ZMP meldet deutlich weniger Restaurantbesucher

Vorneweg die LEH-Entwicklung: Verunsicherte Verbraucher gehen verstärkt dorthin, wo sie niedrigere Preise vermuten. Will heißen, im Lebensmitteleinzelhandel gewinnen Discounter wie Aldi, Lidl, Plus, Norma, Penny und Netto Marktanteile, während die Klassiker verlieren. Stark geschärfte Preissensibilität also. So gelang den Billigketten im 1. Quartal '02 ein Marktanteilsplus von 3,5 % zu Lasten der Verbrauchermärkte und kleineren Lebensmittelgeschäften. Es landet heute mehr als jeder dritte Euro, den die Bürger für Lebensmittel ausgeben, in den Kassen von Aldi & Co. Durch den traditionell hohen Marktanteil der Discounter ist nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle für Erzeugnisse der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft (ZMP) das Preisniveau in Deutschland das niedrigste in der gesamten Europäischen Union.

Die Marktforscher sprechen von einer Preisschlacht im deutschen Einzelhandel. Das aktuelle Preisniveau liegt im Schnitt leicht unter dem von 1995.



Gastronomie: In einer gesonderten Untersuchung (KNY) erfasst die Preisstelle auch das Ausgabenverhalten im Außer-Haus-Markt. Dabei werden jedoch nicht die Preise der einzelnen Gerichte, sondern nur die Kosten für den gesamten Verzehr in Gastronomie und Kantinen erfasst. Auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet gilt im 1. Quartal 02 (Vergleich 1. Quartal 01):

  • Frequenz (= Konsumfälle außer Haus) der Befragten nahm pro Woche von 2,8 mal auf 2,3 mal ab - ein Minus von 18 %.
  • Die Ausgaben je Befragten fielen von 19,86 auf 17,52 Euro - ein Minus von 12 %.




 
1. Quartal 01/02: Essen außer Haus
Befragung hochgerechnet auf Bevölkerung gesamt
  Quartal    
  I/01 I/02 VR %
   
Ausgaben je Befragten (Euro) 19,86 17,52 -12%
Frequenz je Befragten 2,8 mal 2,3 mal -18%
Anteil mit AH-Verzehr 71,2% 63,6% -11%
Verzehrsfälle-Anteil von Zwischenmahlzeiten/Frühstück 43,5% 37,8% -13%
Ausgaben je Verzehrsfall (Euro) 7,00 7,69 +10 %
Quelle: ZMP/KNY   




Das impliziert:

  • Der Anteil der Befragten mit Außer-Haus-Verzehr in der jeweiligen Befragungswoche sank von 71,2 auf 63,6 %.
  • Größter Verlierer sind Zwischenmahlzeiten und Frühstück - ihr Anteil an allen Verzehrsfällen sank von 43,5 auf 37,8 %.
  • So ergibt sich aus relativ höherer Bedeutung der Hauptmahlzeiten und der Preisentwicklung des Angebots ein Ausgabenplus je durchschnittlichen Verzehrsfall von 7,0 auf 7,69 Euro.




Die Gastronomie steht momentan als Teuro-Macher pauschal am Pranger. Jeder kennt eklatante Beispiele von seinem Lieblingsitaliener oder dem Imbiss um die Ecke, oder, oder, wo mit der Euro-Einführung eine weit überproportionale Preiserhöhung einherging. Dem gegenüber stehen all jene, die korrekt umgerechnet haben. Doch die sieht der Verbraucher kaum. Er nimmt die Gastronomie als eine der schlimmsten Teuro-Branchen wahr. Sippenhaft sozusagen! Und das Ganze wird täglich angeheizt durch Bild-Zeitung, Teuro-Gipfeltreffen von Politikern und Verbänden usw. Restaurant-Preise sind zum topp Party- und Telefon-Thema unter Freunden geworden.

Man geht weniger aus - trifft sich mehr zu Hause. Man kauft kleine Schnellmahlzeiten, seltener 'on the Run', sondern bringt die Versorgung für unterwegs aus der heimischen Küche mit. Mehr noch als die Suche nach eher preiswerten Gastro-Lösungen wird Frequenz-Verweigerung praktiziert. Die Diskussion macht sich insbesondere an den Getränkepreisen fest.
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