Hamburg - Es wird eng auf dem Markt

Boomtown Hamburg: In der Alstermetropole treten sich die Hotelinvestoren derzeit gegenseitig auf die Füße. Mehr als 2.000 zusätzliche Gästebetten werden dort in den kommenden zwei bis drei Jahren entstehen. Offenbar ein Zeichen für die Attraktivität der Stadt. Die ansässige Hotellerie blickt dieser Entwicklung eher mit gemischten Gefühlen entgegen. Ob die vielen Betten auch alle belegt werden können wird in hohem Maße davon abhängen, ob es die "Musical-Hauptstadt" Hamburg schafft, sich nach dem Ende von Cats als Destination für Städtereisen neu zu positionieren. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. Fragt man den Vorsitzenden der Fachgruppe Hotels des Hamburger Gastgewerbeverbandes, Manfred Schulze-Smolka, nach der zukünftigen Auslastung der Hamburger Hotels, antwortet er mit folgender Rechnung : "Wenn wir die derzeitige durchschnittliche Bettenauslastung von etwa 47 Prozent halten wollen, brauchen wir pro 1.000 neuen Hotelbetten 175.000 zusätzliche Übernachtungen". Es deutet alles darauf hin, dass dieses Ziel trotz der geplanten und zum Teil schon realisierten neuen Hotelprojekte durchaus erreicht werden kann. Seit 1994 kommen von Jahr zu Jahr mehr Gäste in die Stadt an Elbe und Alster. Für das erste Halbjahr 2000 meldet das Statistische Landesamt ein Plus von 4,8 Prozent bei den Übernachtungen. Im laufenden Jahr soll erstmals die magische 5 Millionen-Grenze übersprungen werden, obwohl die Expo nicht die zusätzlichen 400.000 Übernachtungen gebracht hat, die man erwartet hatte. Der Geschäftsführer der Tourismuszentrale Hamburg (TZH), Dietrich von Albedyll, freut sich besonders darüber, dass wieder mehr Ausländer die Stadt besuchen. Hotelketten wie Dorint, Seaside oder Le Meridien lassen sich bei ihrer Entscheidung, in Hamburg zu investieren, jedoch nicht von kurzfristigen Zahlen, sondern eher von langfristigen Perspektiven leiten. Und die sprechen offenbar für den Standort Hamburg. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt beherbergt das Dorint Hotel am Alten Wall bereits seit Mitte September die ersten Gäste. Hoteldirektor Walter Müller und Unternehmenssprecherin Birgit Boreck in der Mönchengladbacher Deutschland-Zentrale halten sich mit Informationen jedoch noch zurück. Die freundlichen Damen in der Rezeption und der Hausprospekt klären jedoch darüber auf, dass das selbst ernannte Fünf-Sterne-Hotel über 215 luxuriöse Zimmer, acht Atelier-Zimmer und 18 Suiten verfügt. Die Preise liegen derzeit zwischen 295 DM für ein Doppelzimmer und 1.450 DM für die Präsidenten-Suite. Für das gastronomische Angebot sorgen ein Frühstücks- und ein à la Carte-Restaurant mit Fleet-Terrasse. 19 Konferenz- und Veranstaltungsräume bieten Raum für bis zu 400 Personen. Ein 490 qm großes Fitness- und Wellness-Areal verfügt unter anderem über Schwimmbad, Sauna, Laconium, Eisbrunnen und Kneippbach. Trotz eines neuen Glasvorbaus und umfangreicher Renovierungsarbeiten hat sich der vormals von der Post genutzte Betonklotz, von außen betrachtet, nicht gerade in ein architektonisches Kleinod verwandelt. Erstaunen in der Hamburger Hotelszene hat das Dorint aber vor allem deshalb ausgelöst, weil das Luxushotel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Steigenberger Hotel entstanden ist, einem direkten Konkurrenten im Fünf-Sterne Marktsegment. Augenfälliges Zeichen der neuen Wettbewerbssituation in der Stadt. Auf die starke wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt setzt auch Georg Keck, der für Nordeuropa zuständige General Manager der Le Méridien-Gruppe. Sein Konzern plant, an der Stelle der Volksfürsorge Versicherung, direkt neben dem renommierten Kempinski Hotel Atlantic an der Außenalster ebenfalls eine Fünf-Sterne-Herberge hochzuziehen. Gerade ist mit den Abbrucharbeiten begonnen worden. Geplanter Eröffnungstermin: September 2002. Einzelheiten über Ausstattung, Kosten und Preise sind noch nicht bekannt. Nur soviel: Die 280 Luxuszimmer und Suiten, die dort entstehen, werden den Wettbewerb um die zahlungskräftige Kundschaft in Hamburg noch einmal kräftig anheizen. Einen ganz anderen Weg, sich der Konkurrenz zu stellen, beschreitet das Inter-Continental. Statt zu erweitern, reduziert das Hotel die Zahl seiner Zimmer von 287 auf 277. Dadurch konnten einige Zimmer großzügiger gestaltet werden. Darüber hinaus werden zur Zeit alle neun Etagen des Hauses inklusive Restaurants und Bars für 32 Mio. DM bei laufendem Betrieb von Grund auf renoviert. "Man kann die Preise nicht erhöhen, wenn man das Produkt nicht verbessert", begründet Hoteldirektor Andreas Witkowski die Baumaßnahmen. Seiner Meinung nach wird der Hotelmarkt in Hamburg in den nächsten zehn bis 15 Jahren nicht zur Ruhe kommen. Für diese Zeit sieht Witkowski sein Haus nun gut gerüstet. Mit kommenden Großprojekten wie der Hafen-City und dem Kreuzfahrtterminal oder der bis zu 15.000 Personen fassenden Arena-Halle im Volkspark hat die Stadt weitere Trümpfe in der Hand. Obwohl der Anteil der Touristen unter den Hamburg-Besuchern von rund 20 Prozent in den achtziger Jahren auf etwa 40 Prozent gestiegen ist, kommen die meisten Menschen aber nach wie vor aus beruflichen oder geschäftlichen Gründen in die Stadt. Hier könnten die Perspektiven derzeit kaum günstiger sein. Nach Schätzungen der Hamburgischen Landesbank wächst die Wirtschaft der Hansestadt in diesem Jahr um drei Prozent. Wirtschaftsbehörde und TZH erwarten durch den Bau des Airbus A3XX sowie durch die Erweiterung des Messegeländes in Zukunft weitere Impulse für Wachstum und Arbeitsplätze. Gleichzeitig arbeitet die Stadt erfolgreich am Ausbau ihrer Position als Standort für neue Medien und kreative Berufe. Die positive Stimmung scheint bereits auf die Hotelbranche durchzuschlagen. Nach Angaben der Hamburgischen Landesbank ist der Umsatz der Hamburger Hotellerie im ersten Halbjahr 2000 um rund zehn Prozent gestiegen.
(Mathias Thurm)



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