Berlin

Kaffee im Flatrate-Modus

Das Berliner Kaffeemaschinen-Start-up Bonaverde setzt auf ein zusätzliches Geschäftsmodell: Der Urban Coffee Club soll den Außer-Haus-Konsum für Kaffee weiter ankurbeln.
UCC
Das Berliner Kaffeemaschinen-Start-up Bonaverde setzt auf ein zusätzliches Geschäftsmodell: Der Urban Coffee Club soll den Außer-Haus-Konsum für Kaffee weiter ankurbeln.

Für 10 Euro wöchentlich unbegrenzt Kaffee trinken in derzeit knapp 100 Partner-Outlets, das verspricht der Urban Coffee Club von Hans Stier, Gründer des Kaffeemaschinen-Start-ups Bonaverde – oder für 7 Euro pro Woche täglich eine Tasse. Der Soft Launch startete Anfang Juli in der Hauptstadt Berlin. 

„Wir befinden uns aktuell noch in der Testphase in Berlin Mitte, um ein erstes Kundenfeedback umzusetzen und nicht denselben Fehler zu begehen wie mit der Kaffeemaschine vor zwei Jahren, bei der wir die Beta-Test-Einheiten bereits frühzeitig an Tester und Presse geschickt haben und am Ende lange Zeit mit den Reviews zu kämpfen hatten“, erklärt Alexander Greif, COO von Bonaverde, ein Start-up für Kaffeemaschinen, die rösten, mahlen und brühen. 


Die teilnehmenden Partner, auf die laut Greif bislang keine Kosten zukommen, werden Coffee Corner genannt. Die Bohnen für Filterkaffee, Espresso oder Americano liefert Bonaverde, ebenso kompostierbare Becher und eine Mühle. Neben den von Bonaverde selbst gerösteten Kaffees kommen in einer wöchentlichen Rotation auch lokale Röstereien zum Zuge. Mit kostenlosen Barista-Trainings soll die Qualität gesichert werden.

Demnächst soll es eine zusätzliche Option mit Milch geben, aktuell möchten die Gründer die Komplexität noch möglichst gering halten.

Praktisch jedes Unternehmen mit einer Kaffeemaschine kann Coffee Corner werden: z.B. Bücherläden, Yoga-Studios, Eisdielen oder Spätis. „Momentan verteilt es sich etwas stärker in Richtung Cafés und Restaurants, was allerdings am lokalen Fokus ‚Mitte‘ und somit nah um unser Büro liegt. Damit können wir möglichst schnell selbst Hand anlegen, falls jemand Hilfe benötigt“, sagt Greif.

Bonaverde
2013 fiel der Startschuss für die Entwicklung einer Kaffeemaschine, die röstet, mahlt und brüht. Bonaverde-Gründer Hans Stier sammelte über eine Crowdfunding-Kampagne ca. 2 Mio. Euro für das Start-up. In Schwierigkeiten geriet das Unternehmen zeitweise, weil die Kaffeemaschine nicht Ende 2014 geliefert werden konnte, sondern erst 2017. Es heißt, dass manche Anleger bislang noch immer kein Gerät erhalten haben. 

Greif äußert sich zu diesem Geschäftsbereich: „Die internationale Nachfrage ist riesig und wir haben bereits in vier Ländern Lizenz- und Distributionsverträge unterschrieben. Aber wir haben es aus Gründen der hohen Kapitalbindung im Zusammenhang mit der Hardware leider nicht eigenhändig skalieren können.“ Bonaverde arbeite im Vertrieb künftig mit Dritten zusammen, sagt er. Das Unternehmen fokussiere sich auf die Kernkompetenz – „die Entwicklung innovativer Produkte, um den Kaffeemarkt nachhaltig zu verbessern.“

Die Macher verfolgen die These, dass sich durch die Flatrates bei teilnehmenden Partnern sowohl Frequenzen als auch Bons erhöhen. Bewahrheitet sich dies nachweisbar, könne künftig eine Gebühr anfallen. Über die Zahl der Urban-Coffee-Club-Abonnenten hält sich das Unternehmen bedeckt. Laut Portal gruenderszene.de zählten die Apps Urban-Coffee-Club und Mybonaverde (darüber lässt sich auch die Kaffeemaschine bedienen) Mitte Juli insgesamt rund 1.000 Downloads. In den Apps sind die Bezugspunkte in einem Stadtplan eingetragen, mit der Scan-Funktion weist der Nutzer sein bezahltes Abo vor Ort nach. „Mittelfristig wollen wir ein ‚urbanes‘ Netzwerk aus tausenden von Coffee Corners aufbauen“, erklärt Greif. Sobald das Konzept skalierbar in Berlin bewiesen wurde, sollen andere Großstädte aufgenommen werden.

In den USA gibt es bereits seit 2014 einen Pionier in puncto Kaffee-Flatrate, das Start-up Cups. 



stats