Snack 2017

Prof. Dirk Morschett: neue Channels für Foodservice

Der Snackkongress snack2017 der dfv Conference Group ist in vollem Gange. Eine erste Keynote setzte Prof. Dr. Dirk Morschett, Handelsexperte von der Universität Fribourg (Schweiz). Sein Thema: Fresh Food Services: Neue Channels - Delivery Services, Kochboxen, Amazon Fresh. Wie kommt das Essen zum Kunden, wenn der Kunde nicht mehr zum Essen kommt?

Auch wenn einige Experten dem Online-Handel mit Lebensmitteln in den kommenden Jahren einen Marktanteil von maximal 10 % prognostizieren, dürfe man derartige Prophezeihungen nicht hinnehmen, ohne sie kritisch zu hinterfragen, kommentierte Morschett den Wahrheitsgehalt ähnlicher Voraussagen in der Vergangenheit. Wichtiger sei ein Blick auf die harten Fakten, wie das stetige Wachstum des Online-Handels in immer mehr Branchen. "Viele haben diese Entwicklung unterschätzt, ein Grund, heute aufmerksamer zu sein."

Pro und Contra Online-Handel

Das Thema wachse nicht zuletzt, weil die Angebote und Services immer besser werden. "Angebot schafft Nachfrage." Hinzu kommen innovative Bestellmethoden wie Amazon Dash oder Amazon Alexa. "Wenn der Kunde das ausprobiert und zufrieden ist, sorgt das dafür, dass er es wieder tun wird und der Marktanteil von Online-Handel wächst."

Auf der anderen Seite stehen die Kosten für den Anbieter. Kommissionierung, Verpackung, Logistik seien mit den üblichen Margen im deutschen Lebensmittelhandel kaum vereinbar. "Hier braucht es sehr große Warenkörbe für ein profitables Geschäft." Trotzdem ist Amazon Fresh mit relativ niedrigen Preisen in den Markt gestartet. Ein weiteres Hemmnis: Liefergebühren, die der Kunde nicht zahlen wolle, um die aber kein Anbieter herumkomme. Fazit: "Eine Profitabilität ist in Deutschland kaum zu erreichen."

Letztlich zähle, ob die Lieferung von Lebensmitteln nach Hause überhaupt ein Konsumentenbedürfnis ist. "Dagegen spricht, dass die Kunden das erlebnisorientierte Einkaufen im Supermarkt schätzt und seine Produkte gern vor Ort selbst auswählt."

Online-Handel bleibt eine Nische

Im vergangenen Jahr erreichte der Online-Handel mit Lebensmitteln ein Marktvolumen von rund 300 Mio. Euro, ein Großteil davon Wein und Trockenprodukte. Morschetts eigene Prognose: "Zu erwarten sind bis 2020 rund 3 Prozent Marktanteil - der vor allem in den Großstädten und keinesfalls flächendeckend erreicht wird." Kochboxen wie Hello Fresh blieben eine Nische, jedoch mit besseren Margen als im Zustellhandel der Supermärkte. 

Anders die Voraussagen des Experten für die Foodservice-Delivery-Plattformen: "Hier werden wir starkes Wachstum sehen: Das Prinzip ist von der Pizza gelernt, das Preislevel ist ein anderes und die Kommissionierung in der Küche leichter. Allerdings ist auch hier die Lieferung mit eigener Logistik auch hier sehr teuer. Die großen Marktteilnehmer sind hier im Vorteil. Es werden 1-2 übrig bleiben."

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