Starbucks macht Ray Charles zum Chartstürmer

Die amerikanische Kaffeebar-Kette verblüfft die Musikindustrie - und zeigt, wie nahe Kaffee- und Musikgeschmack beieinander liegen können. Das demonstrieren die Verkäufe des aktuellen Ray-Charles-Albums ’Genius Loves Company’ in den USA: Rd. 42.000 der 202.000 verkauften CDs gehen auf das Konto von Kunden der 4.000 amerikanischen Starbucks-Filialen. Oder verkürzt gesagt: Kaffeetrinker haben einen Anteil von über 20 % am Erfolg des posthum erschienenen Duette-Albums. Das Werk der kürzlich verstorbenen Musiklegende schnellte auf Platz 2 der amerikanischen Bill-board-Charts - die höchste Platzierung für Charles seit 41 Jahren. Das ist nicht nur ein enormer Anteil für einen einzigen Vertriebskanal. Zumal Starbucks für die CD rd. 17 Dollar verlangt, während man beispielweise beim Internetanbieter Amazon nur 13,49 Dollar bezahlt. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass Musik lediglich zu den Nebenschauplätzen der US-Kette zählt. An sich ist das Geschäftsfeld nichts Neues, allerdings konzentrierte sich das Kaffeebar-System bisher auf Zwei- und Drittverwertungen von Katalogmaterial. Mit dem Charles-Album bietet es erstmals eine Neuveröffentlichung zum Kauf an - eine Gemeinschaftsproduktion des hauseigenen Label ’Hear Music’ und des Charles-Musiklabels ’Concord Records’. Musik gilt in der Starbucks-Philosophie als wichtiger Teil des Ambientes. Den Erfolg des Albums erklärt man sich vor allem durch die Alterstruktur seiner Kunden: wenige Teenager, ein entsprechend reiferer Musikgeschmack. Für die Musikindustrie, die schon seit Jahren mit schrumpfenden CD-Absätzen kämpft, dürfte sich die Kaffeebar-Kette nun als ernsthafter Mitbewerber präsentieren. Besonders wenn man bedenkt, dass Hear Music im Herbst einen eigenen Radiokanal starten will. Hier ein bisschen Musik, dort ein bisschen mehr Food: In zunächst 1.800 Cafés will Starbucks demnächst verstärkt Snacks wie Sandwiches und Salate anbieten. Neben der aggressiven Lunch-und-Sandwich-Offensive gehört ein kontinuierliches Wachstum zu den aktuellen Plänen des Unternehmens. Das weltweite Filialnetz von derzeit 8.525 soll im nächsten Geschäftsjahr um 1.300 Neueröffnungen wachsen. Im dritten Quartal ’04 erzielte Starbucks einen Nettogewinn von 98,1 Mio. Dollar, der Umsatz stieg um 27 % auf 1,32 Mrd. Dollar. www.starbucks.com

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