile im Hafen. Was den Düsseldorfern gastronomisch besehen der Hafen ist, ist den Kölnern gegenwärtig das Friesenviertel. Wohin man auch schaut: Clubs (mit After Work-Parties), Edel-Imbisse, Lifestyle-Locations & Coffebars sind angesagte Themen. Sevens: Erlebnis-Kaufhaus mit Food Hall
Mit dem frisch eröffneten Themenkaufhaus Sevens an der Kö ist die Landeshauptstadt nach dem Stilwerk um ein weiteres innerstädtisches Shopping-Center reicher. Auf sieben Ebenen und 15.000 qm finden 70 Geschäfte Platz - Shops mit verwandten Sortimenten wurden themenweise gebündelt. Im Basement gibt es die Food Hall, in der u.a. folgende Mieter mit von der Partie sind: Nordsee, Mr. Clou, Asia-Spezialitäten Mr. Fung und die Coffee Fellows aus München, die hier ihren 2. Betrieb (70 qm groß, ca. 40 Sitzplätze, Hauptprodukt: Kaffee & amerikanische Backwaren-Snacks) eröffnen. Leider wurde die Food Hall nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig. Durstige Kehlen müssen daher bis Mitte November mit der Espresso-Bar oder der Champagner-Bar im Atrium vorlieb nehmen.
Düsseldorf, Königsallee 56, Tel: 0211/91263311, ÖZ: 10-20 Uhr Curry: Jetzt isst alles Wurst
Eine der interessantesten Neuentdeckungen am Rhein interpretiert ein Grundnahrungsmittel der Deutschen auf zeitgeistige Art: Im Curry serviert Jürgen Mauermann die Currywurst (4,50 DM) mit zehn verschiedenen Saucen. Der Gast hat die Wahl zwischen Curry normal, pikant , fruchtig, Aioli, Senf-Honig-Mayo, Satè Erdnuss Sauce und, und, und. Die Rezepte sind ein Abschiedsgeschenk von Gastro-Genie Robert Hülsmann (ehemals Robert's Bistro), der sich auf sein Schlösschen in Belgien zurückgezogen hat. Der Erfolg war so groß, dass Mauermann nach knapp einjährigem Bestehen des Currys auf der Moltkestraße im Juli Curry Nr. 2 im angesagten Medienhafen eröffnete. Mit gelbgewischten Wänden, 39 Sitzplätzen (plus 40 Terrasse), Jazzmusik und einer Weinkarte, die sich gewaschen hat. Jetzt isst tout Düsseldorf Wurst. "Curry pikant" ist der Renner, der Weinkonsum erheblich. "Locker eine Mio. Mark" will Mauermann hier im ersten Jahr erlösen und denkt ernsthaft über die Erstellung eines Lizenz-Konzeptes nach. Denn Anfragen aus München, Mainz, Krefeld und Aachen liegen bereits vor...
Düsseldorf, Moltkestr. 115, Tel. 0211/514 32 56 und Hammerstr. 2, Tel. 0211/30 32 857, ÖZ: 11.30 - 23.00 Uhr Banker's Boulevard: Bankers Augenweide
Vis-à- vis vom neuen Sevens liegt Banker's Boulevard, eine angesagte Design-Location in der ehemaligen Schalterhalle des Bankhauses Merz, Finck & Co. Wo früher die Blüten über den Tresen wanderten, blüht heute das Nachtleben. Doch Stop: Die verwirrend-verwinkelte Mammut-Location bietet neben dem Club (Charts, House, Black Music) auch Bistro, Cocktail-Bar und ein vielgelobtes Restaurant mit feiner Küche. In der Woche zieht das Lokal viel Business- und Kö-Publikum an, Samstags vormittags ist es eine Naherholungsoase für Shopper. Übrigens: Die schrägen Designer-Sessel sind bequemer als sie aussehen und die WC's unbedingt einen Besuch wert.
Düsseldorf, Steinstr. 4, Tel. 0211/323 02 21, ÖZ: Mo-Do & So 10.00 - 1.00 Uhr, Fr, Sa 10.00 - 5.00 Uhr Maroon's Diner: Elvis lebt Düsseldorfs einziger authentischer Diner (O-Ton Fiete Marohn) zog im Oktober 1999 im alten Rheinbahnpavillon am Graf- Adolf -Platz ein. Jukebox, Tresen, Lackbänke & Marilyn-Monroe-Puppe stammen aus den Staaten, denn Inhaber Fiete Marohn ist bekennender USA-Fan. Auf kleinstem Raum (48 Innen-, 40 Außenplätze) serviert er Burger, Spare Ribs, Salate, Bagels & Chicken Wings. Mittags und abends ist am meisten los, obwohl es auch eine umfangreiche Frühstückskarte gibt. Für schicke Düsseldorfer scheint das verkehrsumtoste Schnellrestaurant gewöhnungsbedürftig zu sein: "In Köln würden wir mehr Umsatz machen", ist Marohn überzeugt. Was auch erklärt, warum es in der Landeshauptstadt kaum Diner gibt. Düsseldorf, Graf-Adolf-Platz (im Rheinbahnpavillon), Tel. 0211/994 56 86, ÖZ: Di-Do & So 9.00 - 22.30 Uhr, Fr, Sa 9.00 - 1.00 Uhr Bagels: The best of Bagels
Inspiriert von Suppenküchen in Hamburg und London wollten Alex Esposito (Muggel, Oberkassel) und Stefan Blickensdörfer im Bagels zuerst mit einer solchen an den Start gehen. Doch die Idee schlug an diesem Standort nicht so ein. Jetzt setzen die beiden Gastronomen ganz zeitgemäß auf Suppe (7 Sorten), Salat & Bagels. Die Bagel-Auswahl zählt zu der größten, die sich in Düsseldorf finden lässt: Zwei Sorten (mit Sesam oder mit Mohn) in 11 süßen oder herzhaften Variationen. Als Bestseller behaupten sich die Teigkringel mit Paprika-Putenbrust & Mango Dip (8,50 DM) sowie New York Style mit Creamcheese, Lachs & Zwiebeln (9,50 DM). Schwerpunkt des Bagels ist das Abend- und Beverage-Geschäft - trotz Altstadt und Altbiernähe floriert hier der Cocktail-Konusm.
Düsseldorf, Alte Stadt 12-14, Tel: 0211/863 92 22, ÖZ: tgl. 17.00 - 2.00 Uhr, Sa + So 10.00 - 2.00 Uhr Spirits: Aufregende Mix-Tour
Einer der Aufsehen erregensten Neueinsteiger in der Kölsch-Hochburg, wo edle Cocktailbars nicht gerade häufig sind. Die 80 qm schmale Bar in Kölns Ausgehviertel Nummer Eins platzt am Wochenende fast aus den Nähten. Rund 80 Cocktails stehen auf der Karte, Caipirinha, Mojito und Whisky Sour sind (noch) der Renner. "Cosmopolitan ist schwer im Kommen", so Bartender Matthias Wagner über neue Drink-Trends.
Köln, Engelbertstr. 63 (Belgisches Viertel), Tel: 0221/473 36 25, ÖZ: Mo-Do 19.00 - 2.00 Uhr , Fr+Sa 19.00 - 3.00 Uhr Spitz: Gastronomie im Hotel
Paradebeispiel für eine innovative Herberge mit kreativer Küche: das 1999 eröffnete Hotel Hopper St. Antonius (Schwester des 1997 eröffneten Hopper Hotel et cetera). Outsourcing heißt das gastronomische Schlüsselwort. Das 80 Plätze-Restaurant, das über eine der schönsten Terrassen (100 Sitzplätze) der Domstadt verfügt, wird von den Kölner Spitz-Gastronomen (Spitz, Ehrenstraße 43) betrieben. Mit mediterraner Küche und crosskulturellen Rezepten sowie einer guten Weinkarte beweisen die Spitz-Leute ihr Können. Die Kölner haben das Hotelrestaurant in dem Jahrhundertwendebau längst entdeckt - auch bei lokalen Promis wie Alfred Biolek oder jungen Künstler der Hip-Hop-Szene ist es sehr beliebt.
Köln, Dagobertstr. 32, Tel: 0221/130 00 69, ÖZ: Mo-Fr. 8.00 - 15.00 Uhr (Küche 12.00 - 15.00 Uhr) und 18.00 - 1.00 Uhr, Sa ab 18.00 Uhr, So ab 11.00 Uhr Hbf: Kölns größte Fressmeile
Fast alle Küchen dieser Welt lassen sich in der Ende 1999 fertig gestellten Markthalle des Kölner Hauptbahnhofes geniessen. Ob Brezel, Burger & Burrito oder Tandoori, Tortilla & Tortellini: Auf 2.600 qm Fläche präsentieren 28 Gastro-Betriebe, hauptsächlich schnellgastronomische Systeme, eine große Auswahl internationaler Spezialitäten. Mit von der Partie sind u.a. Asia Fast Food, die Stockheim-Betriebe Backpunkt und Cafetiero, Mr. Clou, Poccino (aus den Düsseldorfer Schadow-Arkaden) und vier ausländische Gastronomen. Bei einer Frequenz von 200.000 Bahnhofsbesuchern täglich soll die Markthalle im ersten Jahr 40 Mio. DM Gesamtumsatz erlösen.
Köln, Hauptbahnhof, ÖZ: 6.00 - 22.00 Uhr Und sonst in Düsseldorf?
Woyton wächst: Das Düsseldorfer Coffee-Shop Unternehmen, vor zwei Jahren noch mit 2 Filialen in der Mittelstr. 11 und im Stadttor vertreten, ist mittlerweile mit 4 Outlets in der Landeshauptstadt präsent. Sehr schön der neue Betrieb am Markt 12. ++++ Herr Spoerl nimmt Kurs auf Hafen: Auf der angesagten Medienmeile im Hafen ging Herr Spoerl mit seinem dritten Ableger (bisher: Tußmannstr. 70 und Herr Spoerl Deli am Karlsplatz) vor Anker: der Hafenbar auf der Hammer Str. 26. Cool gestylt mit roter Laterne über der Tür, gibt's tagsüber junge Küche, abends & nachts dominieren Caipirinha & Co. ++++ mk 2 macht Party im Hafen: In die Räume des ehemaligen Restaurants Maassen (Kaistr.4) ist im Frühjahr die Nighlife-Institution Malkasten eingezogen. Hip ausgestattet mit Werken des Lüpertz-Schülers Junior Toscanelli, machen die mk-2 DJ's hier nun Party. Am Wochenende gibt's lange Schlangen. Neu: Die "Fünfnachsechs-Party" jeden Dienstag. (Ulla Dammer)



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