NRW

Hygiene-Ampel kommt - Kritik von Branchenverbänden

Nun also doch: Gastronomen in Nordrhein-Westfalen müssen demnächst über eine so genannte Hygiene-Ampel Auskunft darüber geben, wie sie bei den amtlichen Lebensmittelkontrollen abgeschnitten haben. Der entsprechende Gesetzesentwurf sieht eine Übergangsfrist von 36 Monaten vor.
In den nächsten drei Jahren können Gastronomen im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland die Hygiene-Ampel bereits freiwillig aushängen. Von 2020 an ist die Anzeige dann für alle verpflichtend. Damit solle nach Willen der Landesregierung der Verbraucherschutz gestärkt und vorbildlich arbeitenden Betrieben ein Wettbewerbsvorteil verschafft werden. Man erhofft sich außerdem, die Zahl der Beanstandungen zu senke, wie dies beispielsweise in Dänemark gelungen sei.

Kritik kommt von den Branchenverbänden. „Das Gesetz schafft nur Pseudotransparenz“, sagt Bernd Niemeier, Präsident des DEHOGA Nordrhein-Westfalen. Niemeier weist weiter darauf hin, dass bereits ohne gesetzliche Regelung mehr als 90 Prozent der gastronomischen Betriebe, die im Rahmen eines Pilotprojekts in Bielefeld und Duisburg kontrolliert wurden, „im grünen Bereich“ lagen.

Unterschiedliche Bewertungskriterien

Zudem ist für Gäste nicht erkennbar, was sich hinter dem Ergebnis, der Kombination aus Farbe und Punktzahl verbirgt. „Wo liegt der Unterschied zwischen Grün und 30 Punkten und Gelb und 40?“Stichproben in unterschiedlichen Kommunen und bei unterschiedlichen Kontrolleuren wiesen zudem auf fehlende einheitliche Kontrollmaßstäbe hin. „Wenn es in Aachen z.B. für einen fehlenden Mülleimerdeckel einen Risikopunkt gibt, in Duisburg aber nicht, ist das in einem System, was mit 'exakten' Punktezahlen operiert und objektiv sein will, ein massives Problem“, erklärt Niemeier. 

"Die Hygieneampel ist reine Effekthascherei", kritisiert auch Andrea Belegante, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Systemgastronomie (BdS), den Beschluss des Landeskabinetts NRW. Für bundesweit agierende Marken seien die Ampelbewertungen durch die unterschiedliche Prüfpraxis unzumutbar. „Es gibt es keine bundesweit einheitlichen Standards für die Durchführung der Kontrollen. Schon deshalb ergibt ein solches Gesetz auf Landesebene keinen Sinn“, so Belegante weiter. 

www.dehoga-nrw.de
www.bundesverband-systemgastronomie.de


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