Nitrofen-Fleisch in Kindertagesstätten

Erschüttert äußerte sich die Geschäftsführerin der evangelischen Kindertagesstätten in Bremen, Ilse Wehrmann, am Dienstag über die Auswirkungen des Nitrofen-Skandals. In sieben Bremer Einrichtungen ist vermutlich belastetes Bio-Geflügelfleisch verarbeitet worden - allein fünf davon betreibt die Kirche. "Da wollten wir besonders gut sein, alles auf biologische Kost umstellen - und nun sind wir besonders betroffen!"

Doch auch die Leiterinnen der beiden betroffenen städtischen Einrichtungen reagierten bestürzt auf die Nachricht. "Da bemühen wir uns, die Kinder besonders gut zu ernähren, und dann so etwas - das ist schon gemein", sagte Brigitte Grziwa. Zudem wird die Erstellung des Speiseplans nun wohl noch schwieriger. In die von ihr betreute Kindertagesstätte gingen viele muslimische Kinder; darum verzichte man schon seit langem auf Schweinefleisch. Rindfleisch habe man seit dem BSE-Schock gemieden. "Und nun so ein Skandal", sagte Brigitte Grziwa ratlos. "Ich bin empört, entsetzt wütend. Mich ärgert vor allem, dass der Lieferant offenbar schon länger wusste, dass sein Fleisch belastet sein könnte", kommentierte Kollegin Susanne Tretter.

Die evangelische Kirche wird Ilse Wehrmann zufolge rechtliche Schritte gegen den Lieferanten überdenken. Susanne Tretter wiederum will sich in den bevor stehenden Sommerferien einen neuen Lieferanten suchen. Auch sei zu überlegen, ob mit den Kindern über das Nitrofen-Problem gesprochen werden müsse. "Aber man darf auch nicht in Panikmache verfallen. Das Fleisch ist ja leider gegessen."

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