Arbeitsrecht / Tönnies-Video

Einigung vor Gericht

Vergleich vor Gericht: Die Mitarbeiterin der Catering-Firma im Tönnies-Schlachthof Rheda-Wiedenbrück, die das umstrittene Video zur Lage in der Kantine geteilt hatte, erhält eine Abfindung.
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Vergleich vor Gericht: Die Mitarbeiterin der Catering-Firma im Tönnies-Schlachthof Rheda-Wiedenbrück, die das umstrittene Video zur Lage in der Kantine geteilt hatte, erhält eine Abfindung.

Weil die Mitarbeiterin einer Catering-Firma ein Video online geteilt hatte, das geringe Abstände von Tönnies-Angestellten beim Essen in der Kantine zeigt, wurde ihr fristlos gekündigt. Laut einem Vergleich vor Gericht stehen der Frau nun 20.000 Euro Abfindung zu.

Gegen ihre fristlose Kündigung hatte die Mitarbeiterin geklagt. Nun kam es im arbeitsrechtlichen Streit um das Video aus dem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück zum Vergleich: Die fristlose Kündigung des Caterers wird in eine ordentliche umgewandelt. Die Klägerin erhält eine Abfindung von 20.000 Euro.
Für die Frau bedeutet die Umwandlung der fristlosen in eine fristgerechte Kündigung, dass alle Fristen und Bezahlungen eingehalten werden. Vor Gericht erschienen war die Klägerin nicht. Geklärt wurde demnach auch nicht, ob sie ihre Pflichten als Arbeitnehmerin verletzt hatte oder die Kündigung rechtmäßig war.

Ende März war das Video aus dem Betriebsrestaurant in den sozialen Medien aufgetaucht und sorgte deutschlandweit für Diskusssionen, unter anderem, weil sich in kurzer Zeit rund 1.400 Schlachthofmitarbeiter mit COVID-19 infiziert hatten. Laut NRW-Verordnung galt seit dem 22. März ein Mindestabstand von 1,50 Meter zum Schutz vor Infektionen. Dieser Abstand wurde auf dem Video nicht eingehalten. Bislang konnte jedoch neben anderen Details noch nicht festgestellt werden, ob das Video vor oder nach diesem Termin entstanden war. 

 
Im Rahmen der Berichte zu dem Streit um das Video gerieten auch die schlechten Arbeitsbedingungen in dem Fleischkonzern in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit wie auch die Lebensbedingungen von Tieren in Massenhaltung. Bundestag und Bundesrat liegen die Entwürfe von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil vor, der Werkverträge ab dem kommenden Jahr verbieten lassen möchte, die für die schlechten Arbeitsbedingungen der Schlachthofmitarbeiter hauptverantwortlich sein sollen.


Bundesagrarministerin Julia Klöckner reagierte mit einem "Fleischgipfel" auf die öffentlich gewordenen Zustände in der Fleischindustrie. Die Probleme, die im Zuge der Coronaausbrüche bei Tönnies zutage getreten seien, beträfen das gesamte System, so die Ministerin im Juni. Unter anderem möchte Klöckner eine Tierwohlabgabe einführen – europarechtlich verbindlich. Die Landwirte sollen über einen einzurichtenden Fonds bei Investitionen unterstützt werden.



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