Arbeitsmarkt / Corona

"Das Gastgewerbe liegt am Boden"

Von einer dramatischen Ausnahmesituation für Unternehmen und Mitarbeiter spricht Guido Zöllick, Präsident des Dehoga, in Anbetracht der jüngsten Arbeitsmarktzahlen: Die Arbeitslosigkeit im Gastgewerbe ist im April um über 200 Prozent angestiegen, für mehr als eine Million Beschäftigte in der Branche wurde Kurzarbeit angezeigt.
Dehoga / Svea Pietschmann
Von einer dramatischen Ausnahmesituation für Unternehmen und Mitarbeiter spricht Guido Zöllick, Präsident des Dehoga, in Anbetracht der jüngsten Arbeitsmarktzahlen: Die Arbeitslosigkeit im Gastgewerbe ist im April um über 200 Prozent angestiegen, für mehr als eine Million Beschäftigte in der Branche wurde Kurzarbeit angezeigt.

Die Arbeitslosigkeit im deutschen Gastgewerbe ist im April um nie dagewesene 208,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Das ist die höchste Steigerung aller Branchen der deutschen Wirtschaft.

Extrem hoch sind auch die Zahlen bei der in Gastronomie und Hotellerie angezeigten Kurzarbeit. So wurde im März und April für mehr als eine Million Beschäftige Kurzarbeit angezeigt. "Das sind katastrophale Zahlen. Für Unternehmer wie Mitarbeiter ist das eine dramatische Ausnahmesituation. Das Gastgewerbe liegt am Boden", stellt Dehoga-Präsident Guido Zöllick fest.

Vom Fachkräftemangel zur Kurzarbeit

"Die Zahlen treffen eine Branche, die in den letzten zehn Jahren mehr als 300.000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen hat. Die noch im Februar, also vor weniger als drei Monaten, dringend Fachkräfte gesucht hat. Eine Branche, die in der Vergangenheit das Instrument der Kurzarbeit so gut wie gar nicht genutzt hat", heißt es in einer Mitteilung des Dehoga.
 
Doch jetzt wurde im März und April für 1.025.512 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Damit sind insgesamt mehr als 95 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe betroffen. Zum Vergleich: Der Wert für Februar lag bei 173. "Die Kurzarbeit erweist sich in der Situation als wertvolles arbeitsmarktpolitisches Instrument", sagt Zöllick.
 

Über 10 Millionen Kurzarbeiter insgesamt

Nach den jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit wurde bis Ende April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit beantragt – ein absoluter Rekordwert seit Einführung des arbeitsmarktpolitischen Instruments. Damit wurden alle Prognosen von Volkswirten bei Weitem übertroffen. Die Schätzungen der Experten hatten zwischen drei und sieben Millionen Menschen gelegen. Der bisherige Rekordwert für die Kurzarbeit in Deutschland stammt aus dem Mai 2009. Damals waren 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Im gesamten Krisenjahr 2009 waren 3,3 Millionen Anzeigen für Kurzarbeit bei der Bundesagentur eingegangen.


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