Kommentar

Thomas im Glück

Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.
Salome Roessler
Boris Tomic, Chefredakteur des Fachmagazins foodservice.

Burger at it’s Best – heute beschäftigen wir uns einmal mit den trendigen Fleischklöpsen. Selten genug kommen die unterschätzten Helden unserer Branche zur rechten Würdigung.

Einer, der die Fleischklopsgastronomie zur Perfektion getrieben hat – sowohl was Marketing als auch was das Upgrade des Burgers in der Food-Wahrnehmung bezüglich der Wertigkeit angeht, ist Thomas Hirschberger. Der Mann hatte das richtige Näschen: Ob bei der Gründung der Sausalitos-Kette in den Mittneunzigern oder bei seinem jüngsten Baby, dem Better-Burger-Projekt „Hans im Glück“. Sie merken schon, das hier wird eine Hommage an den Schlag von Gastronomen, von dem die Branche als Gegengewicht zu den zahlreichen Private Equity-Fondsmanagern dringend mehr brauchen könnte.

Hirschberger, von der Statur her Typ kerniger  Kneipenwirt mit breitem bajuwarischem Dialekt, ist aber viel eher eher ein kantig-cooler Querdenker mit dem Maß an größtmöglicher unternehmerischer Brillanz, die man eben in der Branche braucht, um Erfolg zu haben. Ein Original.

Mitte der 2010er Jahre verkaufte er Sausalitos an einen Finanzinvestor. Und viele seiner alten Getreuen wechselten im Nachgang von der Tex-Mex-Kette zu seinen Better Burgern. Hirschberger wurde vorgeworfen, er betreibe aktiv Abwerbung, einigte sich aber sehr bald mit dem neuen Eigentümer.

Sausalitos betreibt zurzeit über 40 Filialen und erzielt rund 55 Mio. Euro Umsatz. Angeblich sollen noch in diesem Jahr mindestens vier weitere dazukommen. Der jetzige Besitzer, eine europäische Private-Equity-Gesellschaft, wird Sausalitos nicht ewig behalten. Das ist sicher.

Laut Handelsblatt stehen die Käufer bereits Schlange. Eben daran macht sich eben der Unterschied zwischen einem Fonds als Eigentümer und einem Gründer fest: Hirschberger kämpft weiterhin für sein 100-Mio-Umsatz-Baby. Für „Hans im Glück“ und die fortlaufende Expansion der Kette hat er eine Grundstücksverwaltung mit 10 Mio. Euro Kapital reingeholt, machte mal eben so seinen dritten Laden in Singapur auf und versetzt seinem Rivalen Peter Pane einen gerichtlichen Schlag nach dem anderen.

In dem seit 2015 währenden Rechtsstreit mit Peter Pane hat das Landgericht Frankfurt „Hans im Glück“ einen Teilerfolg beschert. Peter Pane hatte im November des vergangenen Jahres auf verschiedenen Portalen veröffentlicht, dass die „Kündigung von Hans im Glück unwirksam“ sei. Dagegen ging Hans im Glück gerichtlich vor und erhielt nun Recht. In dem uns
vorliegenden Urteil untersagt das Gericht die weitere Verbreitung dieser Aussage und droht Peter Pane „für den Fall der Zuwiderhandlung gegen die ausgesprochene Verpflichtung ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 € an.“

Thomas also im Glück? Für den Augenblick sieht es so aus. Hirschberger, der schlaue Fuchs, wird genau wissen, wann er die Reißleine ziehen muss – ewig wird der Better-Burger-Hype sicher nicht andauern. Es gilt, den richtigen Zeitpunkt zu finden, sich davon zu trennen. Wie man ihn kennt, darf man für den Fall seines Ausstieges davon ausgehen, dass er sein Näschen wieder dafür einsetzt, Neues zu kreieren. Hirschberger ist nunmal durch und durch gastronomischer Entrepreneur und eben nicht ein Fondsmanager… mehr von seiner Art gäben der Branche einen - um im Burgerbild zu bleiben - fetten und auch dringend notwendigen Innovations-Schub..


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