Call a Pizza

Von pizza.de zu Lieferando


Thomas Wilde, Geschäftsführer des Pizza-Lieferdienstes Call a Pizza, ist sauer: Seit dem 20. März sind die 99 Standorte seiner Marke nicht mehr auf dem Delivery-Portal pizza.de gelistet. Grund: „Man hat uns erpresst, wollte die Gebühren massiv anheben. Dabei hatten wir gültige Verträge. pizza.de hat den Bogen überspannt.“ Mit dem Konkurrenz-Portal Lieferando habe er sich dagegen auf vernünftige Konditionen einigen können, die für ihn und seine Franchisenehmer tragbar seien.

Es könne nicht sein, dass der Franchisegeber 5 % der Netto-Erlöse eines Betriebs erhalte, der operative Partner 10-20 % verdiene und die Online-Portale als reine Dienstleister 15-20 % vom Brutto-Umsatz abschöpften, schimpft Thomas Wilde. Für ihn gab es deshalb nur eine Konsequenz: Er hat die Zusammenarbeit mit pizza.de, einst erstes Online-Lieferportal im deutschen Markt, vorerst beendet. Auch die Homepage, das Intranet und die e-Mail-Accounts von Call a Pizza, die bisher von der pizza.de-Mutter Asco betreut wurden, liegen nun bei anderen Providern.

Pizza.de bestätigt, dass die Kooperation mit Call a Pizza zurzeit pausiert, „weil sich beide Seiten bislang nicht einvernehmlich auf vertragliche Konditionen einigen konnten. Dies ist im Geschäftsleben zunächst einmal ein völlig normaler Vorgang“, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Vorgeschichte: Seit Jahren liefern sich verschiedene Delivery-Plattformen im deutschen Markt – darunter pizza.de, Lieferheld und Lieferando - einen harten Wettbewerb. Im August 2014 dann übernahm Lieferheld den Marktführer pizza.de und zahlte dafür dem Vernehmen nach 280 Mio. €. „Wir haben mit pizza.de und Asco bis dahin sehr gut zusammengearbeitet“, berichtet Thomas Wilde. „Pro Bestellung – egal in welcher Höhe – fiel eine Provision von 36 Cent an. Nach der Übernahme durch Lieferheld erklärte mir der neue Geschäftsführer, dieser Betrag sei nicht kostendeckend und wollte stattdessen einen Anteil von 10,5 % vom Umsatz. Wohlgemerkt: vom Brutto-Betrag! Bei einem durchschnittlichen Bestellwert von 18 € - der übrigens im Zuge der durch den Mindestlohn notwendig gewordenen Preiserhöhungen in den vergangenen Wochen eine deutliche Tendenz nach oben zeigt!“

Im Schnitt wären so also rund 1,90 € und mehr an Gebühren pro Bestellung fällig. "Das wäre für unser System eine Mehrbelastung von etwa 2,5 Mio. € im Jahr – und das in ohnehin schwierigen Zeiten, in denen dank Mindestlohn und Co. meine Franchisepartner wieder 60-70 Stunden pro Woche gefordert sind“, unterstreicht Wilde. Das will der Unternehmer nicht hinnehmen. Zwar zahlten kleine Einzelbetriebe für die Vermittlungs-Dienstleistung von pizza.de sogar 15 % und mehr – „aber für die ist das auch das komplette Marketing-Budget, sie betreiben keine Websites und bekleben keine Busse mit ihrer Werbung.“

Schließlich habe Call a Pizza die Gebühr auf 4,9 % reduzieren können. „Aber das ist immer noch nicht wirtschaftlich für uns. Außerdem sollte diese Summe nur für eine kurze Testphase gelten“, erklärt Wilde. David Rodriguez, CEO von pizza.de, hält die geforderten Summen dagegen für gerechtfertigt: „Wir haben Herrn Wilde unterschiedliche Provisionsmodelle angeboten, die er allesamt abgelehnt hat. Der ihm angebotene prozentuale Provisionssatz liegt im einstelligen Bereich, also deutlich niedriger als übliche Provisionssätze in unserer Branche. Alternativ wurde Herrn Wilde auch ein äußerst fairer Festbetrag pro Bestellung angeboten, bei dem sich die Frage nach Brutto- oder Nettobestellwert gar nicht gestellt hätte. Auch dieser fixe Provisionssatz lag deutlich niedriger als vergleichbare Bezugsgrößen der Branche.“

Während der Dauer der Verhandlungen wurde Call a Pizza in den Suchergebnislisten von pizza.de immer weiter heruntergestuft und auch aus den Bewertungs-Ranglisten herausgenommen, laut Wilde, um Druck auszuüben. Rodriguez begründet die Herabstufung dagegen mit hohen fünfstelligen Schulden Wildes bei pizza.de, die dieser „monatelang nicht bezahlte und unsere Zahlungsaufforderungen allesamt ignorierte.“ Wilde bezeichnet diese Forderungen jedoch als strittig.

Stattdessen zog Call a Pizza alle Daten, darunter die Homepage, das Intranet und die e-Mail-Domains der Marke von Asco und pizza.de ab und engagierte neue Provider. „Gleichzeitig konnten wir sehr gute Konditionen beim Konkurrenten Lieferando erzielen, die nah an dem sind, was wir früher bei pizza.de bezahlt haben“, freut sich Wilde. Auf lieferando.de erscheint Call a Pizza bei Suchanfragen nun an einer Top-Position.

Auf pizza.de taucht die Marke dagegen seit Mitte März in den Suchergebnissen nicht mehr auf. Auswirkungen? „Das erste Wochenende war hart, da lagen die Online-Umsätze sicher 20 % unter dem Normalen. Aber schon nach einer Woche hat sich das völlig reguliert. Ein Grund dürfte gewesen sein, dass wir unsere 400.000 Online-Kunden angeschrieben und sie gebeten haben, in Zukunft auf unserer eigenen Website zu bestellen. Das hat offensichtlich funktioniert. Dabei hatte pizza.de mir mit angeblich zu erwartenden Umsatzeinbrüchen von 50 % gedroht“, resümiert Wilde. „Ich bin froh, dass wir den harten Schnitt gemacht haben und uns nicht weiter erpressen lassen. Meine Franchisepartner stehen hinter mir!“

www.callapizza.de
www.pizza.de
www.lieferando.de


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