Jacques Borel kämpft in Brüssel für Senkung der MwSt für Restaurants

Zunächst für Frankreich: Für ein Jahr soll hier die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Restaurants von bisher 19,6 % auf 8,8 % (exklusive alkoholische Getränke) getestet und anschließend endgültig darüber entschieden werden. "Steuern runter heißt Preise runter. Das ist der Plan. Ich rechne mit bis zu 5 % Preissenkung, das heißt Nachfrage hoch, heißt mehr mehr Geld für Löhne und besser ausgebildete Beschäftigte, heißt Steuereinnahmen hoch. Und es heißt: mehr Perspektiven für den Gastronomen. Wer wirklich Geld machen will, muss weniger Steuern zahlen müssen." 50.000 Jobs könnten innerhalb eines Jahres durch diese Maßnahme geschaffen werden, ca. 10 % mehr Umsatz und rund 300 Mio. EUR mehr Steuereinnahmen nach einem Jahr, so Borel. Voraussetzung ist, dass die Gastronomen die Steuer-Ersparnis auch wirklich an Gäste und Mitarbeiter weiter geben. Seit 40 Jahren setzt er sich für die Senkung der Mehrwertsteuer für Restaurants in Frankreich ein. Erst vor kurzem hat Borel höchst öffentlichkeitswirksam erneut mit einer Aktion auf sein Anliegen aufmerksam gemacht und viele große französische Restaurant-Ketten dazu gebracht, für 24 Stunden ihre Preise um 5 % zu senken. "Ein Riesenerfolg." Nicht nur in Frankreich, auch in Brüssel kämpft Borel. Derzeit ist eine Studie in Arbeit, die prüfen soll, mit welchen Folgen bei einer Senkung der Mehrwertsteuer in Frankreich zu rechnen wäre. Sie wird Ende November in Brüssel vorgestellt (Borel wurde kürzlich als ‘Official Reporter‘ für Brüssel ernannt), Ende März 2003 sollen die Beschlüsse präsentiert werden. Eine Änderung der Mehrwertsteuer bedarf sämtlicher Stimmen der 15 Abgeordneten der Europäischen Kommission. "Wenn Brüssel dafür stimmt, wären die einzelnen EU-Länder allerdings nicht verpflichtet, die Mehrwertsteuer im eigenen Land zu reduzieren. Aber sie könnten." Am schwierigsten zu überzeugen seien Deutschland, Dänemark, Belgien und England. "Mein Ziel ist, dass Restaurants in allen Ländern der EU gleich behandelt werden wie Hotels." Für diese nämlich stünde es den Einzelstaaten offen, die Mehrwertsteuer variabel zu gestalten. Um das Lobbying zu finanzieren, hat Borel einen sogenannten ‘VAT-Club‘ gegründet. 35 Ketten seien in Frankreich bereits Mitglied. Die (Erfolgs-)Gebühr liegt bei 1 % der durch die Mehrwertsteuer-Senkung erwirkten Ersparnisse - und das für 3 Jahre. Seine Gegenleistung: exzessive Werbung für das Anliegen. In Deutschland zähle der ‘Mehrwertsteuer-Club‘ bereits 3 Mitglieder (darunter Burger King) und er ist optimistisch, dass es bald mehr sein werden. "Ich will Sie reich machen." Der 75jährige, höchst agile Franzose hat die Branche im Laufe seiner über 45jährigen Tätigkeit ebenso geprägt die Namen Jahn (Wienerwald) oder Prager (Mövenpick). Er hat die ‘Cheque-Restaurants‘ erfunden, d.h. erreicht, dass Mitarbeiter-Essen in Restaurants von der Steuer absetzbar wurden, Raststätten in Autobahnbrücken ins Leben gerufen, war in Deutschland Boss von Churrasco und hat in Kanada für die Hospitality-Branche eine reduzierte Mehrwertsteuer erwirkt. Das will er jetzt auch auf europäischer Ebene durchsetzen. Noch hat er dabei keineswegs an Kampfes- und Siegeswillen eingebüßt. "Unmöglich ist ein Wort, das meinem Mund nur ganz schwer entkommt." Der charismatische Franzose war am vergangenen Freitagabend Key Note-Speaker bei der Verleihung der Leaders Club-Awards im Frankfurter Living.



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