Heftige Kämpfe um Cook & Chill-Küche für Österreichs Soldaten

Stuttgart hat den Bahnhof 21 - in Niederösterreich kochen die Emotionen um die geplante Zentralküche des Bundesheeres in der Wiener Neustadt hoch. Ab Anfang 2012 soll dort im Cook & Chill-Verfahren gekocht werden. Mittelfristiges Ziel ist die Belieferung sämtlicher 23 Kasernen in Niederösterreich mit bis zu 10.000 Essen.
Der starke Widerstand gegen das Projekt - insbesondere aus der Ecke der FPNÖ - hat die Heeresleitung zur Flucht nach vorne bewogen. Während der niederösterreichische FPÖ-Abgeordnete Christian Hafenecker gar die nationale Sicherheit der Alpenrepublik durch die zentrale Speisenzubereitung bedroht sieht, fühlte sich Generalleutnant Günter Höfler, Kommandant der Streitkräfte, aus der Reserve gelockt. Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz in St. Pölten leistete er Schützenhilfe für moderne Gemeinschaftsverpflegung: "Die Gulaschkanone ist ein Nostalgieobjekt. Die Verpflegung des 21. Jahrhunderts heißt Cook and Chill". Durch das neue Verpflegungskonzept könnten die Kosten für die Verpflegung um etwa ein Drittel gesenkt werden und würden darüber hinaus "Systemerhalter eingespart", da in Zukunft keine Wehrpflichtigen mehr als Küchenhilfskräfte eingesetzt würden. 

Cook & Chill ist im Österreichischen Heer nicht neu. Seit 2004 wird außer in Wien auch in Graz und Klagenfurt danach gekocht. Das Essen werde von den Soldaten sehr gut angenommen, wirbt Höfler: "In Wien hat sich die Anzahl derer, die am Mittagessen teilnehmen um 100 Prozent erhöht und in Kärnten hat Cook and Chill die Note 1,5 bekommen. Den Soldaten schmeckt es", ist der Generalleutnant überzeugt.

Mittlerweile springt auch die GÖD-Bundesheergewerkschaft für Cook & Chill in die Bresche. "Das Projekt Zentralküche ist so weit fortgeschritten, dass es bereits unumkehrbar ist", sagt Gewerkschaftsvorsitzender Wilhelm Waldner. Immerhin habe man erreicht, dass die von FPÖ-Verteidigungsminister Herbert Scheibner eingeleitete Totalprivatisierung der Verpflegungsversorgung des Bundesheeres gestoppt werden konnte. Unter diesen Bedingungen schlägt Waldner "die Ausweitung unseres Angebotes auch an anderen ressortexternen Dienststellen, etwa von Polizei, Ämtern sowie der Justiz vor, die ebenfalls mit Cook and Chill in ihren eigenen Einrichtungen versorgt werden können". Hier biete das Konzept noch einen Spielraum zur Verbesserung der Kostenstruktur. 

Der oberste Zentralküchen-Kritiker Christian Hafenecker ist indessen noch nicht überzeugt. Der FPNÖ-Wehrsprecher hält das Pressegespräch für "reines Kasperltheater" und will auf seinen bisherigen Kasernenbesuchern festgestellt haben, dass "diese Cook & Chill-Küche von der Mehrheit der Soldaten rigoros abgelehnt wird". 

     

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