Corona-Einfluss auf Marktdaten (II)

Socializing fehlt - Lieferplattformen gewinnen

Delivery-only funktioniert auch in der Fullservice-Gastronomie.
imago images / Seeliger
Delivery-only funktioniert auch in der Fullservice-Gastronomie.

Schon deutlicher sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gastronomie in Deutschland in den aktuellen Marktdaten der npdgroup zu sehen. Im Schnitt um ein Viertel ist der Gastro-Umsatz in der Kalenderwoche 11 (9.-15.03.) im Vergleich zur Vorjahreswoche gesunken.

Jochen Pinsker, Senior Vice President, npdgroup, Nürnberg, erklärt anhand der aktuellen Daten der KW 11, dass deutlich über dem Durchschnitt die Foodservice-Verluste an Travel-Standorten, vor allem an Flughäfen, und in der Fullservice-Gastronomie liegen. Ebenfalls stark betroffen: Schulcatering und Verpflegung am Arbeitsplatz.

Das Comeback der Plastikschale

Der Umsatz der Quickservice-Branche ist hingegen weniger negativ als im Gastro-Durchschnitt. Positiv wirken sich dabei die Lieferdienst- und Take-away-Anbieter aus. Manche Player waren kreativ und liefern jetzt (oder lassen liefern), To-go-Offerten sind ebenfalls noch möglich. Die Kommunikation erfolgt über die Sozialen Medien, hier werden auch werbewirksam beispielsweise kostenlose Essenslieferungen an Krankenhaus-Mitarbeiter kommuniziert.

Wichtig bleibt in Sachen Delivery: hygienische Verpackung, die Sicherheit vermittelt, sowie eine möglichst kontaktlose Lieferung. Wesentliche Profiteure der Corona-Krise sind die Lieferplattformen. Denn diese sind die erste Informationsquelle für eine Bestellung. Das Teilsegment Delivery weist ein kleines absolutes Umsatzwachstum auf.

"In den Zahlen wird deutlich, dass der Fokus auf den Hauptmahlzeiten liegt", erklärt Pinsker. Vor allem das Mittagsgeschäft ist noch resistent. Frühstück und Zwischenmahlzeiten haben überdurchschnittlich verloren - die einstigen Wachstumstreiber der Branche.

Konsumenten vermissen Socializing

Die npdgroup hat mittels repräsentativer Konsumentenstudie mit 500 Teilnehmern herausgefunden, dass 95 Prozent der Befragten der Entscheidung zustimmen, dass Bars, Cafés und Restaurants geschlossen sein müssen.

55 Prozent haben Socializing mit Freunden und Familie angegeben, bei der Frage, was ihnen seit der Schließung der Gastronomie am meisten fehlt. Was den Gästen weniger fehlt, ist die Convenience-Funktion des Außer-Haus-Markts.

10 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zwar in der Vergangenheit noch keine Lieferdienste genutzt haben, dies aber in der Zukunft in Erwägung ziehen. Das zeigt, dass Lieferdienste auch über die Krise hinweg Potenzial haben, neue Gäste zu generieren. Sind sie zufrieden mit der Leistung, bestellen sie auch weiterhin.

32 Prozent der befragten Konsumenten gaben an, dass ein Besuch in der Gastronomie auf ihrer Liste ganz oben steht, sobald die Einschränkungen wieder vorbei sind. "Ein Drittel der Befragten ist also schon heiß auf den nächsten Gastro-Besuch", so Pinsker.

In der KW 12 wird die Corona-Krise laut Pinsker noch ersichtlicher in der Statistik. Dann werden sich die weiteren Restriktionen in den Zahlen durchschlagen, mit welchen die Gastronomen seit Ende KW 11 und Anfang KW 12 zu kämpfen haben.

Über die npdgroup
Die npdgroup betreibt in Deutschland und 12 weiteren Ländern weltweit das CREST Verbraucherpanel. Die vorgenannten Daten basieren auf ersten Ergebnissen aus diesem Instrument, die aufgrund der aktuellen Lage derzeit wöchentlich betrachtet werden.




Sie möchten Aktuelles zum Thema "Coronavirus und die Gastro-Branche" lesen? Mehr fachlichen Input finden Sie in unserem "Coronavirus und die Gastro-Branche"-Dossier.
stats