Ausbildung

Köche und Hotelfachleute besonders unzufrieden

An der Ausbildung von Köchen und Hotelfachleuten könnte man Vieles verbessern, finden die Auszubildenden.
pixabay.com
An der Ausbildung von Köchen und Hotelfachleuten könnte man Vieles verbessern, finden die Auszubildenden.

Unzufrieden mit ihrer Ausbildung sind besonders Köche und Hotelfachleute. Dies ist ein Ergebnis des gerade erschienenen DGB Ausbildungsreports 2019. Befragt wurden 16.181 Azubis über alle Berufe hinweg. Speziell hinsichtlich der fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung wird die Qualität der Ausbildung bemängelt.

Während die Koch-Azubis die fachliche Qualität ihrer Lehre noch im mittleren Bereich sehen, rangiert die Ausbildung zur Hotelfachfrau oder zum Hotelfachmann unter den fünf am schlechtesten bewerteten. In der Gesamtbewertung der Ausbildung landet dann auch die Kochausbildung unter den fünf, die am schlechtesten abschneiden.

Ganz vorne mit dabei sind Köche und Hotelfachleute bei den geleisteten Überstunden. 57,3 Prozent der angehenden Hotelfachleute geben an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. Bei den Köchen sind es 51,9 Prozent. Der Großteil über alle Berufe hinweg (84,8 %) kommt auf bis zu fünf Überstunden pro Woche, 15,2 Prozent leisten zum Teil noch deutlich mehr. Ein knappes Prozent aller Azubis in Deutschland leistet tatsächlich mehr als 20 Überstunden wöchentlich, so der Bericht.

Ausbilden, nicht ausnutzen!

"Eine Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Die Auszubildenden dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden", folgert die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte. "Wo die Ausbildungsbedingungen miserabel und die Vergütung schlecht ist, sind auch die Abbruchquoten hoch und die Arbeitgeber haben Schwierigkeiten ihre Ausbildungsstellen zu besetzen." Während fast jedes zweite Ausbildungsverhältnis bei den Köchinnen und Köchen vorzeitig gelöst wurde (48,2 Prozent), waren es bei den Verwaltungsfachangestellten nur 4,1 Prozent. Diese Problematik bestätigt auch Prof. Dr. Stephanie Hagspihl von der Hochschule Fulda. Obwohl sich die Zahl der Azubi-Stellen für Köche seit 2006 bereits halbiert hat, werden von 100 freien Stellen nur 18 dauerhaft besetzt, berichtete sie im März auf dem Internorga-Forum Schulcatering." Doch fehlt es auch für eine bessere Ausbildung offensichtlich immer wieder an den nötigen Mitteln. "Solange wir jeden Cent dreimal umdrehen müssen, sind uns die Hände gebunden", so Hagspihl.

Digitalisierung ausgebremst

"Zu einer guten Ausbildung gehören eine bessere technische Ausstattung und die Vermittlung von digitalen Kompetenzen ebenso dazu, wie besser qualifiziertes Lehrpersonal und Breitbandanschlüsse für die Schulen", so Conte dazu. Nur ein Drittel der Auszubildenden in Deutschland beurteilt die digitale Ausstattung der Berufsschule als sehr gut oder gut, so der DGB-Report. Ebenfalls ein Drittel aller Azubis hierzulande sieht sich nur ausreichend oder mangelhaft auf den Umgang mit digitalen Medien und Technologien vorbereitet. In Anbetracht der technischen Entwicklung in Großküchen ist es bemerkenswert, dass nur die Hälfte (49 %) der Koch-Azubis Digitalisierung und Automatisierung für sehr wichtig hält. Immerhin 54,7 Prozent haben dabei auch das Gefühl, in der Ausbildung auf die Anforderungen der Digitalisierung in der zukünftigen Arbeitswelt gut vorbereitet zu werden. Jedoch ist nur ein Viertel der Meinung, auch gezielt für die Nutzung digitaler Technologien qualifiziert zu werden. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack schlussfolgert: "Diese Zahlen machen uns Sorge. Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden. Die Mittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern müssen auch an den beruflichen Schulen ankommen. Überdies gilt es, das betriebliche Ausbildungspersonal besser zu qualifizieren. Die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) sollte dafür dringend modernisiert werden."

So bleiben drei große Baustellen für das Recruiting kreativer, motivierte und zufriedener Jungköche: eine qualifizierte Ausbildung, eine attraktive Vergütung und – last not least – ein besseres Image des Berufs. Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Braunschweig belegt der Kochberuf den vorletzten Platz im Beruferanking, lediglich gefolgt von Verkäufern. Es gibt viel zu tun.



stats