Studie

Kita-Verpflegung vielfach nicht kindgerecht

Kita-Verpflegung in Deutschland ist ohne verbindliche Qualitätsstandards, unzureichend ausgestattet und unterfinanziert. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die erstmals repräsentativ Qualität und Kosten des Mittagessens in Kitas untersucht hat.

Inzwischen bleiben bundesweit mehr als 1,8 Millionen Kinder über Mittag in ihrer Kita und essen dort. Dies sind knapp 80 Prozent der unter dreijährigen sowie über 60 Prozent der über dreijährigen Kinder – Tendenz steigend. Ihre Verpflegung entspricht allerdings nur in jeder dritten Kita anerkannten Standards. „Wir brauchen bundesweit verbindliche Qualitätsstandards für die Kita-Verpflegung. Hierzu bedarf es eines Bundes-Kitagesetzes", fordert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Gemessen am wissenschaftlich begründeten Qualitätsstandard der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) schneidet die Mittagsverpflegung in den meisten deutschen Kitas schlecht ab: Nur zwölf Prozent der Kitas reichen den Kindern genügend Obst, lediglich 19 Prozent ausreichend häufig Salat oder Rohkost. Fisch steht ebenfalls zu selten auf dem Speiseplan. Diesen DGE-Standard erfüllen nur 30 Prozent der Kitas. Fleisch hingegen bieten drei Viertel der Kitas zu häufig an. Obst und Gemüse wird in den untersuchten Kitas viel zu wenig mittags angeboten. Nur etwas die Hälfte der Speisepläne wird der DGE-Anforderung überhaupt gerecht, täglich zum Mittagsessen Gemüse zu reichen. Nur von 19 Prozent der Kitas wird der Standard erfüllt, in 20 Verpflegungstagen mindestens achtmal Salat oder Rohkost anzubieten. Hingegen werden Fleisch und Fleischerzeugnisse in 46 Prozent der Kitas zu häufig angeboten.

Die DGE spricht sich deshalb für verbindliche DGE-Qualitätsstandards samt Schulungen aus. Ideal sei eine gesetzliche Regelung, um die Kitas stärker als bisher in die Pflicht zu nehmen. Aber auch Eltern und Trägerverbände seien gefordert, sich diesem Thema anzunehmen. Erfolgreich in die Praxis umgesetzt haben bisher nachweislich 310 Kitas und 79 Caterer den „DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kindertagesstätten“. „Sie gewährleisten so ein vollwertiges Verpflegungsangebot und nutzen den DGE-Qualitätsstandard damit auch als Instrument zur Qualitätssicherung“, betont die DGE. Die ausführlichen Ergebnisse der repräsentativen Studie veröffentlicht die gv-praxis in der Septemberausgabe.






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