Betriebsgastronomie

Umsatz bricht längerfristig weg

Die neuen Abstandsregelungen werden künftig auch zu weniger Gästen in Betriebsrestaurants führen.
imago images / Arnulf Hettrich
Die neuen Abstandsregelungen werden künftig auch zu weniger Gästen in Betriebsrestaurants führen.

Die Betriebsgastronomie hat ihren Betrieb fast vollständig runtergefahren. Nur sehr langsam wird sie zur neuen Normalität zurückkehren. Dies ergab eine Telefonumfrage unter Verantwortlichen führender Unternehmen durchgeführt von Branchenkenner Günter Kuhn, Gründer und Inhaber, K+P Consulting in Düsseldorf.

Fast allen Unternehmen geht es derzeit in der Coronakrise gleich: Die Einschnitte sind immens, der laufende Betrieb fast eingestellt. "Der Lockdown hat sich brutal auf das Geschäft ausgewirkt!", bringt es Franz Josef Engels, Leiter Verpflegung und Catering, Freudenberg Verpflegungsdienste, auf den Punkt. Andere Einrichtungen wie beispielsweise Mensen sind ganz geschlossen. Und für die verbleibenden Gäste gibt es radikale Einschränkungen: Keine Selbstbedienung, keine Salatbar und auch das Besteck wird fertig gewickelt ausgegeben. Vielerorts wurde die klassische Restaurantversorgung ganz eingestellt, werden lediglich Lunchpakete ausgegeben, wie die Befragung zeigt.


Mittelfristig starke Einschränkungen

Auch mittelfristig rechnen die Entscheider nicht mit einer wesentlichen Erholung. Solange Corona nicht besiegt ist, werde die Betriebsgastronomie nur eingeschränkt agieren können, so der Tenor der Verantwortlichen. Man werde sich langsam an die "neue Normalität" heranarbeiten müssen. "Es wird sich viel verändern, alle Konzepte müssen überdacht werden, insbesondere bezüglicher behördlicher Auflagen", sagt Jörg Lüken, Geschäftsführer, Akademisches Förderungswerk AöR.

Neben Handschuhen und Mundschutz belastet das Wegfallen der Selbstbedienung die Betriebsgastronomie auf Dauer. Tischgastzahlen – wie vor der Krise – seien laut der Umfrage vorerst nicht zu erwarten. Zurückgefahrene Produktion, Kurzarbeit und Home-Office werden den Andrang weiterhin massiv reduzieren, ist man sich einig. Zudem werde sich die Kapazität der Restaurants durch die Abstandsregeln stark verringern. An einen dreifachen Stuhlumschlag sei nicht mehr zu denken.

Wirtschaftlich katastrophal

Dies schlage sich in heftigen Umsatzeinbußen nieder – bei gleichzeitig hohen Kosten. Da auch das Konferenzgeschäft als ein wesentlicher Umsatzbringer aufgrund von Reisebeschränkungen und dem Durchbruch von Videokonferenzen für die nächste Zeit stark reduziert sein wird, sind die betriebsgastronomischen Einrichtungen derzeit nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Für die meisten Einrichtungen sei dies ein Desaster.

Aktuell sieht die Branche eindeutig die Trends Delivery und To go als „die“ Gewinner der Corona-Kriese. Alle Formen der Selbstbedienung und der persönliche Service werden es hingegen in der nächsten Zeit sehr schwer haben. "Wir müssen flexibel sein und dort anbieten, wo und wann überhaupt noch gegessen wird", sagt Susanne Schölzel, Direktor Client Services Germany, Deutsche Bank. Die fortschreitende Digitalisierung werde all diese Entwicklungen begleiten und forcieren. 

Stellenwert steigt

Günter Kuhn ist Gründer und Inhaber der K&P Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf.
K&P
Günter Kuhn ist Gründer und Inhaber der K&P Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf.

Langfristig sehen die Verantwortlichen den Stellenwert der Betriebsgastronomie jedoch eher noch zunehmen. "Sobald der Impfstoff vorliegt, wird es wie früher sein!", ist Jürgen Vogl, Vorsitzender der Geschäftsführung, Aramark Holding Deutschland, überzeugt. Besonders wenn Mitarbeiter durch mehr Home-Office seltener im Unternehmen sind, steige die Bedeutung des Betriebsrestaurants als Kommunikationstreffpunkt. Ähnlich sieht das Sascha Witt, Geschäftsführer, Bayer Gastronomie: "Das Standing der Betriebsgastronomie wird sich eher noch erhöhen." Schließlich sei die Betriebsgastronomie das Blut des Unternehmens, unterstreicht Thomas Walter, Abteilungsdirektor der R+V Versicherung.

Bei den zukünftigen Essenszahlen sind sich die Befragten je nach Unternehmen uneins. Während etwa die Hälfte der Befragten auch langfristig mit 15 bis 30 Prozent weniger Gästen rechnet, ist sich die andere Hälfte sicher: Spätestens in ein bis zwei Jahren sind wir wieder auf dem gleichen Stand wie vor der Krise.

Branchen-Insider Günter Kuhn abschließend: "Genau jetzt ist der Moment, um neue Lösungen und Konzepte zu entwickeln, die die absehbaren Veränderungen aufgreifen und langfristig neue Chancen in der Betriebsgastronomie ermöglichen."




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