Heilbronn

Wissenschaft trifft Wirtschaft trifft Führungsnachwuchs

Bei der sechsten Auflage des Heilbronn Hospitality Symposiums haben sich die Teilnehmer zwei Tage lang intensiv ausgetauscht. Das Motto des diesjährigen Treffens lautete ‘System trifft Individualität – wer kann von wem profitieren und lernen‘. Eine Kombination aus Vorträgen und Diskussionsrunden führten die 350 Teilnehmer durch denkbare Aktionsfelder im Spannungsfeld zwischen Individualität und System. Ein besonderes Highlight war der Bewerbungsmappen-Check mit einer professionellen Trainerin.

Die Keynote-Speakerin Jasmin Tailor von JT Touristik erläuterte, was eine einzigartige Marke ausmacht und wie sie selbst zur ‘Livingbrand‘ geworden ist. Als größte Reiseveranstalterin im Segment Dynamic Packaging hat sie dies nicht dem Zufall überlassen. Die Markenausrichtung und der Fokus auf die Zielgruppe der Frauen, die sie als Entscheiderinnen in allen Lebenslagen herausstellte, gibt der Unternehmerin heute recht.

Das Spannungsfeld zwischen individueller Persönlichkeit und tatsächlichem Kaufverhalten konnte in einer kleinen Übung veranschaulicht werden. Nahezu alle Teilnehmer prognostizierten eine wachsende Nachfrage nach individuellen Produkten und Dienstleistungen. Im Gegensatz dazu nutzen nur sehr wenige durchgehend individuelle Produkte und Dienstleitungen in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel.

Die anschließende Diskussion moderierte Prof. Dr. Markus Zeller der Hochschule Heilbronn. Das Thema: Grenzen der Individualität. Systemgastronomie und Kettenhotellerie werden auch in der Zukunft wachsen, darüber waren sich alle einig. Allgemein formuliert ist die Grenze der Individualität da erreicht, wo die Wirtschaftlichkeit aufhört.

In der von Prof. Dr. Michael Ottenbacher geführten Diskussionsrunde zur Innovationskraft in der Hospitality Branche wurde diese Innovationsstärke bei Individualbetriebe allgemein anerkannt. Allerdings verfügen Systemer häufig über ein besseres Management von Prozessen bzw. auch über Systeme, Mitarbeitervorschläge strukturiert aufzunehmen.

Die Systemer in der Runde brachten zum Ausdruck, dass die Schwerfälligkeit von etablierten Systemen zum Nachteil bei der Innovationsgeschwindigkeit werden kann. Wogegen die Flexibilität bei Individual-Betrieben auch zu übereilten und nicht marktkonformen Entscheidungen führen kann.

Timo Patte lieferte als Hotel- und Restaurantmanagement-Student einen Überblick über Chancen und Beispiele von Big Data und Digitalisierung in unsere Branche.

Die abschließende Diskussionsrunde drehte sich einerseits um den ‘richtigen‘ Arbeitgeber je nach Mitarbeiterneigung und um die ‘passenden‘ Mitarbeiter für Systemer und Individualbetriebe. Die Runde stimmte überein, dass die Duale Berufsausbildung in der Hotellerie und Gastronomie einzigartig ist und beibehalten werden muss.

Jürgen Lochbihler, Geschäftsführer Der Pschorr in München, fördert das Image des Kochberufs, indem diese von vorbereitenden Tätigkeiten und anschließenden Reinigungsarbeiten befreit werden – ähnlich wie ein Chirurg im OP-Saal. Neben der Berufsausbildung sahen alle Diskussionsteilnehmer einen zunehmenden Bedarf an akademisch ausgebildeten Führungskräften.

Am Tag zuvor fand zum Auftakt das Networkingkonzept ‘future2job‘ statt. 600 Studierende nutzten die Gelegenheit sich bei den 22 teilnehmenden Unternehmen aus der Hospitality- und Tourismusbranche zu informieren und mit deren Vertretern Kontakte zu knüpfen.

Ausblick:
Das für den 13.10.2016 terminierte 7. Heilbronn Hospitality Symposium leitet sich inhaltlich aus der letzten Diskussion ab. Einerseits: Wie und wo findet die Hospitality Branche in der Zukunft die richtigen Mitarbeiter in Qualität und Quantität? Und: Wie verändert der zunehmende Grad der Automatisierung in der Zukunft die Jobprofile? Müssen sich die Unternehmen an die Gegebenheit und Möglichkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anpassen?

Der USP dieser Veranstaltung soll dabei beibehalten werden: An zwei Tagen werden nicht nur strategische Anregungen aus der Wissenschaft für die Hospitality Branche geboten, sondern gleichzeitig auch Kontakte zum potentiellen Führungskräftenachwuchs.

Vorreiter bei dieser Idee der Nutzung von Synergien sind die acht Förderpartner des Symposiums aus der Hospitality-Branche bzw. aus dem Kreis von Lieferanten der Branche. Diese werden gemeinsam mit der Hochschule Heilbronn die akademische Hospitality Ausbildung mitgestalten und darüber hinaus aktuelle Problemstellungen aus der Praxis in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn wissenschaftlich bearbeiten.

www.hs-heilbronn.de

Prof. Dr. Zeller, Hochschule Heilbronn


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