Megatrends und Gegentrends

Neue Studie - Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum - von David Bosshart und Karin Frick (GDI, Zürich)*. Die Zukunft lässt sich nicht aus der Vergangenheit extrapolieren, denn Entwicklungen verlaufen nicht linear, sondern chaotisch. Die Zukunft gleicht einem Möglichkeitsfeld, das um die Gegenwart gestreut ist. Es gilt, die wichtigsten Zeitströmungen zu kennen - Pro- und Gegenkräfte. 1. Individualisierung versus Neotribalisierung. Das Individuum bleibt die wichtigste Instanz, doch die Aufmerksamkeit hat sich verschoben. Hin zum Netz von Beziehungen, die sich in einem Individuum verbinden.. Aus Marketing wird Societing. 2. Flexibilisierung versus Werteorientierung. Der flexible, dynamische, aktive und kreative Menschen ist das Vorbild der globalen Gesellschaft. Doch: Veränderungsmüdigkeit breitet sich aus. Traditionelle Werte wie Integrität, Verlässlichkeit, Qualität, soziale Verantwortung, Respekt und Ordnung gewinnen wieder an Bedeutung. 3. Erlebnisökonomie versus Bedürfnisökonomie. Der Kampf um die Aufmerksamkeit und gegen Langeweile fordert eine stetige Hochrüstung mit neuen Attraktionen: Dabei gilt, dass die Wünsche und Möglichkeiten schneller wachsen als unsere Fähigkeit, sie zu konsumieren. Neuer Markt für basale Überlebenshilfen und Regeneration. 4. Dynaxität versus Einfachheit. Komplementär zur Komplexität steigt der Wunsch nach radikaler Einfachheit, nach Überschaubarkeit und Verständlichkeit. Die Menschen brauchen nicht mehr Optionen, sondern mehr Orientierung. 5. Konvergenz versus Hyperspezialisierung. Die größten Wachstums- und Innovationspotenziale liegen heute nicht mehr innerhalb eines Marktes, sondern gleichsam dazwischen. Also in der Konvergenz unterschiedlicher Branchen und Märkte. Kundenorientierung in Konvergenzmärkten bedeutet: Es geht immer mehr um Zeit-, Mind- und Magen-Anteile der Kunden. Weniger um herkömmliches Marktanteilsdenken und Rechnen. Problem: Spezialisierung wird immer teurer, die Nischen immer kleiner. 6. Ökonomisierung versus De-Kommerzialisierung. Der Markt diktiert den Takt und definiert die Spielregeln. Gesellschaft und Politik sind ein Teil der Wirtschaft geworden und nicht mehr umgekehrt. Und wenn das Soziale verschwindet, wünscht man sich umso mehr das Gute herbei. Doch es gibt keine Alternative zum Markt. 7. Globalisierung versus Babelisierung. Im Zeitalter der Kommunikation ist Sprache unser wichtigstes Werkzeug. Englisch, wie immer entstellt und verwandelt, wird eine Weltsprache (bleiben) - vor und neben lokalen/regionalen Traditionen bis hin zu Dialekten. *Megatrends Basic, 70 Seiten, Preis: 250 sfr www.gdi.ch

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