Steigenberger vor dem Verkauf?

Offenbar sind derzeit Verkaufsverhandlungen über die Frankfurter Steigenberger Hotels AG in vollem Gange. Die deutsche Hotellandschaft ist in Bewegung. Angesichts der aktuellen Krisenstimmung haben Akquisitionen und Übernahmen Hochkonjunktur. Nachdem der französische Accor-Konzern bei Dorint eingestiegen ist, scheint nun auch das Traditionsunternehmen Steigenberger zum Verkauf zu stehen. Bereits Anfang November berichtete die London Times, dass die Londoner Investmentbanker JP Morgan mit der Suche nach einem Käufer für die Betriebsgesellschaft beauftragt seien. Als Preisvorstellungen wurden ein Wert zwischen 150 Mio. und 200 Mio. Pfund genannt. Was ist los in dem über 70-jährigen Familienbetrieb, deren Hauptaktionärinnen stets beteuerten, das Unternehmen nicht veräußern zu wollen? Es mehren sich die Gerüchte, dass Anne-Marie Steigenberger und ihre Töchter Christine Steigenberger-Woeller, Bettina Steigenberger und Claudia Steigenberger-Loulakis, die rund 99 Prozent der Aktien halten, nach einem Käufer für die Hotelbetriebsgesellschaft Ausschau halten. Als potenzielle Kandidaten werden neben Hilton Marriott und Starwood genannt. Schon wurden in den Steigenberger-Betrieben Interessenten ausgemacht, die die Häuser der Frankfurter Gruppe bei Hotelbesichtigungen genau unter die Lupe nehmen. "Marriott ist an Steigenberger interessiert. Wir haben uns einige Häuser angesehen, noch gibt es allerdings nichts Konkretes", erklärte Peter Steger, Vice President bei Marriott International in Eschborn. Auf Nachfrage der NGZ-Der Hotelier hat Vorstandssprecher Karl Anton Schattmaier die Verkaufsgerüchte ins Reich der Spekulationen verwiesen: "Wir haben zur Kenntnis genommen, dass in der Presse über angebliche Absichten berichtet wird, die Steigenberger Gruppe zu veräußern oder Dritten eine Beteiligung zu ermöglichen. Derartige Gerüchte hat es auch in der Vergangenheit gelegentlich gegeben. Wir haben es stets abgelehnt, zu solchen Spekulationen Stellung zu nehmen. Dabei bleiben wir weiterhin." Fakt ist, die Turbulenzen im Markt heizen die Gerüchteküche an. Solange Deals nicht in trockenen Tüchern sind, werden so schnell keine eindeutigen Stellungnahmen zu erhalten sein. Immer wieder werden deutsche Hotelgesellschaften als Übernahmekandidaten gehandelt. Dass es deshalb nicht gleich zu Verträgen kommen muss, hat die Vergangenheit gezeigt. Die Reihe der Deals in jüngster Vergangenheit, wie Accor-Rema Hotels, NH Hoteles-Astron, Accor-Dorint, zeigt allerdings, dass sich die Situation zuspitzt und mit allem gerechnet werden muss. Wenn der Preis stimmt, bleibt selbst ein so alteingesessener Markennahme wie Steigenberger nicht davor gefeit. Sollte es allerdings tatsächlich zum Verkauf kommen und eine Marke wie Steigenberger vom Markt verschwinden, wird die deutsche Hotellerie einen herben Verlust verkraften müssen.




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