Aus-/Fortbildung | Integration

Das Lehr-Talent

Andreas Heß hat die Großküche der Lebenshilfe Worms zu einer auch finanziell erfolgreichen Marke gemacht.
Franz-Josef Knoll
Andreas Heß hat die Großküche der Lebenshilfe Worms zu einer auch finanziell erfolgreichen Marke gemacht.

Mit der richtigen Anleitung kann jeder Teil der Leistungsgesellschaft sein, ist Andreas Heß überzeugt. Der Küchenleiter der Lebenshilfe Worms hat die Küchen-Abläufe dem Können seiner besonderen Mitarbeiter angepasst.

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"Was ist das für ein System, in dem top ausgebildete, kreative Köche und Köpfe in Großküchen Tüten mit Fertigrührei und gefrorenen Kartoffeln aufreißen?", poltert Andreas Heß angesichts der Praxis in vielen deutschen Großküchen. Der Chef der Lebenshilfe Zentralküche in Worms hat alles kennengelernt: Ausbildung unter härtestem Tonfall und nicht immer körperlich unversehrt, wie es in den 1980ern noch üblich war. Sterneküche, edles Hotel, Selbstständigkeit, Coach und, zum Start am heutigen Wirkungsort, Tütenaufreißen. Nach zehn Jahren zeichnen dort vier von fünf möglichen "Goldenen Kesseln" die Leistung seiner Mannschaft ausdas Großküchen-Äquivalent der Michelin-Sterne. Erreicht hat er das mit höchster Prozess-Effizienz und pädagogischem Geschick mit seinem sehr diversen Team.

Klare Prozesse und Vertrauen

"Einem Menschen mit Handicap kann ich keinen Druck machen", sagt der Küchenleiter mit Verantwortung für neun geistig behinderte beziehungsweise psychisch kranke Mitarbeiter – sogenannte Werkstattbeschäftigte, kurz WBs. Mit ihnen und seinem Team plus einer Hauswirtschafterin mit pädagogischer Zusatzausbildung versorgt er die Lebenshilfe-Mitarbeiter sowie mehrere Schulen und Kitas in und um Worms mit frisch gekochtem Essen. Ein Business mit dem Ruf, wenig lukrativ zu sein. Kleine Mengen hier, viele Schließtage dort. Doch hat der findige Unternehmergeist neue Geschäftszweige erschlossen. "Ohne kaufmännisches Geschick nützt die beste Kochausbildung nichts. Auch für die tollsten Gerichte muss die Kalkulation stimmen."

Außerdem betont er, wie wichtig gerade wirtschaftlicher Erfolg für Mitarbeiter ist, die im sogenannten "normalen" Berufsleben angeblich keine Chance haben. Voraussetzung: Vertrauen und System. Sein Leitsatz: "Wir machen keine Fehler. Wir lernen jeden Tag." Wer detailliert wisse, was er zu tun hat und genügend Zeit, jeden Schritt zu üben, fühle sich sicher und habe die Chance, seinen Platz in der Leistungsgesellschaft zu erringen und zu behaupten. "Unsere Engelslocken werden gekauft, weil sie ein super Produkt sind. Nicht, weil die Kunden Mitleid mit den Beschäftigten hier hätten." 


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Zur Person
Seit 2010 leitet der ausgebildete Koch die Großküche der Lebenshilfe Worms. Mit 16 die Ausbildung begonnen, war er 26 Jahre Küchenchef im Schwarzwald. 1991 zurück im heimatlichen Worms durchlief er Sterne- und Hotelgastronomie und war selbstständig als Küchen-Coach im Dienste des guten Geschmacks. In der "Genuss-Werkstatt" fühlt sich der 57-Jährige am Ziel angekommen und arbeitet daran, Mitarbeiter zu seinen Nachfolgern aufzubauen.

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