Buchtipp

’Tisch 17 is’n Arsch!’ - Berichte von der Gästefront

Irmin Burdekat hat’s nochmal getan: Nach ’Hast Du mal die Kanuschlüssel?’ liegt jetzt pünktlich zur Frankfurter Buchmesse das jüngste literarische Werk des erfolgreichen Systemgastronomen vor (Alex, Café & BarCelona). ’Tisch 17 is’n Arsch! Geständnisse eines Gastwirts’, so der verheißungsvoll respektlose Titel.

Das klingt nach kurzweiliger Lektüre – womit zu rechnen war, schließlich ist der Autor einer, der auch im wirklichen Leben nur ungern ein Blatt vor den Mund nimmt. Und schürt die Neugier auf ansonsten nur Insidern vorbehaltene aufschlussreiche Einblicke in die komplexe, nicht immer störungsfreie Beziehung zwischen Gastgeber und Gast.

In locker-flockigem Erzählton, aber durchaus mit Biss geschrieben, führen die 288 Seiten des um historisches Bildmaterial angereicherten autobiografischen Werks den Leser kapitelweise durch die Etappen eines buntschillernden gastronomischen Werdegangs, der von der Pieke auf mit einem Posten als Hotelpage begann. Die weiteren Stationen (Auswahl): Direktor eines Insel-Hotels. Chef einer Autobahn-Raststätte. Regionalgeschäftsführer bei ’Weinkrüger’, Betreiber einer Live-Musik-Kneipe in Berlin. Dann die ganz großen Nummern: die Kneipen-Kette Alex, später an den britischen Bass-Konzern (heute Mitchells & Butlers) verkauft, gefolgt von der Freizeit-Formel Café & BarCelona.

Aus dem Nähkästchen Geplaudertes paart sich mit ironisch verpackten Kommentaren. Eine Prise Kollegenschelte gehört ebenso dazu wie augenzwinkernder Gästetadel.

Memoiren nach dem Vorbild des guten alten Bildungsromans: Der Autor lässt uns aus seiner Wirte-Perspektive teilhaben an Stolpersteinen, Karrieresprüngen und mancherlei Lernschritten in Sachen Umgang mit Gästen und Kollegen. Mit einem Wort: ein unterhaltsamer Grundkurs zum Thema Erfolg in der Gastronomie. Das macht die Neuerscheinung lesenswert für Fachleute ebenso wie jedermann, der sich als Gast für den Blick hinter die Kulissen des gastronomischen Alltags interessiert.

Als Amuse-Gueule hier eine Leseprobe (Kontext: die Zeit bei Weinkrüger, damals im Besitz des britischen Tabak-Konzerns BAT):

„Der Oberschlaumeier der Firma hatte herausgefunden, dass viele Gäste die Garnitur neben ihrem Essen nicht mitaßen. Das war in der Regel ein Salatblatt mit einem Tomatenstückchen. Gedacht, um etwas mehr Farbe auf den Teller zu bringen, Frische und vor allem Liebe. Man dekoriert ein Essen, weil jeder Dussel weiß: 'Das Auge isst mit!' Der Schlaumeier rechnete uns vor, dass wir, wenn wir in allen 25 Filialen ein Jahr lang die Garnitur weglassen, mindestens 55.000 DM sparen – verkündet, beschlossen und durchgesetzt! Unsere Gäste waren aber nicht die vereinigten Blindenvereine Deutschlands, sondern normale Leute. Und die quittierten diese Lieblosigkeit mit Liebesentzug. Das nannte sich dann Umsatzrückgang. Auf sowas können nur Buchhalterseelen kommen! Und wer solchen Leuten ein Gastronomieunternehmen in die Hände gibt, hat selber Schuld.“

Und gleich noch eine, diesmal nimmt der Autor die Gäste aufs Korn:

„Jeder Wirt, der in seinem Leben schon mal ein Steak verkauft hat, kennt die Weltanschauungsskala zu diesem Thema: blutig, englisch, medium, well done und so weiter. Wie man da von seinen Gästen geknechtet wird, ist allein schon ein Fall für die Menschenrechtskommission. Denn auch Fleisch ist kein Produkt vom Fließband. (Jedenfalls nicht Rindfleisch. Bei Geflügel bin ich mir da mittlerweile nicht mehr so sicher.) Was macht man aber mit einem Gast, der 'radium' bestellt? Verbessern? Lieber nicht. Ich habe es versucht. Antwort: 'Erzählen Sie mir nicht, wie ich mein Steak essen soll. Ich will es radium, so esse ich es immer!' "

'Tisch 17 is’n Arsch' ist soeben im TPK-Verlag Bielefeld erschienen und für 24,80 € im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-936359-58-9). Darüber hinaus liegen eine E-Book- sowie eine vom Autor selbst gelesene Hörbuch-Version vor (515 Minuten, ISBN 978-3-936359-60-2).

http://tisch17isnarsch.de



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