2016

Top 100 Gastro-Unternehmen mit 2,8 % Umsatzplus

Deutschlands 100 führende Gastronomen (ohne Hotellerie) stehen 2016 für 12,9911 Mrd. € Nettoumsatz, der in knapp 19.000 Betrieben erwirtschaftet wurde. Dieses Fazit zieht die Wirtschaftsfachzeitschrift food-service (dfv Mediengruppe) in ihrer aktuellen und exklusiven Branchenerhebung.

Damit haben die Top 100 der Foodservice-Welt ein Umsatzplus von 2,8 % (bei 1,5 % Flächenexpansion) erzielt – draufgesattelt auf das Niveau vom Spitzenjahrgang 2015 mit 4,9 % Mehrerlösen. Eine gute Branchen-Konjunktur mit Wachstums-Bestnoten fürs 1. Quartal des Jahres – bei ausgeprägter Spreizung der Firmenkonjunkturen.

McDonald’s und Burger King erobern nach Minus-Zeiten Mitte der Dekade erneut gemeinsam geschätzt 90 Mio. € Marktvolumen zurück, größtes relatives Plus für Coffee Fellows mit über 70 % Wachstum. Sehr gutes Konsumklima, entspannte Beschaffungsmärkte sowie schöne Plus-Zahlen bei den Durchschnittsbons definieren den Hintergrund dieser jüngsten Top 100-Daten.

Das Ranking führen wie in vielen Vorjahren McDonald’s, Burger King und LSG vor Tank & Rast sowie Nordsee an. Minimale Rang-Verschiebungen unter den Top 10, deren Umsätze seit 2006 um knapp 22 % gestiegen sind. Global distribuierte Restaurant-Marken mit gelernten, etablierten Sortimenten herrschen hier vor.

Vom Wachstum der Top 100 entfällt in absoluten Zahlen der größte Brocken auf McDonald’s (geschätzt + 55,0 Mio. €), es folgen Burger King (geschätzt + 35,0 Mio. €) sowie der Markt- und Ranking-Neuling Peter Pane (+ 31,2 Mio. €). Bei den relativen Gewinnern der Liste führt Coffee Fellows (+ 71,6 %), gefolgt von L’Osteria (+ 31,0 %) sowie dean&david (+ 27,8 %).

Mit 7,1 % gelang dem Fullservice-Sektor der größte Sprung nach vorne. Doch das ist in der Historie des Rankings eher untypisch. Diese Mehrerlöse resultieren praktisch ausschließlich von den beiden expansionsstarken, jungen Fast-Casual-Ketten L’Osteria (Pizza) sowie Peter Pane (Gourmet Burger & Cocktails).

Die alles überragende Kategorie Quickservice konnte sich mit + 3,3 % leicht überdurchschnittlich entwickeln. Ganz klar, dass die Hebelwirkung der zwei US-Marken McDonald’s und Burger King mit zusammen über 4 Mrd. € Volumen bei knapp 2.200 Restaurants gewaltig ist. Die Schätzwerte für ihre Entwicklung im letzten Jahr: McDonald’s + 1,8 % sowie Burger King + 4,0 %.

Ja, gut drei Viertel der Erlöse der Branchenvorderen gehören den zwei großen Kategorien Quickservice- und Verkehrsgastronomie – das typische Bild für hoch industrialisierte Länder mit mobiler Bevölkerung, die sich immer zeitgestresster fühlt und entsprechend konsumiert. Entgrenzte Essenszeiten, dieser Trend wird immer stärker.

Zum Grundrauschen des Jahres im Top 100-Feld gehörten zwei große Deals:
  • Joey’s Pizza, der deutsche Delivery-Marktführer, veräußerte an Domino’s und damit an die globale Nummer 1 in dieser Disziplin. Käufer war das größte, börsennotierte Franchise-Unternehmen des Systems mit Sitz in Australien. Die Pioniermarke Joey’s, 1988 von Carsten Gerlach gegründet, ist jetzt eingemottet. Umbranding von über 200 Stores in Rekordzeit.
  • Der polnische Multi-Konzept-Player AmRest kaufte Starbucks Deutschland (über 140 Coffee Houses). Er wird damit in Europa zum zweitstärksten Lizenzpartner für das weltweit distribuierte Konzept aus dem amerikanischen Seattle.

Generell darf man sagen, dass Deutschland zurzeit von ausländischen Gastro-Investoren als äußerst attraktiver Zukunftsmarkt wahrgenommen wird.

Zu den heiß gehandelten Branchenthemen gehört 2016/17 das starke Wachstum im Liefergeschäft – getrieben durch digitale Bestell-Plattformen, die auch Logistik in die Hand nehmen (z.B. Deliveroo, Foodora). Ihre Dienstleistung bedeutet für urbane Verbraucher Vereinfachung des Lebens. Für die Gastronomie impliziert sie neue, zeitgeistige Chancen. Wohlgemerkt, damit schieben sich Dritte ins Wertschöpfungsgefüge und verlangen einen hohen Preis. Experimentiert und getestet wird im kompletten Spektrum vom reinen Spezialitäten-Restaurant bis Weltmarktführer.

Stichwort Trend: Zu den plakativen Trend-Sortimenten gehören aktuell Gourmet Burger & Premium-Fleisch, heiße Bakery-Snacks, vegetarische (und vegane) Rezepturen für jedermann sowie Sushi in allen Preisklassen. Was den Namen Pizza trägt, wächst weiter überdurchschnittlich. Analoges gilt für Kaffee-Spezialitäten wie auch Craft Beer. Qualität ist gegenwärtig der Muss-Faktor schlechthin. Will heißen, besser vor billig. Auch darf Qualität durchaus mehr kosten, ein positives Moment des gegenwärtigen Wohlstandes. Dabei gilt: Mainstream-Sortimente haben in modernisierter Version weitere Wachstumschancen – eine zentrale Botschaft der Top 100. Denn in der Konsumbiographie der Bevölkerungsmehrheit überwiegt die Treue zu gelernten Produkten. Das macht ihre Nachfrage so nachhaltig.

Ausblick 2017
Die Erwartungen der Befragten an das laufende Jahr sind geprägt von guten bis exzellenten volkswirtschaftlichen Prognosen trotz großer Krisen. Im Januar glaubten fast 80 % der Top 100-Unternehmen an weiter wachsende Erlöse und rund 70 % an erneut steigende Werte bei den Durchschnittsbons. Unumstritten die größten Herausforderungen: Mitarbeiterbeschaffung, Personalkosten sowie Führung & Motivation – klassisch für Dienstleistungsbranchen. Digitalisierung wird ebenfalls als große Challenge wahrgenommen.

Die besten Wachstumschancen bekommt erstmals Home-Delivery attestiert, gefolgt von Take-away/Snacks-to-go.

Beim Ranking der größten Gastronomen Deutschlands handelt es sich um eine Zusammenstellung der Wirtschaftsfachzeitschrift food-service (dfv Mediengruppe, Frankfurt am Main). Die ganzheitliche Analyse erscheint in der April-Ausgabe des Fachmediums, die wichtigsten Zahlen wurden heute von Herausgeberin Gretel Weiß beim 36. Internationalen Foodservice-Forum in Hamburg präsentiert.

Das Zahlen-Booklet ist ab Morgen im Café Future.live (Internorga – Eingang Foyer Ost) erhältlich – oder unter juliane.schaper@dfv.de bestellbar (24 €).


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