Großmarkt Beusselstraße

Markthalle Neun plant Ernährungswende für Berlin

Gemeinsam mit einer Genossenschaft von über 100 am Berliner Großmarkt ansässigen Unternehmen hat die  Markthalle Neun der Stadt Berlin ein Angebot zum eigenständigen Betrieb des Großmarkt-Geländes an der Beusselstrasse überreicht. Geplant ist ein 'Großmarkt 9.0' als Schauplatz für die Ernährungswende für die Hauptstadt.

"Wie wird die Stadt morgen satt? Wir glauben, dass die Antwort auf diese Frage zunehmend in der Stadt selbst und ihrem agrarisch geprägten Umland zu finden ist", erklären die Initiatoren. Berlin ist der größte Biomarkt Europas, aber auch ein Zentrum der kleinen, handwerklichen und innovativen Lebensmittelverarbeitungsbetriebe.

"Aber Berlin droht genauso, das Herz einer innerstädtischen Lebensmittelproduktion zu verlieren, den Bauch der Stadt", so doe Sorge. Seit 1965 war und ist das der Großmarkt in der Beusselstraße. Der zentrale Lebensmittelumschlagplatz ist gegenwärtig vielfältigen Transformationsprozessen ausgesetzt.  

Während die vier großen Lebensmittelkonzerne ihre Waren längst in Logistikzentren weit vor den Toren der Stadt verteilen und die Produkte – und ihre Wertschöpfung – alles andere als regional erzeugt werden, haben die Macher der Markthalle Neun rund um die Gründer und Geschäftsführer Bernd Maier, Florian Niedermeier, Nikolaus Driessen gemeinsam mit rund 100 auf dem Großmarktgelände ansässigen Unternehmen eine andere Vorstellung. Die zur Interessengemeinschaft Lebensmittel- und Frischecluster Berlin zusammengeschlossenen Unternehmen wollen deshalb den Großmarkt als Genossenschaft übernehmen.

"Wir sind unserem Ziel, den 'Bauch von Berlin' wieder in die Köpfe und Töpfe der Berlinerinnen und Berliner zu bringen, heute ein Stück näher gekommen. Es fühlt sich ein wenig so an wie vor sieben Jahren, als wir unsere Ideen für die Markthalle das erste Mal vorgestellt haben. Mit diesem Projekt hat Berlin die Chance zu zeigen, wie wichtig ihr das Thema Ernährung für die Stadt der Zukunft ist“, so Florian Niedermeier. Zum Konzept der IG LFC Berlin steuert die Markthalle Neun in erster Linie Pläne für nachhaltiges Lebensmittelhandwerk vor Ort bei.

Lebensmittelmanufakturen und Innovationscampus

Handwerkliche und innovative Lebensmittelmanufakturen, Bäcker und Brauer, Käseaffineure und vertikale Gärtnerinnen sollen angesiedelt werden. Zudem soll der Großmarkt zur Schlüsselstelle für die erfolgreiche (Selbst-)Vermarktung kleiner und mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe aus dem Berliner Umland werden. 

Nicht zuletzt soll der Großmarkt auch zum Ort des Lernens und der Wissensvermittlung werden, ein Innovationscampus für Geist und Gaumen, damit die Stadternährung künftig ein zentrales Werkzeug der Stadtentwicklung sein kann. "Wir glauben daran, dass Veränderung durch den Magen geht. Und dass es möglich, ja notwendig ist, die ganze Stadt auf diese Reise mitzunehmen. Davon erzählt unsere Utopie des 'Großmarkt 9.0', als Bauch und als Hirn der Stadt."

Der Berliner Senat hat im aktuellen Doppelhaushalt 2017/18 700.000 Euro für ein, so der Arbeitstitel, 'House of Food' bereitgestellt: eine Schnittstelle aus Lebensmittelhandwerk, Lebensmittellogistik und Lebensmittelwissen, mit dem Ziel etwa die Nachhaltigkeit und das Niveau der Gemeinschaftsverpflegung in Berliner Schulen oder Kantinen zu verbessern.

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