Gerüchteküche um Tropical Islands brodelt

Es ist schon merkwürdig: über jeden neuen Blumentopf, den das künstliche Südseeparadies mitten im Märkischen Sand, Tropical Islands, aufstellt, wird umgehend eine Pressemitteilung versendet. Doch dass der Mitinvestor des Projektes, Colin Au, aus dem Unternehmen ausscheidet, war der Presseabteilung keine Zeile Wert. Erst, als es in den Medien heftig kursierte, reagierte das Unternehmen. Der Vertrag mit ihm als Chief Executive Officer sei bereits im Mai regulär und plangemäß ausgelaufen, erklärte ein Sprecher des britisch-malaysischen Mischkonzerns Tanjong, dem 75 Prozent der Anteile an Tropical Islands gehören. Die restlichen 25 Prozent hält Colin Au - und das soll auch künftig so bleiben. In der Tat sei es so, dass in den Monaten seit der Eröffnung rund 3 Mio. Euro Verluste eingefahren wurden, doch auch das sei geplant gewesen, erklärte Unternehmenssprecherin Katrin Schaffner. Derzeit würden Gespräche mit mehreren Bewerbern für den Direktorenposten laufen. Dieser solle ein Deutscher sein, so Schaffner, der sich auf dem hiesigen Markt besonders gut auskenne.



Dass Colin Au die örtlichen Gegebenheiten nicht richtig einzuschätzen wusste, werfen ihm manche Kritiker vor. Au war in seinen Rentabilitätsberechnungen von jährlich rund 3 Mio. Besuchern ausgegangen. Doch die errechneten 3.000 bis 5.000 Besucher täglich kommen nur in Ausnahmefällen, an Feiertagen oder in den Ferien. Ansonsten sind es bedeutend weniger.



Dennoch ist es falsch, zum gegenwärtigen Zeitpunkt das nahe Ende des Tropenparks zu verkünden - auch, wenn es nicht wenige gibt, die dies mit einer gewissen Genugtuung betrachten würden. Von Anfang an hatte es entschiedene Gegner gehabt, die das Projekt tot reden wollten, noch ehe es überhaupt realisiert wurde.

Bleibt insgesamt zu hoffen, dass es das Unternehmen schafft, die angestrebten Besucherzahlen in absehbarer Zeit zu erreichen. Nicht nur, weil ohne Zweifel eine deutschlandweit einmalige Touristenattraktion geschaffen wurde, die auch vielen einheimischen Hoteliers und anderen gastgewerblichen Unternehmen in den vergangenen Monaten höhere Umsätze bescherte. Sondern auch, weil dank Tropical Islands rund 500 Arbeitsplätze in einer Region entstanden sind, die als besonders strukturschwach gilt.

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