Michael Kuriat

„Gute Blogger Relations sind eine Win-Win-Situation“

In der heute erscheinenden Ausgabe von food-service widmen wir uns dem Thema Blogger Relations: Unter anderem haben wir mit vier Gastro-Bloggern darüber gesprochen, was ihnen im Umgang mit Restaurantbetreibern wichtig ist. Ergänzend zum Thema hier ein Hintergrund-Gespräch mit Michael Kuriat, selbst Gastronom in Leipzig und Inhaber der Agentur TNC Group, die ihre Kunden unter anderem bei der Social Media-Arbeit unterstützt:

Welchen Stellenwert haben Blogger zurzeit für die Meinungsbildung über Gastronomie/gastronomische Betriebe?
MK Empfehlungsmarketing hat die klassische Werbung längst überholt. Blogger gelten deshalb schon lange als Influencer – zunehmend auch in der Gastronomie. Sie können eine große Reichweite erzielen, die mit herkömmlichen Medien teilweise nur schwer – und teuer! - zu erreichen ist. Gleichzeitig sorgt die steigende Anzahl an Blogs dafür, dass immer mehr Informationen verbreitet und verschiedene, auch negative Meinungen über Unternehmen/Marken veröffentlicht werden. Blogger, die Restaurantkritiken erstellen, dienen anderen (potenziellen) Gästen schon heute und in Zukunft sicher noch mehr als Entscheidungshilfe bei der Auswahl der passenden Location.

Was sollten Gastronomen beim Umgang mit Bloggern generell beachten?

MK Ganz wichtig: Korrekturen, Bestechung und Geschenke sollten grundsätzlich vermieden werden! Besser ist es, im Vorfeld in einem offenen Gespräch zu klären, ob und in welcher Form Unterstützung gewünscht ist.

Wie können Gastronomen einen für die Zusammenarbeit geeigneten Blogger finden?

MK Influencer sind meist über eine thematische Suche im Internet auszumachen. Spezielle Suchmaschinen (bspw. Icerocket, Google) identifzieren die am häufigsten geteilten Artikel in den sozialen Netzwerken zu meinen persönlichen Suchbegriffen. Die Kontaktaufnahme ist meist relativ unkompliziert, solange gewisse Grundregeln eingehalten werden. Zunächst sollte ein Berührungspunkt zum gewünschten Blogger hergestellt werden, z. B. über Social Media-Kanäle. Blogger fühlen sich nur ernst genommen, wenn sie keine 08/15-Anschreiben erhalten, das Gegenüber ihre Blogs inhaltlich verstanden hat und keine Fremdthemen unterbringen will.
Der einmal hergestellte Kontakt muss anschließend gut gepflegt werden, zum Beispiel, indem die Beiträge in den Blogs beobachtet werden. Wer mit dem Blogger interagiert, signalisiert Interesse! Ihre Meinung und ihr Feedback liefern Gastronomen viele neue Anregungen und Tipps!

Warum sollten Gastronomen überhaupt mit Bloggern zusammenarbeiten?

MK Blogger Relations leben von einer Win-Win-Situation. Der Blogger, Unternehmen, Follower und potenzielle Kunden/Gäste können daraus zahlreiche Vorteile und Mehrwerte ziehen: zum Beispiel gegenseitige Reichweite-Steigerung, Profilierungen der eigenen Marke und wertvolle Kontakte.

Wie lassen sich Blogger als Meinungsmacher und Multiplikatoren für die eigenen Botschaften nutzen oder in die Social Media-Arbeit meiner Marke einbinden?

MK Das ist relativ einfach: sei es die simple Verlinkung von Blogs oder das Teilen von Beiträgen auf der eigenen Seite. Umgekehrt lassen sich Erwähnungen meines Unternehmens im Blog auf meine eigene Seite zurückverlinken. Ganze Storys, begleitet von einem Blogger, können den Social Media-Kanal mit wertvollen Inhalten füllen. Manche Blogger lassen sich übrigens auch buchen, um Recherchearbeit oder Storytelling im Hintergrund zuzuarbeiten.

Was tun, wenn ein Blogger mein Konzept verreißt?
MK Bei der Zusammenarbeit mit Bloggern müssen Unternehmen permanent im Hinterkopf behalten, dass es sich hierbei nicht um beauftragte Schreiber oder eine gebuchte PR-Agentur handelt und auch unbequeme Themen den Weg in die Blogs finden. Da der Großteil eines Blogs von subjektiven Meinungen abhängt, ist bereits im Vorfeld auf die Übereinstimmung der Denkweisen und Ansichten zu achten. Persönliche Sympathien und gegenseitiges Vertrauen können größere Krisen abwehren und Lösungen herbeiführen.

Gibt es gastronomische Konzepttypen, die für Blogger besonders interessant sind? Wenn ja: warum?

MK Für Blogs sind vor allem jene Restaurants interessant, die sich von der Masse abheben und mit Liebe zum Detail und aus Leidenschaft arbeiten. Sei es ein Bauernhof mit bester Hausmannskost oder ein Sterne-Tempel in der Stadt - das Konzept eines Betriebs muss stimmen und authentisch sein. Besonders gern werden beispielsweise aktuelle Innovationen, individuelle Ansätze im Umgang mit Rohstoffen & Lebensmitteln oder auch Mitarbeiterführung aufgegriffen. Auch über vegetarische und vegane Konzepte sowie neue Erlebniswelten schreiben viele.

Mehr über Blogger Relations in der aktuellen food-service! 

www.michaelkuriat.de

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