Stockheim-Gruppe

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet

Am heutigen Freitagmorgen hat die Stockheim-Gruppe beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, dem Antrag wurde stattgegeben und die Eigenverwaltung angeordnet. Mit dem Schritt wolle man die im vergangenen Jahr eingeleiteten Sanierungsaktivitäten beschleunigen, teilt das Unternehmen mit.
Es geht um sechs Gesellschaften, die im Rahmen des vorläufigen Eigenverwaltungsverfahrens umfassend saniert und wieder wettbewerbsfähig aufgestellt werden sollen: Stockheim GmbH & Co KG, Stockheim Systemgastronomie GmbH & Co KG, Stockheim (Hbf-Köln) GmbH, Restaurationsbetriebe Stockheim GmbH & Co KG, Stockheim Catering Hamburg GmbH und HAGATEC Koordination & Planung GmbH & Co. KG.

Zum vorläufigen Sachwalter wurde Dr. Biner Bähr bestellt, Partner der Kanzlei White & Case Insolvenz GbR. Die sechs Stockheim-Unternehmen werden in dem Verfahren von der Wirtschaftskanzlei Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf betriebswirtschaftlich und rechtlich beraten. Darüber hinaus ergänzen Dr. Utz Brömmekamp (Stockheim GmbH & Co. KG), Daniel Meintz (Stockheim Systemgastronomie GmbH & Co. KG und Stockheim (Hbf-Köln) GmbH) sowie Dr. Adrian Bölingen (Restaurationsbetriebe Stockheim GmbH & Co. KG und Stockheim Catering Hamburg GmbH) die jeweiligen Geschäftsleitungen als Sanierungsgeschäftsführer.

Die aktuell zu leistenden Zahlungen belaufen sich nach Auskunft von Dr. Brömmekamp auf 3 Mio. €. Wie hoch die Gesamtsumme ist, die an die Gläubiger geschuldet wird, ist noch nicht überschaubar. Die Gruppe verlor in letzter Zeit die Umsatzbringer Flughafen Düsseldorf (10 Mio. €) und das Congress Center Hamburg (7 Mio. €). Die Mitarbeiter werden nun drei Monate Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit erhalten. Zusammen mit der in der Insolvenz möglichen schnelleren Kündigung von verlustbringenden Aufträgen und zu teuren Verträgen hofft man, so die zu hohen Kosten zu senken. Gläubiger mit ungesicherten Forderungen wie ausländische Lieferanten und auch deutsche Dienstleister (IT-Service, Sicherheit und Reinigung) werden zudem wohl auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. 

Während des Eigenverwaltungsverfahrens werden sämtliche Verkaufsstellen und Restaurationsbetriebe weiterhin geöffnet bleiben. Der Geschäftsbetrieb werde darüber hinaus vollumfänglich fortgeführt, lässt Stockheim wissen.

Mit der Eigenverwaltung nutzt das Unternehmen die seit 1. März 2012 geltenden Möglichkeiten einer Sanierung unter Insolvenzschutz. Es handelt sich dabei nicht um eine Insolvenz im klassischen Sinn, sondern um ein Sanierungsverfahren mit dem obersten Ziel des Unternehmenserhalts und der Unternehmensfortführung. Ein Asset Deal – also der Verkauf des Unternehmens oder von Unternehmensteilen - ist bei der Insolvenz in Eigenverwaltung folglich nicht angestrebt. Die Geschäftsführung bleibt weiterhin im Amt und führt die Sanierungsmaßnahmen selbständig durch.

„Wir haben bereits im letzten Jahr begonnen, die Kosten im Unternehmen zu senken und so an unseren Umsatz anzupassen. Wir müssen allerdings erkennen, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, um die Stockheim-Gruppe wieder profitabel aufzustellen. Deshalb werden wir den eingeschlagenen Weg der Restrukturierung mit dem Eigenverwaltungsverfahren fortsetzen“, erklärt Geschäftsführer Sven Steinkuhl.

Mit der Anpassung will sich das Unternehmen zudem stärker an geänderten Kundenwünschen im Gastronomiebereich ausrichten und die begonnene Fokussierung auf die Kernbereiche Event-Catering sowie Messe-, Kongress- und Systemgastronomie weiter fortsetzen.

„Stockheim bewegt sich einerseits in einem starken Wettbewerb, andererseits ist unser Marktumfeld mittelfristig stabil und zeigt einen positiven Trend. Diese Chance werden wir nutzen. Dazu werden wir unser Geschäftsmodell nochmals überprüfen und wo nötig, Anpassungen vornehmen. Insbesondere die profitablen Geschäftssegmente stehen dabei im Mittelpunkt“, beschreibt Geschäftsführer Özgür Günes die nächsten Schritte.

In den kommenden Wochen wird zusammen mit dem Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp ein Sanierungsplan zur Entschuldung und nachhaltigen Fortführung des Unternehmens erarbeitet. Dem Plan müssen die Gläubiger zustimmen. „Die wesentlichen Gläubiger von Stockheim unterstützen den nunmehr eingeschlagenen Sanierungsweg“, so Sanierungsexperte Dr. Brömmekamp, der gute Chancen für die erfolgreiche Unternehmensfortführung sieht.

Die Stockheim-Gruppe ist zu 100 % in Familienbesitz. Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Netto-Umsatz von 68 Mio. € - ein Rückgang zum Vorjahr von 6,8 % bei stark reduzierten Flächen - und rutschte damit im Top 100 Ranking von food-service auf den 49. Rang. Rd. zwei Drittel der Umsätze wurden im Bereich Verkehr erzielt (Flughäfen, Bahnhöfe). Auch 2015 waren die Umsätze mit minus 4,7 % rückläufig, im Jahr davor hatte das Düsseldorfer Unternehmen ein leichtes Plus von 1,4 % gemeldet. Beschäftigt sind rund 750 Mitarbeiter in Düsseldorf, Hamburg, Köln und Münster/Osnabrück.

www.stockheim.de






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