Ausbildungsreport der DGB-Jugend

Schlechte Noten fürs Gastgewerbe

Koch-Azubis bewerten ihre Ausbildung schlechter als Azubis anderer Branchen.
IMAGO / Panthermedia
Koch-Azubis bewerten ihre Ausbildung schlechter als Azubis anderer Branchen.

Der Ausbildungsreport 2022 der Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) wirft kein gutes Licht auf die Ausbildung im Gastgewerbe. In vielen der Rubriken gehören die Ausbildungen der Hotelfachleute sowie Köchinnen und Köche zu den Schlusslichtern. Kaum besser schneiden die Berufe des Lebensmittelhandwerks ab.

Für den Report wurden mehr als 14.000 Auszubildende aus allen Branchen befragt. Eine Sonderauswertung zeigt: Angehende Bäckerinnen und Bäcker, Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk, Köchinnen und Köche sowie Hotel- und Restaurantfachleute müssen etwa deutlich häufiger Überstunden leisten als Auszubildende in anderen Berufen. Diese werden im Vergleich häufig weder in Freizeit oder durch Bezahlung ausgeglichen. Auch die Qualität der Ausbildung wird von den Azubis schlechter bewertet als in anderen Branchen.

"Insbesondere beim Thema Arbeitszeiten und Belastung zeigt sich die dramatische Situation. Der viel beklagte Fachkräftemangel ist hausgemacht", erklärte Claudia Tiedge, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Mehr als 30 Prozent der Auszubildenden im Gastgewerbe und 35 Prozent der Auszubildenden zur Bäckerin oder zum Bäcker arbeiten mehr als 40 Stunden pro Woche. Unter allen Ausbildungsberufen insgesamt trifft das nur auf zehn Prozent der Azubis zu. Knapp die Hälfte der Azubis im Lebensmittelhandwerk (43,9 Prozent) und in Hotels und Gaststätten (47,4 Prozent) muss regelmäßig Überstunden leisten. 

Die schlechte Qualität der Ausbildung lässt sich aus Sicht der NGG darüber hinaus an ausbildungsfremden Tätigkeiten ablesen, über die Auszubildende im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Lebensmittelhandwerk häufiger berichten. So gaben 16,8 Prozent der Azubis in Hotels und Gaststätten an, immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben zu müssen, bei den Bäcker-Azubis war es sogar fast jeder Dritte (29,1 Prozent).

Hohe Abbruchquoten

Die schlechten Bewertungen der Auszubildenden spiegeln sich auch in den hohen Abbruchquoten wider. Mehr als 41 Prozent der Koch-Azubis lösten ihren Vertrag 2020 vorzeitig – bei Hotelfachleuten 37 Prozent und bei den Fachverkäuferinnen waren es sogar mehr als 43 Prozent.

"Wer über fehlende Fachkräfte klagt, muss endlich bei der eigenen Ausbildung anfangen. Eine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen würde auch die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber wieder steigen lassen", kommentiert Tiedge.

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