Landhaus Scherrer feiert 30. Geburtstag

Wenn ein Restaurant seit drei Jahrzehnten erfolgreich ist, muss das triftige Gründe haben. „Tradition und Moderne zu vereinen, uns weiter zu entwickeln, war immer unser Motto“, lautet ein Geheimnis des Erfolgs der beiden Inhaber. Seit nunmehr drei Jahrzehnten steht das „Landhaus Scherrer“ an der Elbchaussee erfolgreich mit an der Spitze der Hamburger Top-Gastronomie. 1975 kauften Armin und Emmi Scherrer das Landhaus von der Elbschloss-Brauerei. Nach knapp einem Jahr Umbauzeit eröffnete Ehepaar Scherrer 1976 das „Landhaus Scherrer“ als Hamburgs erstes Feinschmecker-Restaurant von internationalem Format. Gerichte nur aus frischen Produkten – so lautete Armin Scherrers Credo. Als erster weit und breit bot er täglich wechselnde Menüs „nach Saison und Tageseinkauf“ an. „Mitte der 70er-Jahre war in Norddeutschland in puncto Gourmet-Küche noch nicht viel los“, erinnert sich Emmi Scherrer, „bereits im zweiten Jahr nach Eröffnung wurde uns der Michelinstern verliehen, was einen großen Zustrom an Gästen bewirkte.“ 1978 wurde die alte Veranda abgerissen und der heutige Gastraum erbaut, womit sich die Kapazität des Restaurants mehr als verdoppelte. Auch wurde der Neubau unterkellert, wodurch großzügige Lagerräume und ein klimatisierter Weinkeller entstanden. 1982 kam der schwere Schicksalsschlag: Im Alter von nur 44 Jahren verstarb Armin Scherrer plötzlich und unerwartet. „Armins Tod war für uns alle ein großer Schock“, so Emmi Scherrer rückblickend, „uns war aber allen von Anfang an klar, dass es weitergehen soll.“ Damals war der heutige Mitinhaber Heinz Wehmann bereits seit anderthalb Jahren als Küchenchef im Hause tätig. „Einerseits war das Konzept des Hauses sehr personenbezogen, andererseits war ich in den anderthalb Jahren so in den Betrieb hinein gewachsen, dass ich voll hinter dem Stil des Hauses stand und mich der Aufgabe gewachsen fühlte, es in Armins Sinn weiter zu führen“, so Wehmann. Über einen gewissen Zeitraum bestand zwischen Emmi Scherrer und Heinz Wehmann lediglich ein mündlicher Vertrag. Ihr oberstes Anliegen war es, die Leistung auf gleich bleibend hohem Niveau zu halten, was ihnen gelungen ist – „nicht zuletzt mit Hilfe der Gäste“. Auch die Tester des Guide Michelin müssen diesen Eindruck gewonnen haben – der Stern ist dem Landhaus Scherrer nicht einen Tag lang aberkannt worden. Kulinarisch lebt der Geist von Armin Scherrer bis heute fort: Gefüllter Ochsenschwanz, Matjestatar auf geröstetem Vollkornbrot und Schellfisch mit Senfsauce zählen auch nach 30 Jahren noch zu den beliebten Traditionsgerichten der Landhaus-Küche. Heinz Wehmann hat natürlich mittlerweile selbst auch Akzente gesetzt: Die krosse Vierländer Ente, tranchiert am Tisch vor den Augen der Gäste, der an der Gräte gebratene Steinbutt, die geeiste Hummer-Melonensuppe oder der „Kartoffelacker“ mit Hamburger Pfannfisch sind ebenfalls zu Landhaus-Klassikern geworden. Die schönsten Rezepte hat Heinz Wehmann vor zehn Jahren zum 20. Geburtstag des Hauses in seinem Bestseller-Kochbuch „Ochsenschwanz und weiße Trüffel“ zusammengestellt. „In diesem Jahr zum 30. Geburtstag wird es ein neues Kochbuch geben, ohne Überschneidung mit dem alten“, kündigt Wehmann an.“´ Bewährtes wurde mit Neuem ergänzt: So entwarfen sie schon sehr früh parallel zur großen Gourmet-Schiene ihr Bistro-Konzept. Damals eine Novität. Hier werden leichte, frische regionale Gerichte serviert. Vorreiterfunktion hatte das Landhaus Scherrer gleichfalls mit der frühen Entwicklung eines hauseigenen Partyservice. Dieser entstand ursprünglich auf Gästewunsch und hat sich mit der Zeit ausgeweitet bis hin zum Catering von Großveranstaltungen. Als Beispiele genannt seien das exklusive Opern-Dinner auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper für 250 Personen sowie seit acht Jahren das viertägige Life- Cooking im VIP-Zelt für zusammen 3000 Gäste beim Deutschen Spring- und Dressur-Derby in Hamburg- Klein Flottbek. Vor drei Jahren kam als jüngstes „Scherrer-Kind“ das „Ö 1“ hinzu. Von der Stadt langfristig gepachtet und mit eigenen Mitteln und Ideen umgestaltet, hat sich das „Ö 1“ mittlerweile zum „Renner“ entwickelt, wo der Gast unkompliziert auf Barhockern sitzend einen schnellen Imbiss oder ein Getränk zu sich nimmt. „Hauptgewinn“ im Zuge des Erwerbs waren allerdings für das Landhaus Scherrer die 40 Gartenplätze. „Endlich haben wir auch Außengastronomie“, konstatierte man erleichtert. Kochkurse für Gäste, Events wie das „Murder-Dinner“ oder die Klönschnack-Küchenparty runden das vielfältige Angebot ab. „Man muss sich immer wieder neu erfinden, ohne indessen seine Wurzeln und Traditionen zu verleugnen“, so Wehmann. Getreu diesem Credo präsentiert sich das Restaurant zu seinem 30. Geburtstag: Neue, helle Dekostoffe sorgen für eine frische Optik, und als Clou lässt ein stufenlos regulierbares Lichtspiel mit Swarowski-Leuchten die Decke als einen Himmel voller Sterne erstrahlen. Sowohl für Heinz Wehmann und seine Familie als auch für Emmi Scherrer ist das Landhaus an der Elbchaussee seit 30 Jahren weit mehr als nur ein Arbeitsplatz: Beide arbeiten nicht nur hier, sondern wohnen auch im Haus. „Das Landhaus ist mein Leben und auf ganz natürliche Weise meine Herzensangelegenheit“, sagt Emmi Scherrer. Angelika Fischer


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