Public Vending an Bahnhöfen als Wachstumsmarkt

Mehr als 3.500 Snack- und Getränkeautomaten ergänzen das gastronomische Angebot in deutschen Bahnhöfen – zu jeder Tageszeit. Während sich die Anzahl an Vending-Automaten 2011 nur noch marginal erhöhte, konnten die Umsätze im Vergleich zu 2010 um mehr als 3% gesteigert werden.

Andreas Sielemann, Key Account Manager DB Station&Service AG zu den Gründen der positiven Umsatzentwicklung: „Zum einen haben die bundesweit sechs Operator eine Vielzahl an bestehenden Automaten durch moderne Geräte ausgetauscht. Zum anderen steigt kontinuierlich die Anzahl an Reisenden und Besuchern in den Bahnhöfen.“ Einen nennenswerten Einfluss hatten 2011 im Vergleich zum Vorjahr auch die ’automatenfreundlicheren Wetterbedingungen’ in den kalten Monaten.

Kaltgetränke-Automaten sind Pflicht – als Kür gelten Heißgetränke wie Kaffee und Kakao. Renommierte Markenartikel in den jeweiligen Bereich müssen laut Sielemann auf jeden Fall angeboten werden. Ein kleinerer Anteil könne durchaus no-name-Ware sein.

Die Wichtigkeit eines gelungenen Category Managements betont auch Stefanie Lürken, Geschäftsführerin Selecta Deutschland. Selecta ist europaweit der größte Vending-Anbieter. Lürken erklärt, dass bei bestimmten Produktgruppen wie Energydrinks Marken ein Muss sind. „Meist wählen die Kunden allerdings eher eine Kategorie aus – Limonade oder Mineralwasser – weniger einen bestimmten Markenartikel“, so Lürken. Der Preis gilt als bestimmender Faktor.

Was bei den Verbrauchern ankommt, ist regional durchaus sehr verschieden. Preissensibel zeigen sich die Reisenden jedoch immer. Selbst eine geringe Erhöhung hat einen spürbaren Einfluss.
„Damit das Vending-Geschäft auch in Zukunft auf Wachstumskurs bleibt, müssen wir die Automaten attraktiver für jüngere Menschen mache“, sagt Lürken. Potenzial für Snacking und To-go sei vorhanden.

Ein Exot unter den Automaten sorgte in den vergangenen Wochen in den Medien für Aufmerksamkeit: Der erste Pizza-Automat nahm seinen Betrieb im Frankfurter Hauptbahnhof auf. Der Automatenhersteller Pizzomatic hat in Kooperation mit Dr. Oetker ein Konzept erarbeitet, das das Thema Vending neu definieren soll. Drei Funktionen vereint der Automat: Kühltruhe für 84 Pizzen, vollautomatischer Backofen und Vending-Unit. Von der Auswahl bis zur Fertigstellung dauert es drei Minuten. Auf einem isolierten Take-away-Karton wird die Pizza ausgegeben, Besteck und Serviette gibt es auf Wunsch dazu. Zwei Sorten stehen zur Auswahl – aktuell Salami und Margherita.

Ob weitere Bahnhöfe in Deutschland mit einem Pizza-Automat ausgestattet werden, ist noch nicht sicher. „Wir wollen zunächst innerhalb einer vereinbarten Testphase Erfahrungen und Ergebnisse auswerten“, so Sielemann.

Anders als das Vending-Geschäft in Unternehmen hat Public Vending mit Vandalismus zu kämpfen. Etabliert sich in Deutschland bargeld- bzw. kontaktloses Bezahlen, könnte dieses Problem minimiert werden. Sielemann schätzt, dass in rund zehn Jahren sowohl die Technik ausgereift sein wird als auch die Kunden die neue Form des Bezahlens akzeptieren. „In der Schweiz ist bargeldloses Bezahlen bereits weit verbreitet. Mehr als 2.000 öffentliche Vending-Automaten wurden bereits erfolgreich umgestellt. Der Markt in Deutschland ist noch nicht so weit“, stimmt Lürken zu.

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