Wienerwald am Ende

Turnaround misslungen: Die Wienerwald AG, München, hat Ende letzter Woche die Insolvenz beantragt. Man führt das endgültige Scheitern auf die konjunkturelle Entwicklung und die Folgen der Geflügelpest zurück. Der Umsatz, schon letzten Jahr - auch bedingt durch massiven Standortabbau - stark rückläufig, sei weiter zurückgegangen. Für 2002 hatte die Wienerwald-Zentrale System-Umsätze von 44,3 Mio. Euro netto gemeldet, davon entfielen 25,2 Mio. Euro auf 39 Eigenregiebetriebe - von insgesamt 78 Outlets. Der Geschäftsbetrieb in Deutschland wird unter dem vorläufigen Insolvenzverwalter mit dem derzeitigen Management fortgeführt, man hofft auf den Erhalt des Unternehmens und der Marke Wienerwald. Die Wienerwald-Gesellschaften in Deutschland und Österreich waren Anfang 2001 von der Düsseldorfer Investorengruppe Altacon von der Bank Austria Creditanstalt, Wien, übernommen worden. Schon im vergangenen Jahr hatte man sich von den noch bestehenden 23 Betrieben in Österreich getrennt. Jetzt fehlte offensichtlich der Spielraum, um einen grundlegenden Relaunch zu bewerkstelligen. In den 50er Jahren von Friedrich Jahn gegründet, war Wienerwald während der Wirtschaftswunder-Ära das deutsche Gastronomiesystem schlechthin. Phänomenales Wachstum und internationale Expansion ließen das unternehmerische Imperium des 1998 verstorbenen Hendl-Pioniers auf 700 Restaurants in Deutschland und Österreich sowie 900 in USA wachsen, zu seinen Glanzzeiten zählte der allzu rasch gewachsene Konzern 27.000 Mitarbeiter. Nach dem Zusammenbruch Anfang der 80er blieb der Wienerwald chronisch lädiert. Es folgten diverse Besitzerwechsel, inklusive Rückkauf durch Jahn und baldige Wiederveräußerung, Sanierungsversuche und stetiger Substanzverlust der einst so vitalen Marke.



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