„Eine tolle Truppe“

Leaders Club-Präsident Michael Kuriat im Interview


Michael Kuriat steht seit November 2016 als Präsident an der Spitze des deutschen Leaders Clubs. Für den Gastronomen und Inhaber der Social Media-Agentur TNC Production ist der Club mehr als nur ein Branchennetzwerk. „Ich schätze vor allem das Vertrauen, das zwischen den Mitgliedern herrscht. Es fühlt sich an wie eine Familie, in der einer für den anderen einsteht.“ Schwerpunkt seiner Arbeit sollen in den kommenden Jahren die Förderung des gastronomischen Nachwuchses und die zunehmende Digitalisierung der Branche sein. In unserem exklusiven Interview, das erstmals in der Mai-Ausgabe von food-service erschienen ist, erklärt er die Vision des Clubs und seine Aufgaben als Präsident.

Was ist der Leaders Club und worum geht es den Mitgliedern?
Der Leaders Club ist ein Zusammenschluss zukunftsorientierter Gastronomen, Hoteliers, Vertretern der Zulieferindustrie und von Beratern. Er wurde bereits 1993 in Frankreich gegründet. 2001 wurde dann nach französischem Vorbild der Leaders Club Deutschland ins Leben gerufen. Inzwischen gibt es ihn in zahlreichen europäischen Ländern – darunter Belgien, die Schweiz, die Ukraine und die Türkei. Es stehen keine wirtschaftlichen oder politischen Interessen dahinter, sondern es geht darum, durch intensiven Austausch mehr Innovationen in die Breite der Branche zu tragen und sie dadurch weiterzuentwickeln. Persönlich ist der Leaders Club für mich eine ganz tolle Truppe, ein Netzwerk auf sehr freundschaftlicher Basis, aus dem man viel Nutzen ziehen kann, in das man aber auch investieren sollte.

Wie sieht Ihre persönliche Kosten-Nutzen-Rechnung als Präsident aus? Wie hoch ist der Arbeitsaufwand?
Die Präsidentschaft ist ein Ehrenamt, das viel zeitliches Engagement erfordert, bei dem mich aber Patrick Rüther als Vorsitzender und die übrigen Mitglieder des Vorstands sowie der Aufsichtsrats wirklich tatkräftig unterstützen. Die Last verteilt sich auf viele Schultern und ist keine One-Man-Show. Aber man muss sich schon gut organisieren, ist viel unterwegs. Auf unseren Reisen sammele ich wichtige Erfahrungen und Impulse, die sich auch in unseren Betrieben niederschlagen. Beispielsweise waren wir die ersten, die sich in Leipzig der Themen ‘Better Burger‘ und ‘Grill‘ angenommen haben, lange bevor diese Trends die Stadt in der Breite erreichten.

Stichwort Reisen: Wie funktioniert der Austausch zwischen dem deutschen Club und den anderen Ländern? Wir treffen uns regelmäßig zu Veranstaltungen, wie zum Beispiel Trend-Touren, bei denen wir uns gegenseitig die besten Konzepte aus den jeweiligen Ländern präsentieren. Dann gibt es den Leaders Club Exchange, ein Treffen, bei dem auf internationaler Ebene Vorträge organisiert werden. Bei diesen Gelegenheiten ergeben sich viele sehr intensive Möglichkeiten, einander kennen zu lernen und Erfahrungen auszutauschen. Unsere wichtigste Veranstaltung ist der Leaders Club Award, bei dem das anwesende Fachpublikum einmal im Jahr über die innovativste gastronomische Konzeptentwicklung aus mehreren Vorschlägen abstimmt, die von uns bei Reisen, in der Fachpresse oder aus der Vielzahl von Bewerbungen entdeckt und ausgewählt werden. Die nationalen Sieger erhalten - neben Ruhm und Ehre - die Goldene Palme und nehmen dann am Internationalen Leaders Club Award teil, der im zweijährigen Turnus von einem der Länder-Clubs ausgerichtet wird.

Geht es untereinander nur um Erfahrungsaustausch oder können Mitglieder auch konkrete Hilfe- und Beratungsleistungen in Anspruch nehmen?
Gerade kleinere oder junge Gastronomen, die normalerweise in den übergeordneten Strukturen der Branche nicht sofort zu Hause sind, profitieren bei uns von den Erfah-rungen und dem Wissen der großen Unter-nehmen. Sie können sich bei Problemen oder Fragen ganz unkompliziert an die ‘Alten Hasen‘ wenden und bekommen von ihnen uneigennützige Hilfe. Man hat Ansprechpartner, egal, wo man hinkommt, jeder nimmt sich Zeit und den anderen ernst.

Nun klingt der Name ‘Leaders Club‘ ein wenig elitär. Kann denn jeder Mitglied werden?
Der Name kommt aus der Vergangenheit und ist ja gar nicht in Deutschland, sondern in Frankreich entstanden. Auch wenn er vielleicht auf den ersten Blick diese Assoziationen hervorruft: Wir wollen alles andere als uns abschotten. Unsere Veranstaltungen sind weitgehend offen, auch Nicht-Mitglieder haben die Möglichkeit, Seminare zu besuchen oder am Leaders Club Award teilzunehmen. Wenn jemand als Mitglied dazu stoßen will, braucht er oder sie in der Regel eine Einladung von zwei Paten aus den Reihen des Clubs, die ihn empfehlen. Dann ist er für ein Jahr als Gast bei unseren Veranstaltungen herzlich willkommen. Wir schauen schon genau hin, wie engagiert jemand ist. Denn eine Mitgliedschaft, die ernst genommen wird, kostet auch Zeit.

Kostet sie auch Geld?
Ja, natürlich erheben wir auch Mitgliedsbeiträge. Diese sind für Industriepartner etwas höher als für Gastronomen. Der Club muss sich selbst finanzieren, zum Beispiel unterhalten wir ein Koordinationsbüro in Hamburg mit momentan zwei Mitarbeitern. Auch die Veranstaltungen müssen bezahlt werden, die Teilnahme – beispielsweise beim Leaders Club Award – ist für die Mitglieder aber inklusive. Wir agieren in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft, unter anderem, weil im Laufe der Zeit auch kommerzielle Initiativen lanciert wurden, wie etwa das Leaders Club Weinprojekt Mutmacha! mit unserem eigenen Weinberg an der Mosel. Hier baut der Club selbst Weine an, die dann in den Betrieben der Mitglieder angeboten werden. Dahinter steht die Idee, die deutsche Weinkultur zu stärken. Gleichzeitig geht es darum, Nähe zu schaffen, indem die Mitarbeiter unserer Betriebe an Weincamps vor Ort teilnehmen oder bei der Weinlese helfen und dadurch einen ganz besonderen Bezug zu dem Produkt haben, das sie im Restaurant verkaufen.

Gibt es auch Bewerber um eine Mitgliedschaft, die nicht aufgenommen werden?
Selbstverständlich. Der innovative Gedanke hinter einem Konzept spielt für uns eine große Rolle und ganz besonders die Persönlichkeit des Gastronomen. Wer nicht bereit ist, Offenheit und Transparenz untereinander zu leben und auch mal Zahlen aus seinem Betrieb preiszugeben, der passt nicht zu uns. Es gibt außerdem einen Ehrenkodex: Wenn sich ein Club-Mitglied um eine Restaurantfläche bewirbt, halten sich die anderen zurück. Selbstverständlich ist auch das Abwerben von Mitarbeitern tabu. Seit ich dabei bin, gab es diesbezüglich keinerlei Konflikte.

Ihr Vorgänger Roland Koch war sechs Jahre im Amt. Was waren in dieser Zeit die wichtigsten Entwicklungen und Highlights für den Club?
Roland hat den Leaders Club Deutschland sehr geprägt in einer Zeit, in der es darum ging, innerhalb der Branche wahrgenommen zu werden und innovative Gastronomen als Mitglieder zu gewinnen. Er hat den Club komplett neu positioniert. In zahlreichen Strategie-Meetings wurde außerdem herausgearbeitet, vor welchen Herausforderungen die Branche aktuell steht und wie wir ihnen begegnen können. Daraus entstanden zum Beispiel die Leaders Concepts, ein Förderprogramm, mit dem wir uns bei der Finanzierung und Beratung junger Gastronomen engagieren, die Leaders Club Startup Sessions, eine Veranstaltung, bei der es ebenfalls um Wissensvermittlung an Einsteiger in die Branche geht, und der Startup-Wettbewerb, den wir in diesem Jahr zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit der Internorga durchgeführt haben. Das alles sind Früchte der tollen Arbeit von Roland Koch.

Welche Schwerpunkte wollen Sie als neuer Präsident setzen?
In erster Linie ist es mir wichtig, dass das, was aufgebaut worden ist, in Beständigkeit fortgeführt wird. Der Leaders Club ist jetzt an einem Punkt, an dem wir sehr viele Anfragen bekommen und in der Öffentlichkeit stark wahrgenommen werden. Wachstum ist ein Ziel, aber im richtigen Maß. Die ganze Administration muss ja mitwachsen. Die Dinge, die uns zurzeit beschäftigen, sind auch die wichtigen Themen der Gastronomie insgesamt in Deutschland: die komplette Personal-Problematik; dann das Startup-Phänomen, das der Branche momentan sehr gut tut und das wir engagiert fördern. Wir erleben diesbezüglich einen tollen Zuspruch, gerade auch von den ‘Jungen Wilden‘, die sich stark für unsere Angebote interessieren. Und dann natürlich die Digitalisierung in der Gastronomie, ein Punkt, der mir auch persönlich am Herzen liegt. Darum haben wir uns im Leaders Club schon früh gekümmert, lange, bevor es in der Masse angekommen ist. Insofern konnten wir der Branche tatsächlich wichtige Impulse geben und viel für ihren Ruf tun. Indem wir vor allem die jungen Gastronomen ansprechen, die die Konzepte von Morgen entwickeln, und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen, leisten wir unseren Beitrag zur Zukunft der Branche.

Michael Kuriat ist nicht nur studierter Arzt und begehrter Redner zum Thema Social Media, sondern betreibt auch sechs gastronomische Betriebe in Leipzig, deren konzeptionelles Spektrum vom Club über das Liegerestaurant Sol y Mar bis hin zur Beach Bar reicht. Seit 2007 Mitglied im Leaders Club, fungierte er mehrere Jahre als Vorstand Marketing und PR sowie als Vorstandsvorsitzender. Im November 2016 übernahm er das Amt des Präsidenten von Roland Koch (gastro consulting). „Der Leaders Club hatte mich schon vor meinem Eintritt mehrfach inspiriert. Mit der Zeit wurde ich auch zu verschiedenen Veranstaltungen eingeladen und habe immer mehr Mitglieder kennen gelernt. Mir wurde recht schnell klar, dass es sich um ‘Geschwister im Geiste‘ handelt, deren Ziel es ist, sich gegenseitig zu unterstützen.“ Der Leaders Club umfasst aktuell 156 Mitglieder, davon 80 Gastronomen, 53 Vertreter der Zulieferindustrie und 23 aus der Beraterbranche. 23 Gastmitglieder bewerben sich zurzeit um die Aufnahme.

www.leadersclub.de

Das Interview führte Barbara Schindler.

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