Heiner Kamps und Nomura kaufen Nordsee

Das im Mai vielfach zitierte Gerücht ist Wirklichkeit geworden: Die Kamps Food Retail Investment SA erwirbt gemeinsam mit dem japanischen Bankhaus Nomura die Fischrestaurant-Kette Nordsee GmbH in Bremerhaven. Die von Apax Partners beratenen Fonds verkaufen damit ihren Mehrheitsanteil. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Private Equity-Unternehmung hatte die Nordsee 1997 vom Unilever-Konzern übernommen, bereits ein Jahr später wurde die Großhandelsgesellschaft Deutsche See ausgegliedert und verkauft. Ursprünglich war vorgesehen, die älteste deutsche QSR-Marke an die Börse zu bringen. Doch musste man im Sommer 2001, als sich der Markt für Neuemissionen plötzlich rapide verschlechterte, dieses 'Going public' (IPO / Initial Public Offering) wieder absagen. Jetzt also die Veräußerung an strategische Investoren. Heiner Kamps: „Ich sehe großes Potenzial und halte langfristig auch eine weitere internationale Ausdehnung für möglich. Natürlich kann ich meine Erfahrung und mein Interesse am Retail-Geschäft einbringen.“ Er übernahm auch Minderheitsbeteiligungen des aktuellen und früheren Managements. Die Nordsee-Akquisition soll die Keimzelle weiterer Engagements bilden. Ziel ist es, mittelständische Retail-Konzepte (Food & Beverage-Bereich) zu bündeln. Durch die Einbindung in eine Gruppe sollen die Marken/Unternehmen effizienter arbeiten und sich neu am Markt positionieren können. Heiner Kamps führt die jüngst gegründete Holding Kamps Food Retail Investment SA als Geschäftsführender Gesellschafter. Mit im Boot: namhafte Privatinvestoren sowie das japanische Bankhaus Nomura. Spannend auch folgender Hintergrund: 1996 finanzierten die Apax Fonds den Management Buy-out von Heiner Kamps, mit dem er das gleichnamige, von ihm in den 80er Jahren gegründete Bäckereiunternehmen von Borden Inc. zurückkaufte. Es folgte ein Börsengang und dann die Übernahme durch den italienischen Barilla-Konzern. Aus dieser Historie heraus kennt Heiner Kamps die Nordsee seit langem und ist auch schon minderheitsbeteiligt. Er, einst Europas größter Bäcker, ist durch den Verkauf seines Backwaren-Imperiums vermögend geworden und stand im übrigen auch beim Tank & Rast-Deal Ende 2004 mit auf der Bieter-Seite. Da allerdings ist die britische Investorengruppe Terra Firma zum Zuge gekommen, nicht er, der jetzt Europas größte Marke für Fischspezialitäten besitzt. Zur Nomura-Gruppe: Die Asset Finance Group (AFG), 2003 gegründet, konzentriert sich nach eigenen Angaben auf innovative Lösungsansätze sowie kosteneffiziente Finanzierungen für Kunden in Europa und Asien. AFGs Geschäftsplan ist die Übernahme von strategischen Kapitalpositionen zusammen mit Partnern, die die operative Verantwortlichkeit tragen. Das ist die Basis der Zusammenarbeit von Kamps und Nomura. Zu den letzten AFG-Transaktionen gehörte unter anderem der Verkauf mit Rückmiete (419 Mio. €) von sieben Ferienparks von Center Parcs Europa in Deutschland, Holland und Belgien im August 2003. Ebenfalls: Verkauf mit Rückmiete von 280 Pubs der britischen Laurel Pub Company (318 Mio. ₤). Nomura ist eine weltweit tätige Investitionsbank mit Hauptsitz in Tokio (133 Niederlassungen in Japan sowie internationales Finalnetz in 28 Ländern). Nomura AFG hat die Transaktion beraten, geführt und strukturiert und wird die gesamte Finanzierung bereitstellen sowie eine strategische Kapitalbeteiligung übernehmen. Dabei werden, so heißt es, ihre 'one stop shop'-Finanzlösungen Einsatz finden. Das Geldpaket beinhaltet vorrangiges Fremdkapital (Senior Debt), nachrangige Mezzanine-Darlehen sowie Vorzugs- und Stammanteile am Eigenkapital. Zu Apax Partners: Die Company gehört zu den weltweit führenden Private Equity-Gesellschaften.. Im Fokus: Wachstumsengagements in einem breiten Branchenspektrum von Informationstechnologie bis Einzelhandel und Dienstleistungen. Kapital fließe, so heißt es, in alle Unternehmensphasen – von der Expansionsfinanzierung bis hin zu großen Management-Buy-Outs. 1972 gegründet, ist Apax heute weltweit mit neun Büros vertreten. Im deutschsprachigen Rauma giert das Unternehmen seit 1990 (München, Zürich). Michael Phillips, Managing Partner bei der Apax Partners Beteiligungsberatung, und Heiner Kamps sind also schon mehrfach Geschäftspartner gewesen. Man schätze sich sehr, heißt es. Die Nordsee Fisch-Spezialitäten GmbH mit Sitz in Bremerhaven erlöste 2004 im deutschen Markt 292 Mio. € Umsatz (-1,7 %) bei knapp 370 Standorten (davon über 50 in Shopping Centern). Alle Ländermärkte (plus Österreich, Schweiz usw.) betrachtet, erzielte die Marke insgesamt 355 Mio. € Umsatz. Die Geschäftsführung hat seit Ende der 90er Jahre mehrfach gewechselt, 2003 übernahm Hans N.J. Matthijsse den Top-Job und damit die Aufgabe, das Konzept über Verjüngung und Innovation für einen veränderten, anspruchsvolleren Markt attraktiv zu machen. Eine ganzheitliche Herausforderung (Standorte, Store-Design, Sortiment – Klientel). Im Dezember kann die Nordsee ihren 40. gastronomischen Geburtstag feiern, denn im Winter 1965 eröffnete in Darmstadt ihr erstes Fischrestaurant in Selbstbedienung. Im Angebotskern damals der gebackene Fisch mit Kartoffelsalat. In den 70er Jahren war Boom-Time – sprich: fast monatlich eine Neueröffnung. Schnell wurde ein durchschnittlicher Jahresumsatz von einer Million DM pro Fischrestaurant erreicht. Sehr viel Markenstärke lieferten die Meeresbuffets. Wirtschaftlich mit der wichtigste Teil war und ist das Take away-Business. Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Behörden. www.apax.com www.nomura.com www.kamps-bhvg.de www.nordsee.de



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