Eataly

Startklar in der Münchener Schrannenhalle

Drei Tage vor der offiziellen Eröffnung am 26. November durfte die Medienwelt das jüngste Eataly in München in Augenschein nehmen. Fristgerecht fertiggestellt in beeindruckendem Umbautempo nach dem Auszug der bisherigen Mieter in diesem Frühjahr - investiert wurden rd. 15 Mio. €. Auf rd. 4.500 qm Gesamtfläche präsentiert sich nun in der Schrannenhalle der erste europäische Ableger des spektakulären, von Oscar Farinetti erdachten und erstmals 2007 in Turin umgesetzten kulinarischen Mischkonzeptes unter dem Motto 'Eat. Shop. Learn!' - mittlerweile gibt es weltweit 27 Eatalys, davon 17 in Italien.

 

Die historische Schrannenhalle wie die bayerische Metropole als "nördlichste Großstadt Italiens" seien ideal für das Format, betonte Luca Baffigo, CEO Eataly Group und gemeinsam mit Nicola Farinetti, dem jüngsten Sohn des Gründers, verantwortlich für die internationale Expansion der Marke. Eine Wunschkonstellation für Mieter und Vermieter, unterstreicht auch Hans Hammer, Inhaber der Immobilie. Und es ist bemerkenswert, wie souverän es Eataly-Architekt Carlo Piglione gelang, den Charme der bislang eher glücklosen Location, in der zuletzt auch ein Profi wie Käfer auf keinen grünen Zweig kam, grandios zum Leuchten zu bringen.

 

Dabei hilft natürlich auch der in sich geschlossene Designauftritt des nunmehr einzigen Mieters der Schrannenhalle, der Marktzonen, diverse Produktionsstationen und Gastronomiebereiche optisch zusammenhält - urban, natürlich, zwanglos, ohne aufgesetzte Folkloristik. Italienischen Flair vermitteln in allererster Linie die Produkte und auffallend motivierte Mitarbeiter, rd. 220 sind es an der Zahl.

 

Wie gewohnt, präsentiert sich das Eataly, in München geführt von Alexander Baermann, als sprühende, opulente Inszenierung von Handwerklichkeit und Frische all'italiana. Ob Panetteria, Pasta-Bar oder Mozzarella-Station, Pizzeria oder Gelateria: In neun Schauküchen wird vor den Augen der Kunden gewerkelt, geknetet, belegt, gefüllt. Insgesamt haben Gäste die Wahl zwischen sechs Frischetheken: Pasta Fresca, Il Tartufo, Salumi e Formaggi, Mozzarella, Macelleria und Panetteria, teils sind hier Verzehrsmöglichkeiten direkt angegliedert.

 

Daneben wartet das Eataly mit vier größeren, locker ins Ambiente integrierten gastronomischen (Sitz-)Bereichen auf: Pizza- (in Kooperation mit Rossopomodoro) und Pasta-Restaurant, Carne e Verdure, eine Lounge-Zone mit Gran Café Illy, Nutella Café, Gelateria und Pasticceria (in Kooperation mit Venchi) sowie dem von Spitzenkoch Lucio Pompili geführten 80-Plätze-Restaurant Adriatico auf einem der beiden Mezzanine - der zweite soll für Events genutzt werden. Macht insgesamt rd. 400 Innenplätze, ab dem Frühjahr wird zusätzlich die rückwärtige Terrasse aktiviert. Mitsamt der großen zentralen Bar-Insel stehen 16 gastronomische Anlaufplätze zur Verfügung.

Laut Baffigo rechnet man hier mit einer 50:50 Umsatzkonstellation zwischen Foodservice und Retail. Kleiner Wermutstropfen für die Italiener: Die Ladenschlussregeln in Bayern begrenzen die Öffnungszeiten des eigentlichen Marktes auf 20 Uhr. Damit die Münchner auch danach noch (bis 23 Uhr) in den Genuss des gastronomischen Angebotes in der Schrannenhalle kommen, musste das Layout strikter als sonst in Einzelhandels- und Gastro-Flächen unterteilt werden, berichtet Piglione. "Eine Überraschung für uns war, dass in Bayern sonntags überhaupt kein Einzelhandel zulässig ist."

 

Ergänzend zu den Bedientheken steht ein 10.000 Positionen umfassendes Retail-Sortiment ganz überwiegend italienischer Spezialitäten bereit, aus der Kühlung oder Trockenware, frisches Obst und Gemüse (Partner ist der örtliche Grosshändler Gerhard Gessler), außerdem ein kleines Nonfood-Angebot (Kochbücher, ausgewählte Küchenutensilien, Naturkosmetik). Als 'Extra' und Hommage an die Stadt der Mobilität sodann: ein Fahrradshop der italienischen Top-Marke Bianchi.

 

Im Basement schließlich ist viel Platz für das umfangreiche Wein- und Bierangebot, eine Schokoladenbar sowie die kleine feine Kochschule für bis zu 30 Teilnehmer. Auch in München will Eataly mit einem teils kostenlosen Kursprogramm zum kulinarischen Lernen ermuntern, die ersten Kurse starten bereits Ende November.

 

Die Protagonisten erwarten mit Spannung die Resonanz des Münchener Publikums. Wenn alles gut geht, werden im ersten Jahr rd. 18 Mio. € Umsatz in der Kasse liegen; bei etwa 15 Mio. € wäre der Break Even erreicht, so Urs Bischof. Der Geschäftsführer von Le Buffet (Karstadt) arbeitet im Rahmen des 55:45 Joint Ventures 'Eataly Distribution Deutschland' zwischen Eataly Distribuzione und Karstadt-Eigner Signa Retail eng mit dem Eataly Management in München zusammen.

 

"Wir übernehmen dabei Dinge wie Human Resources, Hygiene, Finanzen und Controlling", erläutert Bischof. "Aber auch die weitere Standort-Exploration. Die Hoheit für alle konzeptrelevanten Aspekte von Ware bis Vermarktung liegt bei Eataly." Zu den weiteren Plänen in Deutschland und Österreich möchten Baffigo und Bischof aktuell noch keine konkreten Angaben machen, vorerst gilt es den Piloten in München nachhaltig auf Erfolgsspur zu haben.

 

Derweil geht es auf internationalem Terrain mit Tempo voran. Allein im nächsten Jahr stehen Eröffnungen in Kopenhagen, Moskau, Boston und ein zweiter Standort in New York an - das dortige Eataly liegt nach wie vor bei sensationellen 80 Mio. $ Umsatz und ist damit Spitzenreiter innerhalb der Gruppe, noch vor dem Flächen-Flaggschiff in Rom. Insgesamt werden für die Eatalys weltweit (darunter auch Locations in Dubai, Istanbul, Sao Paulo, Japan und Seoul) rd. 300 Mio. € Umsatz genannt.

 

www.eataly.it

www.signa.at

 


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