Veganz

Planinsolvenz und Schließungen

Die vegane Supermarkt-Kette Veganz zieht nach rascher Expansion die Notbremse. Es kommt zu Schließungen im Zuge einer Planinsolvenz. Von einer möglichen Verkleinerung des Filialnetzes war bereits gegen Ende des letzten Jahres die Rede. Nach München wurde jetzt auch die Filiale in Frankfurt geschlossen.

Die Planinsolvenz in Eigenregie wurde nach Informationen der Lebensmittel Zeitung (dfv Mediengruppe) von Jan Bredack, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Veganz GmbH, schon am 1. Dezember 2016 für die Tochter Veganz Retail GmbH beim Amtsgericht Berlin beantragt.
Die weiteren Gesellschaften seien von dem Schritt nicht betroffen, versicherte Bredack gegenüber der LZ. "Wir trennen uns von Verlustbringern und konzentrieren uns auf unser Markengeschäft in Großhandel und Gastronomie."

Die Veganz GmbH setzte 2015 insgesamt 24 Mio. € um. Die ursprüngliche Prognose für 2016 wurde von 80 auf 56 Mio. € angepasst. Zur erreichten Verdoppelung des Gesamtumsatzes hat laut Bredack vor allem das Großhandelsgeschäft beigetragen. Jedoch habe das Unternehmen "2016 kein schwarzes Ergebnis auf Ebit-Basis" erzielt. Nach Sanierung der Supermärkte dürften 2017 schwarze Zahlen geschrieben werden, erwartet Bredack. Das Filialnetz zählte zuletzt neun Standorte plus einen Franchise-Store.

Hintergrund: Veganz hat parallel zur eigenen Expansion rasant neue Partner aufgeschaltet und beliefert über die Veganz Wholesale GmbH & Co. KG mittlerweile zahlreiche Big Player des Einzelhandels wie Globus, Metro, Handelshof, Famila, dm, Rossmann und Müller. Das blieb offenbar nicht ohne Kannibalisierungseffekte für die eigenen Märkte. Mit Bredacks Worten: "Das Modell des veganen Supermarktes hat sich aufgrund des steigenden Angebotes veganer Produkte im Handel überholt." Hinzu kamen noch nicht beigelegte Probleme mit Kooperationspartner Edeka, der angeblich Rechnungen in Millionenhöhe nicht beglichen haben soll.

Trotz der kritischen Lage im Supermarkt-Geschäft fanden sich Geldgeber für Veganz. So hat die Katjes-Beteiligungsgesellschaft Greenfood, neben anderen Investoren erst im September letzten Jahres eingestiegen, ihre Anteile im Dezember von 5 auf 11 % aufgestockt.

Den ersten Supermarkt hatte Veganz 2011 im Berliner Szenebezirk Prenzlauer Berg eröffnet. 2105 brachte das Unternehmen eine eigene Produktlinie auf den Markt. Zumindest die drei Berliner Supermärkte sollen mit angeschlossener Gastronomie weitergeführt bzw. neu ausgerichtet werden, heißt es. Der Gastro-Partner goodies wurde nach Insolvenz erst kürzlich von Bredack gemeinsam mit der Familie Sander (auch an Vapiano beteiligt) übernommen und in The Bowl umgetauft - so heißt auch das Clean-Eating-Restaurant von goodies in der Hauptstadt.

www.veganz.de


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