Franchising

Reputation ist alles

Die Franchise-Wirtschaft in Deutschland – ob Anzahl der verschiedenen Systeme (950), Aufteilung in verschiedene Branchen (Gastronomie inkl. Touristik und Freizeit immer mit einem Anteil von ca. 20 %), Mitarbeiterzahl (knapp 700.000) oder Umsatz pro Partner (1,4 Mio. €) – ist seit Jahren praktisch unverändert. Dabei könnte diese zukunftsträchtige Branche stark wachsen.
„Viele Systeme wachsen nur aus dem Grund nicht, weil niemand weiß, wie gut sie eigentlich sind“, sagte Felix Peckert, einer der führenden Franchise-Experten in Deutschland und Chef des Bonner forum franchise und systeme, bei der Präsentation der Jahreszahlen. Für Peckert ist die Reputation der einzige Engpass, der noch völlig unterschätzt und dem entsprechend halbherzig begegnet wird.

Die anderen Engpässe sind allen bewusst: Da ist als erstes die Ressourcenausstattung zu nennen, denn sehr viele Systeme seien unterkapitalisiert, so Peckert. Auch der Standardisierungsgrad und die Digitalisierung sind offene Baustellen, an denen noch viel gearbeitet werden muss, um noch mehr Menschen für die Systeme zu begeistern und den Zugang weiter zu erleichtern. Und dann wäre da noch die Fokussierung auf den nationalen Markt, die ein nachhaltiges Wachstum in Peckerts Augen verhindert. „Franchising ist ein globales Konzept, das sollten Sie nicht national einschränken. Nehmen Sie Vapiano – das Unternehmen ist heute 1 Mrd. € wert, weil es ins Ausland gegangen ist“, führt er aus.

Transparent und proaktiv für das eigene System werben

Doch letzten Endes ist es die Reputation, die über langfristigen Erfolg im großen Stil entscheidet und unter allen Herausforderungen „das einzige Problem. Den Rest wird die Mechanik des Marktes lösen“, so Peckert. Einen guten Ruf sowohl als attraktives Konzept als auch als kompetentes, unterstützendes Franchisesystem aufzubauen, ist vor allem für die Breite der 950 unterschiedlichen Franchise-Systeme eine Herausforderung. „Unter den Top 250 ist das natürlich kein Thema, da macht es jetzt schon Spaß“, sagt Peckert. Aber die vielen kleinen und mittleren Systeme mit bisher nur wenigen Partnern müssen ordentlich die Werbetrommel rühren und ganz transparent vermitteln, was sie einerseits den Endkunden und andererseits den Franchisepartnern bieten.

72 % der Franchise-Anbieter nutzen die eigene Website zur Gewinnung von Partnern

Ein unverzichtbares Tool dafür ist die Website. Sie ist laut Erhebung des Deutschen Franchiseverbandes (DFV) heutzutage mit 72 % der Nennungen das favorisierte Recruitingtool zur Gewinnnung neuer Franchisepartner, gefolgt von den gängigen Fachportalen mit 52 % und bestehenden Franchisepartnern mit 43 % als den nächstwichtigsten Kanälen für eine erfolgreiche Ansprache neuer Franchisenehmer (Mehrfachnennungen). Für den DFV, dessen Geschäftsführer Brodersen in Bonn ebenfalls die aktuellen Zahlen präsentierte, sind „Partner und Mitarbeiter als Best-Spokes-Persons die wohl glaubwürdigsten und authentischsten Multiplikatoren für eine erfolgreiche Expansion durch Neupartner.“ Umso wichtiger sei in diesem Zusammenhang die Betreuung bestehender Partner.

Nachwuchsprobleme? Dann prüfen Sie mal Ihre Zielgruppen!

Da seit Jahren das Thema Nachwuchs die komplette gastronomische Branche bewegt, lohnt auch ein Blick auf die Zielgruppen. In der Befragung durch den DFV stellte sich heraus, dass weiterhin Fach- und Führungskräfte mit 81 % die Zielgruppe Nr. 1 sind. Unternehmer (keine Franchisenehmer) sind mit 66 % ebenfalls wichtig, genauso wie bestehende Franchisepartner mit 49 %. Wirklich interessant sind aber die Zielgruppen, die bisher noch gar nicht im Fokus der Franchisegeber stehen und die entsprechend auch nicht gezielt angesprochen werden: Gründer aus der Arbeitslosigkeit sind nur zu 18 % auf dem Radar, ähnlich schwach wie weibliche Unternehmerinnen mit 16 %. Völlig unausgeschöpft mit 1 % ist das Potenzial der Migranten und Zuwanderer, wofür Peckert deutliche Worte findet: „Die Franchise-Wirtschaft verschläft ein strategisch wichtiges Wachstumsfeld.“

Dabei gibt es ein paar wenige, aber sehr zielführende Maßnahmen, um gerade die Zielgruppe der Migranten anzusprechen und für sich zu gewinnen. Lesen Sie mehr dazu in der Februar-Ausgabe von food-service.

www.peckert.de
www.franchiseverband.com


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