Appell an die Regierung

Gastgeber fürchten wieder um Existenz

Namhafte Vertreter der Hospitality-Branche bitten die Politik in einem Brief um mehr Aufmerksamkeit und Hilfe.
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Namhafte Vertreter der Hospitality-Branche bitten die Politik in einem Brief um mehr Aufmerksamkeit und Hilfe.

Die Lage ist wieder ernst. Vielleicht noch ernster als zu Zeiten von Corona. Rund 100 namhafte Caterer, Hoteliers, Zulieferer und Gastronomen wenden sich mit einem Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz.

Ein breites Bündnis quer durch den Hospitality-Sektor fürchtet um seine Existenz: Darunter namhafte Markengastronomen wie Johannes Bühler (Hans im Glück), Stefan Tewes (Coffee Fellows), Torsten Petersen (Enchilada) und Mirko Silz (L'Osteria). Aber auch große Hoteliers wie Ingo C. Peters (Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten Hamburg) und Dirk Iserlohe (Dorint) oder Homeira Amiri (Centro). Und auch bekannte Top-Köche wie Tim Raue, Tohru Nakamura, Haya Molcho, The Duc Ngo und Tim Mälzer unterschreiben den Brief an die Politik. Im Kern werden schnelle Liquiditätshilfen bis zum Start der Gaspreisbremse und eine Anpassung der Bemessungsgrundlage für die Gas- und Strompreisbremse gefordert.

Die Kassen sind leer

Zwar seien in den vergangenen Jahren hohe Beträge unterstützend von Seiten des Staates in die Branche geflossen, aber nach zwei Jahren Pandemie sind die Kassen vieler Gastgeber einfach leer. Liquiditätsprobleme machen sich zunehmend bemerkbar. Weitere solche Monate werden wohl viele in der Branche finanziell nicht überleben, so die Befürchtung der Initiatoren.

Hier folgt der Brief in Auszügen:

"Wir sind Restaurants, Cafés und Bars. Wir sind Caterer für Veranstaltungen. Wir sind Verpfleger für soziale Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Mensen, Altenheime und Geflüchtetenunterkünfte. Wir sind Hotels, Studentenheime, Coworking-Spaces und Jugendherbergen. Wir sind mehr als 200.000 Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland, verantwortlich für 1,8 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Inklusive der breit gefächerten Wertschöpfungskette sind es sogar mehr als 4 Millionen Menschen.Wir alle sind in großer Sorge, dass bei uns bald – erneut und diesmal endgültig – das Licht ausgeht.
(...)
Die Bundesregierung bringt eine Vielzahl von Maßnahmen auf den Weg, um Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen durch die Energiekrise zu führen. Doch die Maßnahmen reichen nicht aus, um für unsere spezifische Situation Entlastung zu schaffen. Ohne weitere Unterstützungszusagen droht unsere Branche ab Januar 2023 in kürzester Zeit von der bevorstehenden Kostenflut verschluckt zu werden.
(...)
Es braucht daher Anpassungen der Hilfspakete – und dies schnell. Konkret geht es um:
  1. Schnelle Liquiditätshilfe bis zum Start der Gaspreisbremse
    Wenn die Gaspreisbremse zum 1. März 2023 in Kraft tritt, ist es für viele von uns zu spät. Die erwogene einmalige Abschlagszahlung im Dezember hilft uns nicht über mehrere Monate hinweg. Ab Januar werden uns die Energiekosten auffressen, wenn keine weitere Liquidität bereitgestellt wird. Wir brauchen daher, erstens, eine sofortige Klärung der geplanten Härtefallregelungen und, zweitens, ein Angebot von ab Januar kurzfristig und unbürokratisch bereitgestellter Finanzmittel für solche Unternehmen, die infolge der Pande-miemaßnahmen bereits unverschuldet Wirtschaftskraft eingebüßt haben.
  2. Anpassung der Bemessungsgrundlage für Gas- und Strompreisbremse
    Eine Deckelung der Gas- und Stromkosten für 80 Prozent der Kosten auf Basis des Vorjahresverbrauchs ist für Unternehmen, die 2021 noch monatelang geschlossen waren, nicht geeignet. Für betroffene Unternehmen muss der Vorpandemie-Verbrauch 2019 die Bemessungsgrundlage sein, damit Entlastung stattfindet."
Der ganze Brief samt Unterzeichner im Wortlaut (PDF)

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