Kaufhof / Dinea

Kanadier Sieger im Bieterrennen

Die Kölner Warenhauskette Kaufhof wird kanadisch. Die Hudson’s Bay Company (HBC) aus Toronto hat sich gegen die österreichische Signa durchgesetzt. Der Metro-Konzern als Verkäufer nennt ein Transaktionsvolumen von 2,825 Mrd.€ inklusive Verbindlichkeiten. Der Deal betrifft auch die Gastro-Tochter Dinea mit Foodservice in rund 60 Häusern und einem geschätzten Jahresumsatz von gut 77 Mio. € und mehr als 1.000 Mitarbeitern.

Am Samstag und Sonntag wurden die letzten Details geklärt, die Transaktion, bereits von den Aufsichtsgremien der HBC und der Metro AG genehmigt, soll bis Ende September 2015 abgeschlossen sein.

Konkret geht es um 59 Immobilien und 103 Galeria Kaufhof-Filialen in über 80 deutschen Städten, um 16 Sport Arena-Häuser in Deutschland sowie 16 Galeria Inno-Häuser in Belgien. Insgesamt sind 21.500 Mitarbeiter von dem Eigentümerwechsel betroffen.

Der neue Besitzer sicherte zu, keine Häuser zu schließen und kein Personal anzubauen – zumindest vorläufig nicht. Das Kaufhof-Management soll definitiv bleiben, die Geschicke des Unternehmens sollen weiterhin in der Zentrale in der Kölner Innenstadt bestimmt werden.

Mit der Niederlage der Signa Retail, der der Karstadt-Konkurrent Kaufhof gehört, wird es in Deutschland damit weiterhin zwei konkurrierende Warenhauskonzerne geben.

Der neue Kaufhof-Eigentümer mit Sitzen in Toronto und New York gibt sein Gründungsjahr mit 1670 an und erzielte im vergangenen Geschäftsjahr mit 245 Warenhäusern und 85 Outlets in Kanada und den USA einen Umsatz von 8,17 Mrd. kanadischen $ – zu zwei Dritteln in den USA und zu einem Drittel in Kanada erzielt. Wirtschaftliches Rückgrad der Gruppe sind die Immobilien. Dem Konzern gehört unter anderem das Saks Fifth Avenue-Gebäude in New York. Zur Gruppe gehört auch die mit 67 Standorten größte kanadische Einrichter-Kette, Home Outfitters.

Bisher ist das börsennotierte Unternehmen nur in Kanada und den USA tätig, mit Kaufhof erkauft es sich den Eintritt in den europäischen Markt. Deutschland sei ein großer, stabiler und damit attraktiver Markt, hatte es aus dem HBC-Umfeld geheißen. Das Unternehmen befasse sich bereits seit neun Jahren mit Deutschland als möglichem Expansionsfeld. Man halte zudem nach weiteren Investitionen in Europa Ausschau.

Die Verantwortlichen hatten zuletzt angedeutet, den Kaufhof durch deutlich gesteigerte Investitionen, besseres Licht, moderne Böden und cleanere Warenpräsentation im Markt höher positionieren zu wollen, so die dfv-Wochenzeitung Textilwirtschaft. Auch Folgendes ist für die Einschätzung der Zukunft wichtig: Ein wesentliches Element der bisherigen HBC-Strategie waren umfangreiche Omnichannel-Konzepte für die Konzern-Marken.

Kritiker fragen sich, ob und wie HBC tatsächlich die Mittel für den hohen Investitionsbedarf bei Kaufhof aufbringen will. In der Branche ist von einem Investitionsstau im Umfang zwischen 500 Mill. und fast einer Mrd. Euro zu hören. Skepsis herrscht auch angesichts der Tatsache, dass die Nordamerikaner bisher keinerlei Erfahrung mit dem deutschen Markt, der hiesigen Konsumkultur und vor allem mit dem großen Einfluss von Betriebsräten sowie der Gewerkschaft Verdi haben.

Es stellt sich die Frage, wie die im Übernahmekampf unterlegene Signa reagieren wird, nachdem ihr Plan, Karstadt mit Kaufhof zu fusionieren, nicht aufgegangen ist.

Gastronomisch betrachtet war der Kaufhof vor Jahrzehnten einer der ersten Warenhaus-Konzerne, der seine Restaurants in eine Tochtergesellschaft ausgelagert hat. Sie trägt den Namen Dinea Gastronomie und hat in der jüngsten Vergangenheit konzeptionell mit der Marke Leonhard’s einen größeren Schritt gemacht. Zwei Umbauten in Frankfurt/Main und Hamburg brachten deutlich steigende Gästezahlen und Umsätze. Des Weiteren wurde eine neue Snack-Marke installiert, nämlich ‘Curry Time by Dinea‘ und zwar in Kooperation mit Remagen.

Wachsende Erlöse auch für das Stichwort ‘Heimat‘ – Aktivitäten, die auf deutsche Klassiker und saisonale Spezialitäten fokussiert sind. 2015er Leitlinie: „Wir leben Gastlichkeit“, so Anja Schreck, Geschäftsführerin der Dinea GmbH. Im Ranking der Top 100 ist Dinea 2014 gemeinschaftlich mit der Gastronomie der Metro C+C unter Metro Group auf Platz 26 eingestuft.

www.dinea.de
www.hbc.com



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