Vapiano

WamS-Attacke drängt Fast Casual-Kette in die Defensive

Dass nicht nur Politiker, Fußballer und ihre Trainer ein vorzügliches Sujet für Satiriker abgeben, wissen wir spätestens seit der Ende März erschienenen Stern.de-Kolumne des scharfzüngigen, durchaus zur Selbstironie fähigen Komikers Micky Beisenherz („In Castrop-Rauxel bin ich ein Weltstar“), in der er die Pasta- und Pizza-Kette Vapiano als „Pastavorhölle“ aufs Eloquenteste vorführt. In einer folgenden, weit weniger beachteten Kolumne übrigens verwahrt sich Beisenherz in komischer Verzweiflung gegen die Geister, die er rief.

Dass sich mit gastronomischen Themen erkleckliche Einschaltquoten und Klickzahlen erzielen lassen, ist ebenfalls nichts Neues – gerade Negativ-Nachrichten aus dieser Branche wecken verständlicherweise das Interesse der Verbraucher, geht es doch um ein Thema, das ihren Alltag unmittelbar berührt. So hoch schlugen die Wogen in den Social Media selten wie nach den Wallraff-Enthüllungen über Burger King bzw. den Multi-Franchisenehmer Yi-Ko im vergangenen Jahr.

Nun ist also Vapiano ins Fadenkreuz der Publikumsmedien geraten. Am vergangenen Sonntag widmete die WamS der Marke in ähnlicher Enthüllungsmanier einen kritischen Bericht, der im Netz rasch Resonanz fand – wenngleich die aufs Korn genommenen Um- und Zustände in Sachen Brisanz mit dem Vorbild Wallraff nicht wirklich mithalten können.

So wurden der Kette unter Berufung auf gehäufte Beschwerden von Kunden und Mitarbeitern (vornehmlich in Berlin) unter anderem eine schlechte Essensqualität und „chaotische Arbeitsbedingungen“ attestiert. Gleichzeitig komme man auf bestehenden Flächen nur noch langsam voran, habe mehrere Franchisebetriebe auf internationalem Terrain schließen müssen und die Fluktuation im Management sei exorbitant. Überdies seien zentrale Führungspositionen für die Betreuung von Azubis in der Verwaltung gestrichen worden.

Für die WamS fügen sich diese und weitere Befunde zu einer diskussionswürdigen Schlussfolgerung zusammen, die da lautet: „Vapiano (…) stößt an Grenzen.“

Derart unter Beschuss genommen, lieferte der Versuch von Vapiano, im Vorfeld Kontrolle über die Recherchen der WamS-Redaktion zu gewinnen, neuen Zündstoff. Dass Medienanwälte eingeschaltet wurden, um den Vorgang zu begleiten und sicher zu stellen, dass die Recherche auch fair abläuft, wirft in den Augen der Internet-Community per se ein schlechtes Licht auf das Unternehmen.

In einer offiziellen Verlautbarung hat Vapiano den WamS-Artikel zurückgewiesen und diverse Aussagen zurechtgerückt: „Das Unternehmen ist im vergangenen Jahr um 9,3 % gewachsen, international sogar um 15,6 %, und trotz umfassender Investitionen – auch in Personal, Mitarbeitertrainings und Innovationen – profitabel.“ Der Feststellung des WamS-Artikels, zwei große Franchisenehmer hätten das System in letzter Zeit verlassen, „weil sie nicht mehr an das Konzept glaubten“, hält CEO Gregor Gerlach entgegen, die Nachfrage unter potenziellen Franchisenehmern sei weiterhin groß. „50 Anfragen monatlich gehen bei Vapiano ein. Die bestehenden Franchisepartner benoten Vapiano im Durchschnitt mit einer guten Note 2.“

Ausführlich wird Stellung genommen zu der "unterschwelligen Unterstellung", Vapiano habe mittels der Hinzuziehung einer Anwaltskanzlei Druck gegenüber der Zeitung ausüben wollen.

Gerlach kommentiert: „Wir sind offenbar so bekannt und relevant geworden, dass bei uns nach Baustellen gesucht wird. Das ist auch in Ordnung. Es stößt bei uns aber auf Unverständnis, wenn allein auf Baustellen, die jedes Unternehmen hat, fokussiert wird und diese dann zu einer vermeintlichen Krise aufgebauscht werden.“

Was nicht hindert, dass im Internet jetzt Schlagzeilen kursieren wie: Das Franchiseunternehmen hat einige Probleme mit dem Ruf.

Botschaften, die so plakativ wie tendenziell ungut für die Marke sind. Doch vor der Eigendynamik des Mediums Internet ist niemand gefeit, das zeigt auch der aktuelle Fall Vapiano.

www.vapiano.de

www.welt.de

www.tz.de

www.stern.de

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